Marktberichte

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Dax-Ausblick: Von wegen stille Nacht

Die USA müssen sich bis Jahresende bezüglich ihres Haushalts einigen, um die „Fiskalklippe“ zu vermeiden. Analysten rechnen mit Gewinnmitnahmen. Die Märkte dürften weiter zittern – von Festtagsruhe noch keine Spur.

Geschenkpäckchen am Frankfurter Börsenparkett. Die letzten Tage des Jahres könnten noch holprig werden. Quelle: Reuters
Geschenkpäckchen am Frankfurter Börsenparkett. Die letzten Tage des Jahres könnten noch holprig werden. Quelle: Reuters

Einen gemächlichen Festtagshandel wird es wohl kaum geben – der seit Monaten andauernde Streit um den US-Etat könnte zwischen den Jahren noch für ein ordentliches Auf und Ab im Dax sorgen. Es wäre schon eine böse Überraschung für die Märkte, wenn die Politiker das Haushaltsproblem nicht in den Griff bekämen, sagte Daniel Kukalj, Analyst bei Close Brothers Seydler.

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Bis Ende nächster Woche muss eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern her, sonst greifen automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Höhe von 600 Milliarden Dollar. Experten zufolge könnte dies die USA in die Rezession stürzen, die sogenannte Fiskalklippe. Dies würde nach Ansicht der Experten auch der Weltwirtschaft zumindest einen Dämpfer verpassen.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

  • Szenario I: Einigung

    Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

    "Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

    Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

  • Szenario II: Hängepartie

    US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

    Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

  • Szenario III: Keine Einigung

    Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

    Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

    Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Der Dax hat eine tolle Rally hinter sich

Die Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen sollte nach Weihnachten ein willkommener Anlass für Gewinnmitnahmen sein, prognostiziert Wolfgang Duwe, Aktienstratege bei der Bremer Landesbank. „Schließlich ist der Dax in den vergangenen Wochen fast ununterbrochen gestiegen.“ Allein seit Mitte November hat der deutsche Leitindex gut zehn Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn kommt er mit rund 7.630 Zählern auf ein Plus von fast 30 Prozent.

Die Prognosen der Finanzprofis

  • George Soros, Investor

    „Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

  • Marc Faber, Investor

    „Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

  • Bill Gross, Fondsmanager

    „Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

  • Felix Zulauf, Vermögensverwalter

    „Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

  • Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

    „Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

  • Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

    „Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

  • Warren Buffett, Investor

    Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

  • Nouriel Roubini, Ökonom

    „Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

  • Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

    „Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

  • Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

    „Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

  • Barry Knapp, Barclays

    „Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

  • Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

    „Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

  • Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

    „Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Geht es 2013 weiter aufwärts?

Ihre Zuversicht für das neue Jahr lassen sich viele Analysten aber trotz des Hickhacks um den Haushalt nicht nehmen. Die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik der Notenbanken, die moderate Bewertung vieler Unternehmen und der Mangel an Anlagealternativen sollten 2013 für Zuwächse im Dax sorgen, schreiben die Experten der Landesbank Berlin in ihrem Marktausblick. Allerdings dürften die Gewinne weniger stark als in diesem Jahr ausfallen: Sie rechnen auf Zwölfmonats-Sicht mit einem Plus von sieben Prozent.

  • 22.12.2012, 15:14 UhrTingeltangel-Bob

    egal ob die amis zum thema fiscal-cliff sich auf einen mini-kompromiss einigen oder nicht.

    die ökonomische lage, weder momentan noch mittelfristig, rechtfertigt die krasse rally der vergangenen wochen.

    was das mediale aufgebausche anbelangt, hat der HB-trupp und andere, ihr gesellenstück abgeliefert.


    starke gewinnmitnahmen und deutlich korrekturen können da nur die logische schlussfolgerung sein - auch wenn an der börse wenig logisch ist.


    wie siehst du das?

  • 22.12.2012, 17:01 UhrSilikonbrueste.de

    Na ja, für die, die nicht mehr engagiert sind, weil sie oben mit sattem Gewinn verkauft haben (wie meiner einer), bleibt ja nur zu hoffen und zu beten, dass die Kurse wieder fallen.

  • 22.12.2012, 18:41 Uhrdeltaone

    Die Amis werden sich einigen, weil sie sich einigen müssen. Kurzfristig also weiter hoch, ab Mitte/Ende Januar wird es (temporär) saftige Rückschläge geben wegen Israels Angriff auf den Iran und des damit verbundenen massiven Anstiegs von Brent auf geschätzte 150 USD/Barrel. Weil wir somit einen exogenen Schock haben, der wohl zeitlich mit einem Test des ATH beim Dax einhergehen wird, bieten sich die Kurse dann für Shortspekulanten an - wenn man denn gehebelt overnight gehen will,was nicht meine Intention ist. Für mein Szenario einfach Raytheon kaufen, ist mit Dividendenrendite und KGV gemessen nicht mal teuer, eine Übergewichtung wert. Man könnte sich auch Ölaktien ins Depot legen, bei Gold bin ich abseits der klassischen 5% vom Gesamtvermögen eher vorsichtig, denn bei geopolitischen Unsicherheiten hätte ich lieber USD. Relativ risikoarm scheint mir der Kauf von Longbonds wegen o.g. Kaufprogramm. Die spannende Frage: Wie wird der exogene Schock von den Aktienmärkten verdaut? Mit Blick auf die jährliche Billionen frisch gedruckte USD der FED und des Draghi-Put nicht einfach zu beantworten. Langfristig würde ich die Preise dann als Kaufgelegenheit betrachten (reale versus nominale Werte) und wieder zeitlich gestreckt ungehebelt kaufen, beginnend ab ca. 7000 oder tiefer alle 200 Punkte nach unten, wohlgemerkt bei einer initialen Aktienquote von NULL. Wer seine Bestände langfristig halten will, kann ja einfach ab Mitte Januar seine Aktienquote
    a) reduzieren oder
    b) per Optionen hedgen. Für´s kleine Geld wären auch OS OK, die Richtung und das Timing sind m.E. wichtiger als das Vehikel.
    "Nothing is certain but death and taxes."
    Frohe Weihnachten und ein gesundes 2013!

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