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Emirat in Zahlungsverzug: Dubai-Schock wirkt an den Börsen nach

An den Märkten wird zurzeit die Hoffnung vieler Anleger auf eine Jahresendrally beerdigt. Gestern erlitt der Dax die heftigsten Kursverluste seit Wochen, heute geht?s weiter abwärts. In Tokio fällt der Nikkei um mehr als drei Prozent, die US-Börsen dürften mit deutlichen Verlusten starten. Die Schockwellen aus Dubai entfalten weiter ihre Wirkung.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Schuldenkrise in Dubai reißt die internationalen Börsen erneut in die Tiefe. Auch in den USA dürfte es heute hohe Kursverluste geben. Angesichts der Angst vor Finanzproblemen des Emirats haben die Futures der wichtigsten US-Indizes auf einen deutlichen Abschlag zur Börseneröffnung hingedeutet. Der S&P-Future lag drei Prozent im Minus, der Dow-Jones-Future notierte 2,3 Prozent niedriger und der Future auf den Nasdaq 100 drei Prozent tiefer. "Die Sorgen um Dubai sind ein Thema, aber sie sind kein richtiger Schock", sagte Händler Mic Mills von ETX Capital in London. Er schloss nicht aus, dass es wegen der Abwesenheit vieler Investoren zu einer übertriebenen Reaktion kommen könne. Am Donnerstag waren die US-Börsen wegen des Feiertages "Thanksgiving" geschlossen. Am Freitag ist der Handel verkürzt.

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In Tokio rutschte der Nikkei-Index am Freitag um 3,2 Prozent auf 9 081 Zähler. So tief lag er seit vier Monaten nicht mehr. Der Hang Seng in Hong Kong und der südkoreanische Aktienindex Kospi fielen jeweils um fast fünf Prozent. Die europäischen Aktienmärkte hatten schon am Donnerstag als Reaktion auf die Geldprobleme in dem arabischen Emirat stark nachgegeben. Und auch am Freitag ging die Talfahrt an den Börsen in Europa weiter.

Der deutsche Aktienmarkt startete erneut schwächer. Der Dax fiel zum Auftakt um 1,34 Prozent auf 5 539 Zähler. Am Vortag war der deutsche Leitindex bereits um 3,25 Prozent abgerutscht. Aktuell beruhigt sich aber der handel, der Dax steht nur noch mit 0,1 Prozent im Minus.

Fließen bald Tränen in der Wüste?

Die Nachricht von den massiven Geldproblemen im Luxus-Paradies Dubai hatte die Finanzwelt am Donnerstag wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Nach dem Beginn der Finanzkrise hatte sich die Führung des Landes noch bemüht, die Probleme geheim zu halten. Jetzt musste das arabische Emirat die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um Zahlungsaufschub bitten. Damit wurde klar: Dem Staatsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals, die Scheichs haben sich übernommen.

Insgesamt soll Dubai World Schulden von rund 60 Mrd. Dollar angesammelt haben. Hauptgrund für die aktuellen Zahlungsschwierigkeiten Dubais ist nach Experteneinschätzung der Niedergang des Immobiliensektors - eine Folge der Finanzkrise.

An den übrigen europäischen Börsen setzte die Sorge um die Geldnot in Dubai auch am Tag zwei nach Bekanntwerden die Aktien weiter unter Druck. In London verlor der FTSE 100, der Index der wichtigsten Unternehmen, mehr als drei Prozent und rutschte auf 5194 Punkte ab. Schon am Tag zuvor hatte der Aktienindex 3,2 Prozent eingebüßt. Das war der stärkste Rückgang an einem Handelstag seit März.

Der Pariser CAC-40-Index verlor zunächst 1,39 Prozent, konnte die Verluste aber einschränken und steht jtzt auf dem Niveau von Vortag. Auch der EuroStoxx 50 setzte den Negativtrend vom Vortag fort, verlor in den ersten Handelsminuten 1,51 Prozent und liegt jetzt bei 2794 Punkten mit 0,18 Prozent im Minus.

Die Nachrichten aus Dubai hatten auch Auswirkungen auf den Ölpreis. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) sank am Freitag auf 75,46 Dollar und lag damit um 2,69 Dollar unter dem Preis zum Handelsschluss am Donnerstag. Der Goldpreis gab nach dem gestrigen Allzeithoch um rund zwei Prozent nach, Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.

Investoren trennen sich von riskanten Anlagen

Skeptische Analysten sehen sich bestätigt und sind gleichzeitig überrascht. Bestätigt, weil mit den Zahlungsschwierigkeiten Dubais ein neues Problem im globalen Finanzsystem sichtbar wurde. Überrascht, weil Komplikationen mit globaler Schlagkraft eher im Bankensektor etwa in den USA oder in der Realwirtschaft erwartet worden waren. Die Anleger nahmen die neue Situation zum Anlass, ihr Verhaltensmuster der vergangenen Monate umzukehren. Seit dem Frühling dirigieren sie Gelder aus risikofreien Anlagen in Risikoanlagen um. Die hinreichend verfügbare Liquidität wandert in Aktien, Rohstoffe, Risikoanleihen und Währungen mit Rohstoffbezug. Kurse und Preise sind deshalb spektakulär gestiegen.

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