
HB TOKIO/HONGKONG/PEKING. Asien freut sich über das neue EU-Stützpaket. Vor allem zwei Dinge werden positiv aufgenommen: Zum einen fiel der Umfang des Pakets mit 750 Mrd. Euro größer aus als erwartet und zum anderen wird es flankiert von der Europäischen Zentralbank, die zusagte, wenn nötig Staatsanleihen von Euro-Zonen-Ländern aufzukaufen. Hinzu kam, dass internationale Notenbanken den Europäern umgehend beisprangen und die Wiedereinführung von sogenannten Swaplines ankündigten, über die die Versorgung des europäischen Bankensystems mit Fremdwährungen sichergestellt werden soll.
Diese Maßnahmen könnten kurz- bis mittelfristig für eine Wende sorgen, sagte Dariusz Kowalczyk, Chef-Investmentstratege bei SJS Markets. Das Kreditpaket sei groß genug, um Spekulationen über den Zusammenbruch des hochverschuldeten Griechenland zunächst einmal fortzuwischen. Der Euro legte nach Bekanntgabe des Programms zu, die Risikoaufschläge für asiatische Staatsanleihen verließen ihre Zehn-Monats-Hochstände.
Einige Investoren blieben aber vorsichtig und wollten erst weitere Details des Pakets abwarten. Sorgen über eine Ausbreitung der griechischen Schuldenkrise hatten die Märkte in der vergangenen Woche weltweit auf Talfahrt geschickt.
In Tokio kletterte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,6 Prozent auf 10 530 Punkte. Der breiter gefasste Topix rückte 1,4 Prozent vor auf 944 Punkte. „Die Finanzminster der EU haben die Märkte komplett überrumpelt“, schreibt Mitul Kotecha von Credit Agricole. „Fragt sich nur, ob das Paket auch langfristig stabilisierend wirkt.“
Auch die Märkte in Hongkong, Südkorea, Taiwan, Singapur und Shanghai legten zum Teil kräftig zu. In Shanghai überschatteten aber auch zunehmende Sorgen um die Unternehmensgewinne die Freude über die Stabilisierung in der EU.
Der Markt habe in Vorfreude auf ein Ende der Krise überschossen und korrigiere weiterhin die erreichten Höchststände. „Vor allem die Small Caps sind noch eine Riesenblase“, sagt Fondsmanager Zhang Ling von Shanghai River Fund Management. „Die haben noch Luft nach unten und werden Markt herunterziehen.“
Der Shanghai Composite hat seit Jahresbeginn knappe 20 Prozent verloren, nachdem er im Herbst und Winter angesicht eines chinesischen Wirtschaftswachstums über zehn Prozent nach oben geschossen war. Chinas Regierung bremst jedoch derzeit das Wirtschaftswachstum beispielsweise durch Regeln zur Abkühlung des Immobilienmarkts.
Zu den großen Gewinnern im Reich der Mitte gehörte die Bank of China. Das drittgrößte Institut des Landes kündigte an, rund eine Milliarde Dollar in Eisenbahn-Projekte zu investieren.
In Japan begründeten Händler die Aufschläge neben den Nachrichten aus Brüssel auch mit einer technischen Reaktion. Nach den erheblichen Kursrückschlägen der vergangenen Woche von mehr als sechs Prozent sei der Markt fast überverkauft gewesen, sagte ein Händler. Trotz der verschiedenen Rettungspläne sei aber weiter Vorsicht geboten, mahnte einer seiner Kollegen. Im Markt werde darüber gesprochen, wie stark einige Finanzinstitute in griechische Anleihen investiert hätten. Das wecke Erinnerungen daran, wie die Krise durch Schrott-Immobilienkredite begonnen habe. In Grenzen gehalten wurden die Aufschläge zudem durch Gewinnmitnahmen.
Zu den großen Gewinnern in Tokio gehörte Toray mit einem Plus von 5,6 Prozent. Der Hersteller von Kohlefaserstoffen unterzeichnete einen Zuliefervertrag mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.
Softbank-Titel kletterten 4,5 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen ab Ende Mai mit dem Verkauf von Apples iPad beginnt.
Der Euro erholte sich nach der Ankündigung des Brüsseler Rettungsschirms. Die Gemeinschaftswährung wurde mit 1,2974 Dollar gehandelt, nach 1,2759 Dollar am Freitag in New York. Am Donnerstag hatten Sorgen über die Folgen der Griechenland-Krise den Euro auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten.




