
FRANKFURT. "Fundamental ist das nicht mehr wirklich nachzuvollziehen, deshalb riecht das Ganze nach Panik", sagt Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit. David Schnautz von der Commerzbank sieht das ähnlich: "Es fehlen die starken Hände, die trotz aller Probleme einen Wert in griechischen Bonds sehen. Alle sehen nur auf den Kursverfall und deshalb will niemand in ein fallendes Messer greifen."
Die Renditen griechischer Anleihen stiegen für zweijährige Papiere zeitweise um einen ganzen Prozentpunkt auf 7,6 Prozent, und die für zehnjährige um 0,3 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Damit warfen Kurzläufer mehr Rendite ab als Langläufer. "Das ist ein klassisches Zeichen für ein erhöhtes Ausfallrisiko", erklärt Schnautz. Üblicherweise verlangen Anleger eine umso höhere Verzinsung, je länger sie ihr Geld verleihen. Wenn ein Schuldner nicht zahlt, sind davon jedoch alle Investoren unabhängig von der theoretischen Laufzeit der Anleihen gleichermaßen betroffen. Die Risikoprämien für zehnjährige Griechen-Bonds im Vergleich zu Bundesanleihen kletterten auf bis zu 4,4, die für zweijährige auf bis zu 6,7 Prozentpunkte.
Für wenigstens etwas Beruhigung sorgten die Äußerungen von Jean-Claude Trichet. Auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen "sei ein Zahlungsausfall für Griechenland kein Thema", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Anschließend sanken die Risikoprämien etwas.
Dennoch: "Zu den hohen Niveaus dürfte Griechenlands Interesse, Anleihen zu begeben, gegen Null tendieren", sagte Purps. Dabei waren sinkende Zinskosten für Griechenland das Ziel der EU-Länder und des IWF, als sie sich vor drei Wochen auf ein gemeinsames Hilfspaket für Griechenland einigten. Das Problem dabei ist nach Einschätzung von Analysten, dass die genauen Bedingungen dieses Paketes noch unbekannt sind. Weder wann es genau in Anspruch genommen werden kann, noch welche Zinsen oder Laufzeiten für welche Kredite anfallen, ist klar. Trichet betonte, dass es von den EU-Ländern keine subventionierten Notkredite an Griechenland geben werde. Die für solche Kredite fälligen Zinsen "wären mindestens so hoch wie die Finanzierungskosten der betroffenen Regierungen selbst, wo sie Zugang zum Markt haben", sagte der Notenbankchef. Genau das gilt als Problem, wenn an den Märkten die Renditen für griechische Staatsbonds immer höher steigen.




