HB FRANKFURT. Ohne die Aktie des Wolfsburger Automobilkonzerns hätte der Dax im Minus geschlossen, denn die VW-Aktie zog den Index um 647 Punkte hoch. Insgesamt wurden auf der Handelsplattform Xetra 482 (Vortag: 288) Millionen Dax-Aktien mit einem Volumen von 19,7 Milliarden Euro gehandelt. Dabei belief sich der Umsatz mit VW-Titeln auf 9,7 Milliarden Euro.
"Das ist pervers", kommtierte ein Händler das Marktgeschehen. "Das hat nichts mehr mit Börse zu tun". Weil Anleger, die auf fallende VW-Kurse gesetzt hatten, von dem steilen Anstieg der Aktie überrascht wurden und nachkaufen mussten, schossen VW zeitweise um 93 Prozent auf 1005 Euro und gingen mit einem Plus von 81,7 Prozent auf 945 Euro aus dem Handel.
Vielleicht liege die DZ-Bank mit ihrem fairen Wert von 911 Euro gar nicht mal so falsch, scherzte ein Händler. Er sieht durchaus noch Shorteindeckungsbedarf, was den Kurs grundsätzlich stützen könnte. Klar sei, dass die Hedge-Fonds ihr Engagement bei VW teuer zu stehen komme. Grundsätzlich sind sich die befragten Marktteilnehmer aber einig, dass eine Prognose über die weitere Entwicklung der Aktie, und damit auch des Dax, nicht möglich sei. Auch ein Festhalten an charttechnischen Marken mache bei den extremen Volatilitäten keinen Sinn mehr, heißt es.
Den übrigen 29 Dax-Werten bekam die VW-Rally gar nicht gut: Lange Zeit sei die Mehrheit der Tiel gefallen, weil VW steigen, hieß es am Markt. Die zeitweise hohen Verluste vieler Aktien begründen Händler übereinstimmend damit, dass sich Investoren von Dax-Titeln trennen mussten, um ihre Leerverkaufspositionen in VW einzudecken.
Die Deutsche Börse will aus den Turbulenzen keine Konsequenzen ziehen. "Da muss man den Markt gewähren lassen", sagte ein Sprecher der Börse am Dienstag. "Wir haben keine Rechtsverstöße beim Handel mit VW-Aktien festgestellt, es läuft alles nach den Regeln ab", betonte er. Die Börse werde sich an ihr Regelwerk halten, wonach Änderungen im Index außer der Reihe nur bei einem Streubesitz von weniger als fünf Prozent möglich sind. "Sonst wird das genauso unberechenbar."
Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegen Volkswagen-Hauptaktionär Porsche und fordert von der Deutschen Börse eine Änderung der Regeln für die Zusammensetzung des Dax. "Ich kritisiere heftig, dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert", sagte DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen der "Financial Times Deutschland". "Hier ist für andere Anleger nicht nachvollziehbar, was Porsche macht."
Die Aktie der Lufthansa ging am späten Nachmittag nach einer Gewinnwarnung der Fluggesellschaft auf Talfahrt und büßte 8,71 Prozent auf 9,430 Euro ein. Die Lufthansa erwartet für 2008 nur noch ein operatives Ergebnis von 1,1 Milliarde Euro, nachdem sie bislang an ihr Vorjahresergebnis von 1,38 Milliarden Euro hatte anknüpfen wollen. "Im Grunde ist die gesenkte Prognose für das operative Ergebnis aber keine allzu große Überraschung", sagte ein Händler.
Europas größter Softwarehersteller SAP senkte wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes seine Margenerwartung für 2008 und strich überdies die Umsatzprognose für 2008. Am Markt wurde dies mit einem Abschlag für das SAP-Papier von 4,58 Prozent auf 23,450 Euro quittiert.
Nach einem enttäuschenden dritten Quartal senkte der Duft- und Geschmacksstoffe-Hersteller Symrise seine Ertragsprognose für das laufende Jahr. Als Grund gab er höhere Kosten und die Folgen der Finanzkrise an. Die im MDax notierte Aktie büßte 9,57 Prozent auf 7,75 Euro ein. Die Analysten von Cheuvreux senkten nach dieser zweiten Gewinnwarnung die Aktie nun von "Outperform" auf "Underperform" und nahm das Kursziel von 15 auf 7 Euro zurück. Dresdner Kleinwort senkte das Ziel von 12,00 auf 9,50 Euro.
Die Aktien von Heidelberg Cement gewannen 10,71 Prozent auf 62,76 Euro und profitierten damit laut Händlern von weiteren Zukäufe durch den Großaktionär Adolf Merckle. Dieser hatte erst am Vortag über seine Anlagegesellschaft VEM Vermögensverwaltung fast 500.000 Aktien an dem Zementhersteller erworben. Das schüre Spekulationen über eine Komplettübernahme, sagten Börsianer.





