
asd/HB NEW YORK. Nach dem massiven Kursrutsch an der Wall Street hat die Suche nach der Ursache begonnen. Im Zentrum stehen die Aktien des Konsumgüterkonzerns Procter and Gamble (PG), des Beratungshauses Accenture und des Mischkonzerns 3M, sagte der Chef der New York Stock Exchange (NYSE), Duncan Niederauer dem Fernsehsender CNBC. Die Procter-Aktie ist binnen weniger Minuten deutlich eingebrochen, hat sich danach aber auch schnell wieder erholt. Niederauer zufolge wurde die Aktie 90 Sekunden lang vom Handel an der New Yorker Börse ausgesetzt. Bei Handelsschluss war das Papier noch gut zwei Prozent im Minus und kostete 60,75 Dollar.
Der Konzern aus Cincinnati im Bundesstaat Ohio teilte mit, man habe keine Erklärung für den Einbruch. Procter habe die Börsenaufsicht SEC eingeschaltet, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Auch die NYSE untersucht der Vorfall. Die Accenture-Aktie war kurzzeitig nur noch einen Cent wert. CNBC meldete, dass ein Fehler an einem Handelsdesk der Citigroup mit für den Einbruch verantwortlich sein könnte. Die Bank hatte zunächst jedoch keine Hinweise auf fehlerhafte Handelsgeschäfte, werde aber Untersuchungen einleiten, teilte ein Sprecher mit.
Was genau passierte, war zunächst unklar. Möglicherweise hat ein Händler Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar statt 16 Millionen Dollar verkauft. Das wiederum könnte die automatischen Verkäufe ausgelöst haben, die zum Kursrutsch führten. Die US-Börsenaufsicht untersucht den Fall. Die Technologiebörse Nasdaq teilte zwei Stunden nach Handelsschluss mit, dass alle offensichtlich irrtümlichen Handelsaktionen zwischen 14.40 Uhr und 15.00 Uhr rückgängig gemacht würden. Ein Grund wurde nicht genannt.
Schon vor dem großen Einbruch war die Stimmung an der Wall Street schlecht. Investoren zeigten sich enttäuscht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keine zusätzlichen Maßnahmen ergriff, um ein Ausweiten der Schuldenkrise auf andere Länder zu vermeiden. "Es herrscht ein Unbehagen, das anscheinend von Tag zu Tag schlimmer wird, weil die Angst vor Ansteckung zunimmt", sagte Craig Peckham, Stratege bei Jefferies & Company. Die EZB erklärte sich nicht bereit, Hellas-Anleihen zu kaufen. Verstärkt wurde der Abwärtstrend von enttäuschenden Einzelhandels-Zahlen. Da niemand wisse, wie sehr die anderen Marktteilnehmer von den Problemen rund um Griechenland betroffen sein könnten, "werden Banken Angst haben, miteinander Geschäfte zu machen", sagt Wayne Kaufman, Chef-Analyst von John Thomas. "Das ist das, was zum Kollaps von Lehman Brothers geführt hat."
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Minus von 3,2 Prozent bei 10 520 Punkten aus dem Handel. Er brach im Handelsverlauf mehr als neun Prozent ein und pendelte damit zwischen 9869 und 10 879 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,24 Prozent auf 1128 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 3,44 Prozent auf 2319 Punkte. In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 5908 Punkten aus dem Handel.




