Sentix Marktradar

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Sentix Marktradar: Bundesanleihen sind kein sicherer Hafen mehr

Das neue Börsenjahr fing turbulent an. Während die Aktienmärkte gleich am ersten Handelstag durchstarteten, legen der Bund Future einen Mini-Crash hin. Ein Vorgeschmack darauf, was 2013 drohen könnte, meinen Experten.

Eine Euro-Münze mit Bundesadler: Experten erwarten ein turbulentes Jahr für Bundesanleihen. Quelle: SAP/dpa
Eine Euro-Münze mit Bundesadler: Experten erwarten ein turbulentes Jahr für Bundesanleihen. Quelle: SAP/dpa

DüsseldorfEin Kursabsturz bei Bundesanleihen? Die gibt es selten, doch es gibt sie. Für die Besitzer deutscher Rentenpapiere begann das neue Jahr mit einem kleinen Schreck. Die Kurse deutscher Staatsbonds brachen am ersten Handelstag des Jahres ein.

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Für die Experten des Analysehauses Sentix war der Mini-Crash keine Überraschung. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine hohe Unsicherheit bei den Anlegern gesehen“, sagt Patrick Hussy. „Und diese Desorientierung entlädt sich nun in Verkäufen.“

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

  • Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

    Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

  • Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

    Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

  • Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

    Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

  • Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

    Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

  • Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

    Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

  • Ist mein Geld auf der Bank sicher?

    Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

  • Droht ein Aktiencrash?

    Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

  • Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

    Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

  • Wie sichere ich meine Kinder ab?

    Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

  • Soll ich jetzt Schulden machen?

    Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

  • Soll ich meine Immobilie verkaufen?

    Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

  • Soll ich Gold kaufen?

    Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

  • Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

    Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

  • Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

    Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Sentix befragt wöchentlich mehr als 3.800 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. Zuletzt waren die Irritationen der Anleger massiv gestiegen. „Sie haben den Rentenmarkt nicht mehr verstanden“, so Hussy. Für den Experten war das ein Zeichen dafür, dass es zu größeren Kursausschlägen kommen kann.

Am 2. Januar war es dann so weit: Der Zinsmarkt vermieste Anlegern kräftig den Jahresauftakt. „Die 142 im Bund Future müssen jetzt halten, sonst kommt noch früher die Rentenbaisse als gedacht“, sagt Hussy.

Sentix-Indikatoren

  • Sentiment

    Das Sentiment ist die kurzfristige Markterwartung auf Sicht von einem Monat. Es zeigt die Emotionen der Anleger, die zwischen Angst und Gier liegen. Es muss antizyklisch gewertet werden. Negative Sentiment-Extreme sind in der Regel unmittelbare Indikationen für eine Kursverbesserung. Hoher Optimismus kann ein Warnzeichen für eine bevorstehende Konsolidierung sein, längerfristige Umkehrpunkte werden jedoch meist durch eine Sentimentdivergenz angezeigt.

  • Strategische Bias

    Die strategische Bias ist die mittelfristige Markterwartung und stellt die Bewertung des Marktes durch die Anleger auf Sich von sechs Monaten dar. Es hat in der Regel Prognosecharakter und wird deshalb nicht antizyklisch bewertet. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Verwehren sich die Anleger starken Trends, kann dies ebenfalls auf eine wichtige Anomalie hinweisen.

  • Neutralitätsindex

    Die sentix Neutrality Indizes messen den Anteil der Neutralen im Markt. Eine hohe Zahl an neutralen Anlegern deutet auf Irritation im Markt und künftig steigende Volatilität. Ein niedriger Wert sagt aus, dass die Anleger den Markt verstanden haben und kaum irritiert sind. Im neutralen Lager finden sich zudem nicht oder gering investierte Anleger, die als künftige Nachfrager oder Anbieter von Bedeutung sind! Die Interpretation ist für kurz- und mittlere Zeiträume identisch. Deshalb gilt die Wertung in verstärktem Maße, wenn auf beiden Zeitebenen Extremwerte erreicht werden.

  • Overconfidence-Index

    Der Sentix Overconfidence Index misst die Wahrscheinlichkeit dafür, ob seriell steigende oder fallende Kurse zu einer übermäßigen Sorglosigkeit der Anleger geführt haben. Bei Werten ab plus sieben / minus sieben muss mit Konsolidierungen / Korrekturen gerechnet werden.

  • Time Differential Index

    Der Time-Differential Index berechnet sich aus der Differenz der (mittelfristigen) Wertwahrnehmung und der (kurzfristigen) Stimmung! Hohe Werte im Index sprechen für eine gute Stimmung, welche jedoch nicht mit einer mittelfristigen Überzeugung unterlegt ist. Dies stellt einen belastenden Faktor für den Markt dar. Umgekehrt bilden sich niedrige Werte aus, wenn kurzfristig Angst vorherrscht und gleichzeitig eine mittelfristig hohe Wertwahrnehmung existiert, was tendenziell positiv zu werten ist.

Erst einmal sollte aber etwas Ruhe einkehren, und zwar genau deshalb, weil die Anleger kurzfristig so pessimistisch sind. Denn diese kurzfristigen Erwartungen sind in der Regel ein unmittelbarer Indikator für eine Kursverbesserung, so die Sentix-Experten. Allerdings eben nur kurzfristig.

 

  • 08.01.2013, 04:49 UhrArminius

    Ob Bundesanleihen ein sicherer Hafen sind, ist mir sowas von egal!
    Oder glaubt wirklich jemand dass ich deutsche Bundesanleihen, sogar mit negativer Vezinsung, kaufe wenn ich auf Tagesgeld mehr Zinsen bekomme?
    Warum und wieso? Aus Liebe zu Merkel bestimmt nicht.
    Vorallem wenn man bedenkt dass irgendwann die Zinsen wieder steigen und dass ich dann noch einen Kurzverlust zu vertragen habe.

  • 07.01.2013, 18:26 Uhrkarstenberwanger

    "Bundesanleihen sind kein sicherer Hafen mehr"

    Wenns regnet wirds nass

  • 07.01.2013, 18:07 UhrRechner

    O-Ton Handelsblatt
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    Bundesanleihen sind kein sicherer Hafen mehr
    --------------------

    Anleihen sind nie ein sicherer Hafen - denn je länger sie laufen umso mehr hängt der Wert der zukünftigen Rückzahlungen von zukünftigen Entscheidungen der Notenbank ab.

    Die hier unterstellte "rüchwirkende" Sicherheit der Bundesanleihen war auch nicht vorhanden - die Entscheidungen der Zentralbank in der Vergangenheit hätten auch anders ausfallen können.

    Diese Schlagzeile stimmt nur aus der Sicht eines Schwachkopfes, der fünf mal mit geschlossenen Augen einen unbeschrankten Bahnübergang überquert hat, und dem gerade auffällt daß auf der Strecke tatsächlich Züge fahren.

    Zu den jeweiligen Zinssätzen sind Bundesanleihen heute eine ebensowenig gute Kapitalanlage wie sie es vor drei Jahren waren.

    Der Markt wird durch gesetzliche Zwangssanleger in mündelsicheren Anlagen bestimmt die auf ein begrenztes Angebot stoßen.

    Privatanleger haben da nichts verloren.

    Wer seine Anlagen auf Beträge unter 100.000 Euro 2,4% stückeln kann, findet immer noch einlagenfondsgesicherte Festgeldzinsen von 2,2% bis 2,4%.

    Häufige Umschichtungen zu anderen Anbietern muß man also in Kauf nehmen - bei den genannten Angeboten handelt es sich offensichtlich um "Aktionspreise" zur Kundengewinnung.

    In einer (Fast-)Nullwachstumsumgebung ist eine risikolose Rendite von 0,2% - 0,8% über Inflation durchaus angemessen.

    Den staatsgarantierten Weg zu schnellem Reichtum gibt es natürlich nicht - aber zum Kapitalerhalt langt's.

    Jedenfalls, wenn man keine oder nur niedrige Steuern auf die Zinserträge bezahlen muß.

    ...

    Bei Pfandbriefen muß man schon über 10 Jahre Laufzeit gehen um auf Endfälligkeitsrenditen von über 2% zu kommen. Auch nicht empfehlenswert.

    ...

    Wer höhere Renditen will kommt um risiko- und volatilitätsbehaftete Anlagen nicht herum.

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