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Sentix Marktradar: Die verfehlte Rettungspolitik verunsichert die Anleger

Die Politiker der Euro-Zone bringen den nächsten Rettungsschirm auf den Weg. Doch das Kernproblem, die übermäßige Staatsverschuldung lösen sie dadurch nicht. Das wissen auch die Anleger. Sie bleiben sehr skeptisch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Regierungschef Nicolas Sarkozy feilen am nächsten Rettungsschirm. Quelle: AFP
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Regierungschef Nicolas Sarkozy feilen am nächsten Rettungsschirm. Quelle: AFP

FrankfurtSeit fast zwei Jahren bemühen sich die Euro-Staats- und Regierungschefs um eine Eindämmung der Euro-Schuldenkrise. Rettungsschirm um Rettungsschirm wird gegründet und vergrößert, um angebliche Ansteckungseffekte zu verhindern und um Sparer und Gläubiger zu schützen. Bislang gingen jedoch alle Versuche am Kern des Problems vorbei.

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Unabhängig davon, wer nun Schuld an den ausufernden Schulden der Staaten hat, besteht das Kernproblem darin, dass die Schulden der meisten westlichen Industriestaaten zu groß geworden sind. Für Länder mit eigener Währung, wie die USA, das Vereinigte Königreich oder Japan, ist ein solches Problem vergleichsweise einfach zu lösen. Eine Zahlungsunfähigkeit in eigener Währung kann über die Notenbankpresse verhindert werden. Und wenn die Schulden in Auslands-Valuta bestehen, wertet man ab oder bedient diese ausländischen Gläubiger nicht mehr. Wenn unsere Euro-Politiker vom bisher unbekannten Präzedenzfall reden, beziehen sie sich insofern ganz sicher nicht auf einen Staatsschulden-Bankrott per se. Den gab es schon hundertfach und in der Durchführung sind Politiker geübt.

Der Präzedenzfall, um den es geht, liegt in der besonderen Euro-Konstruktion begründet, der den einzelnen Euro-Staaten ihre Währungshoheit genommen hat und damit den Weg in die "geübte" Insolvenz. Das ändert aber nichts am Grundproblem, dass die Schulden vieler Staaten zu hoch sind und auf die eine oder andere Art reduziert werden müssen.

Die derzeit noch immer favorisierte Variante ist es, durch den geballten Einsatz selbst auferlegter oder vermeintlich erzwungener Solidarität die notwendige Schuldenreduzierung, die im Euro-Raum mangels Abwertungsmöglichkeit nur in der Tilgung oder im "Haircut", also Schuldenschnitt, bestehen kann, durch Rettungspakete und Garantieerklärungen "starker" Euro-Länder zu vermeiden oder zumindest erheblich hinauszuzögern.
Doch genau diese Politik erzeugt die gefürchteten Ansteckungseffekte, welche die Politik zu immer größeren und gewagteren Rettungsversuchen treibt. Denn die Lasten von immer mehr zu Rettenden ballen sich bei immer weniger Rettern.

Heute hat der Bundestag über die nächste Runde europäischer Solidar-Rettungspakete entschieden. Im Kern geht es nun um eine massive Erhöhung der als "Feuerkraft" bezeichneten Garantie- und Ankaufsummen. Es geht genau nicht, vielleicht mit Ausnahme Griechenlands, um eine wirksame Reduzierung von Schulden. Da der angedachte Schuldenschnitt Griechenlands neben Zwangskapitalisierungen von Banken und Abschreibungen bei der EZB auch massive Gelder für einen Wiederaufbau und eine Neuausrichtung der griechischen Wirtschaft beinhalten wird, ist eine solche Aktion teuer und erzeugt echte Ausgaben bei den anderen EU- und Euro-Staaten. Selbst ein solcher Schuldenschnitt wird also kaum Entlastung in der Gesamt-Staatsverschuldung der Eurozone bringen.

Was wir erleben werden ist also nicht eine Lösung der Krise, sondern der Versuch, durch neue fragwürdige Konstruktionen wie Erstrang-Haftung oder Zweckgesellschaftskonstruktionen á la US-Subprime-Markt die Krise soweit zu verschleiern, dass Anleger, Bevölkerung und letztlich auch die Politik glauben, das Problem könnte sich erledigt haben. Dieser Versuch wird auf Sicht vorhersehbar scheitern, weil er eben keine Problemlösung ist.

Diese Sorgen treiben offensichtlich auch die Anleger um. So messen wir in den sentix Indizes über alle Anlageklassen hinweg einen starken Anstieg der kurzfristigen Neutralität. Die darin zum Ausdruck kommende Verunsicherung und Irritation der Anleger ist groß und dürfte zu hoher Volatilität in den nächsten Wochen beitragen. Darüber hinaus sind vor allem die Institutionellen weiter äußerst skeptisch, was die mittelfristigen Aktienmarkt-Perspektiven betrifft. Ein neues 52-Wochen-Tief in diesem Indikator unterstreicht, dass hinter dem jüngsten Kursaufschwung kaum Anlagekäufe sondern "nur" Eindeckungen von Shorts und Unterinvestierungen stehen. Dies ist nicht die ideale Basis für eine stabile Börse.

Quelle: http://www.sentix.de/
  • 26.10.2011, 17:47 UhrAnonymer Benutzer: EU.sucht.Deutsche.Idioten

    Die deutsche Rettungs-Sparbüchse für ganz Europa bleibt geschlossen, richtig so !

    Bloss keine EFSF-Bank und keinen EZB-Durchgriff auf den EFSF.

    Den Franzosen und Italienern ist da nicht zu trauen. Sonst wird a la Trichet weiter gesaut mit unserem Steuergeld.

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