Sentix Marktradar

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Sentix Marktradar: Freie Fahrt für den Euro

Der Euro ist zu Wochenbeginn auf ein neues Elf-Monats-Hoch gegenüber dem US-Dollar gestiegen. Experten rechnen mit weiteren Kursgewinnen, denn die Stimmung der Anleger ist gut. Nächstes Kursziel: 1,50 US-Dollar.

Euro-Münzen auf einem Dollar-Schein: Die europäische Gemeinschaftswährung legt weiter zu. Quelle: dpa
Euro-Münzen auf einem Dollar-Schein: Die europäische Gemeinschaftswährung legt weiter zu. Quelle: dpa

DüsseldorfDer Euro-Raum ächzt noch immer unter der Schuldenkrise der südeuropäischen Länder. Die Schieflage von Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien hat in den vergangenen Jahren auch auf der europäischen Einheitswährung gelastet. Bis auf 1,20 US-Dollar war der Euro im vergangenen Sommer abgestürzt.

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Doch mit der Ankündigung Mario Draghis, die Europäische Zentralbank (EZB) würde alles tun, um den Euro zu retten, drehte die Stimmung. Fast zehn Prozent hat der Euro gegenüber dem US-Dollar seither zugelegt.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

  • Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

    Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

  • Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

    Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

  • Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

    Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

  • Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

    Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

  • Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

    Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

  • Ist mein Geld auf der Bank sicher?

    Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

  • Droht ein Aktiencrash?

    Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

  • Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

    Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

  • Wie sichere ich meine Kinder ab?

    Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

  • Soll ich jetzt Schulden machen?

    Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

  • Soll ich meine Immobilie verkaufen?

    Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

  • Soll ich Gold kaufen?

    Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

  • Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

    Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

  • Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

    Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Und die Anleger an den Finanzmärkten sind weiter zuversichtlich: Der Euro ist zu Wochenbeginn auf ein Elf-Monats-Hoch von 1,3403 Dollar gestiegen. Seitdem EZB-Präsident Draghi am vergangenen Donnerstag einen optimistischeren Ton zur konjunkturellen Entwicklung angeschlagen hat, ist die Gemeinschaftswährung kaum noch zu bremsen. Die meisten Investoren gehen davon aus, dass eine Zinssenkung zur Ankurbelung der Wirtschaft vorerst vom Tisch ist – der Euro kommt seit Mittwoch auf ein Plus von gut dreieinhalb US-Cent.

Es sind sogar noch weitere Kurssteigerungen möglich, denn die Anleger sind mittelfristig für die Gemeinschaftswährung äußerst positiv gestimmt. „Für den Euro beginnt das Jahr verheißungsvoll“, sagt Patrick Hussy von Sentix. „Die Grundstimmung der Anleger hat sich deutlich verbessert.“ Das Analysehaus Sentix befragt wöchentlich mehr als 3.800 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

Sentix Marktradar Freie Fahrt für den Euro

Experten schließen weitere Kursgewinne beim Euro nicht aus.

„Der Weg in Richtung 1,40 Dollar ist somit frei“, so Hussy. Mehr sogar noch. Im Laufe des Jahres hält der Experte einen Anstieg auf 1,50 Dollar für möglich. „Der Dollar gerät unter Beschluss, davon sind wir überzeugt. Das lässt sich auch aus den jüngsten Daten des Sentix Marktradars ablesen.“ Rückenwind bekomme der Euro durch die Zinsdifferenz von zweijährigen Bundesanleihen und US-Treasuries, die sich pro Euro entwickeln würden.

  • 14.01.2013, 22:49 UhrRechner

    'Ich_kritisch' sagt
    --------------------------
    ich sehe den Vorteil eines starken Euros nicht für Deutschland.
    Ok, für mich wird der Sprit und die Cola evtl. preiswerter, dafür wird es für die Wirtschaft schwieriger nach Übersee zu exportieren ...
    Das bedeutet langfristig mehr Arbeitslose ...

    wo also ist der Vorteil?
    --------------------------

    Den erkläre ich Ihnen gerne:

    Deutschland führt jährlich Waren im Wert von etwa einer Billion Euro ein.

    Wenn man die aufgrund eines um 10% höheren Eurokurses für 10% weniger Euros bekommt, dann spart man 100 Milliarden Euro pro Jahr.

    Das sind immerhin 1.250 Euro pro Bundesbürger pro Jahr.

    Oder, man könnte einer Million zusätzlicher Arbeitslosen Edelhartz in Höhe von 100.000 Euro pro Jahr zahlen. Was die meisten wohl ihrem derzeitigen Einkommen vorziehen würden.

    Erfahrungsgemäß wird es zu einer derart starken Zunahme der Arbeitslosigkeit aber gar nicht kommen - denn deutsche Waren werden überwiegend aufgrund ihrer Qualität im Ausland nachgefragt. Wer billig will, der kauft sowieso in China.

    Oder, man könnte sich von den 100 Milliarden jährlicher Ersparnis Tag und Nacht alle drei Minuten einen neuen Bundespräsidenten leisten und ihn nach Ablauf seiner Amtszeit mit vollem Ehrensold aus dem Dienst entlassen.

    Selbst das wäre wohl noch besser, als Güter und Dienstleistungen im Wert von 100 Milliarden jährlich effektiv ans Ausland zu verschenken.

    Denn was die amerikanischen Ramschschanleihen wert sind, mit denen die US-Leistungsbilanzdefizite "bezahlt" worden sind, sollte selbst Ihnen aufgefallen sein.

    ...

    Am besten und realistischsten wäre es natürlich, für die ersparten Milliarden haufenweise guten Wein und Käse einzuführen und es sich einfach 'mal gut gehen zu lassen, anstatt immer nur zu malochen.

    ...

    Sie sollten die Latrinenparolen der Exportwirtschaft nicht unkritisch nachplappern.

  • 14.01.2013, 22:19 UhrRechner

    O-Ton 'DasZehnteGebot'
    ----------------------------
    Das Grundübel ist dass Leistungsbilanzungleichgewichte erlaubt sind.
    ----------------------------

    Das Grundübel ist doch wohl eher, daß es Spinner gibt die meinen die Wirtschaft mit Verboten regulieren zu können.

    Hätten derartige Spinner NICHT die unsinnigen Basel I und II Regularien für die Finanzwirtschaft eingeführt die die Banken durch niedrige Eigenkapitalanforderungen für Staatsanleihen in die Optimierung ihrer (kurzfristigen) Eigenkapitalrenditen getrieben hat, dann wären die Leistungsbilanzdefizite der Griechen niemals finanziert worden.

    ...

    Wer (Banken) exzessive Leistungsbilanzdefizite finanziert ist selber schuld, es sei denn er wird durch unsinnige staatliche Regularien dazu veranlaßt.

    Dann trifft auch die Staaten die die Fehlregulierung ihrer Banken betrieben haben ein gerüttet Maß an Mitschuld.

    ...

    Steinbrück und Wagenknecht werden das natürlich nie kapieren.

    Oder, wenn sie's kapieren, werden sie's nicht sagen. Denn es ist nunmal ihr Geschäftsmodell, den bösen Banken die Alleinschuld für alles zu geben.

  • 14.01.2013, 21:11 Uhrfjv2

    Genau
    Manche lernen es nie
    Sehr gute Stimmung ist kontra Indikator...

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