Der langsame und stetige Ansatz der Credit Suisse
könnte das Rennen schließlich gewinnen. Bei der Schweizer Bank scheint er jedenfalls bisher zu funktionieren. Während die meisten Bankenbosse schon vor ein paar Monaten optimistisch das Ende der Kreditkrise proklamierten, warnte der Vorsitzende der Credit Suisse
, Brady Dougan, vor weiteren bevorstehenden Problemen. Wie es aussieht, hat er entsprechend vorgesorgt.
Verglichen mit dem gleichen Vorjahresquartal sank der Gewinn der Bank im zweiten Vierteljahr um 62 Prozent. Der Einbruch fiel allerdings wesentlich schwächer aus, als Analysten erwartet hatten, und kehrte das negative Ergebnis aus dem ersten Quartal wieder um. Die Privatbank konnte darüber hinaus doppelt so hohe Neumittelzuflüsse verbuchen wie prognostiziert. Zugute kamen ihr dabei offensichtlich die anhaltenden Schwierigkeiten beim Erzrivalen UBS
. Bei gleichbleibender Bilanzsumme gelang es Credit Suisse
auch, Risikopositionen weiter abzubauen, darunter 31 Prozent der Akquisitionsfinanzierungen und 22 Prozent der gewerblichen Immobilienkredite.
Auch die Besonnenheit der Credit Suisse
in der jüngsten Vergangenheit spielte eine Rolle. Im zurückliegenden Quartal musste die Investmentbank lediglich 22 Millionen SFR von ihrem Portfolio aus strukturierten Produkten abschreiben, nachdem sie schon in den Quartalen zuvor konservativer wertberichtigt hatte als viele andere Banken. Auf den Wert der besicherten Kredite konnte die Credit Suisse
sogar wieder Zuschreibungen in Höhe von 508 Millionen SFR vornehmen.
Dougan bleibt auch bei seiner Zukunftseinschätzung vorsichtig. Er erwartet, dass der Markt noch weitere Herausforderungen bereithält, und will die Bank entsprechend konservativ steuern. Um den Einnahmenverlust im Rentenhandel in Höhe von 3 Milliarden SFR wettzumachen, hat Credit Suisse
den Aktien- und Derivatehandel mit ersten Adressen ausgeweitet - zum Teil als Nutznießer der Probleme bei anderen Banken. Die Privatbank gewinnt Marktanteile und die Einnahmen aus dem Verbundverkauf durch die Investmentbank bleiben konstant.
Aber trotz der Vorsichtsmaßnahmen von Dougan könnten die Aufsichtsbehörden noch einen Schritt weiter gehen. Der Druck auf das Schweizer Bankengeheimnis steigt. Die größte Aufmerksamkeit der US-Behörden zieht die UBS
auf sich, aber jede Regeländerung dürfte auch Auswirkungen auf die Credit Suisse
haben. Noch entscheidender, die Schweizer Kapitalmarktwächter denken laut über strengere Kapitalgrundsätze nach. Wenn die Schweizer Nationalbank sich bei den Verschuldungsgraden durchsetzt, könnte Credit Suisse
gezwungen sein, einen Bereich noch vorsichtiger zu beurteilen: das ohnehin schon ambitionierte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 20 Prozent.
