Wohin werden sich die brasilianischen Banker, die Inbev
leiten, auf ihrer nächsten Kneipentour wenden? So kurz nach ihrer fremdfinanzierten Eroberung von Anheuser
-Busch könnte es fast zu früh erscheinen, eine solche Frage aufzuwerfen. Aber Brauerei-Chef Carlos Brito und seine Mannschaft legen einen solchen Mordshunger nach Abschlüssen an den Tag, dass sie sich vermutlich nicht lange satt und zufrieden zurücklehnen werden.
Und allzu viel von ansehnlicher Größe ist auch nicht mehr übrig im Reich des Bieres. Da wäre noch der Rest von Grupo Modelo in Mexiko. Aber das ist nur ein Tröpfchen verglichen mit der Übernahme des amerikanischen Brauers von Budweiser über 52 Mrd. Dollar. Um die Deal-Maschine am Brummen zu halten, muss Inbev
vielleicht über den Biertresen hinaus auf das Regal schauen, auf dem die Spirituosen stehen. Dorthin, wo Diageo
sein Revier abgesteckt hat.
Das Tempo und die List, mit der Inbev
Bud gekapert hat, hat die gesamte Getränkeindustrie überrascht - und den Eindruck vermittelt, dass der im belgischen Leuven ansässige Konzern nach allem greifen könnte, was nicht durch den Mehrheitsbesitz einer Familie oder durch das Wettbewerbsrecht geschützt ist. Bei Diageo
, die neben Guinness auch noch Smirnoff und Johnnie Walker herstellt, tritt keines dieser Hindernisse auf.
Die britische Gruppe verfügt über einen Marktwert von 44 Mrd. Dollar und einen umfangreichen Streubesitz. Eine Giftpille ist nicht auszumachen. Ihr Hauptgeschäft konzentriert sich auf hochklassige Spirituosen, so dass sich die Produkte nicht überschneiden, aber Spielraum für Synergien bei der Distribution besteht.
Allerdings dürften die Dealmaker bei Inbev
ein paar Jahre brauchen, um die Verbindlichkeiten über 45 Mrd. Dollar zu verdauen, die sie aufgenommen haben, um Bud aufzusaugen. Das sollte Diageo
die nötige Zeit geben, um einen Präventivschlag einzuleiten. Allerdings gibt es nur noch eine einzige Bierbrauerei, die sich aufgrund ihrer Größe und ihrer globalen Premium-Marke als attraktiv genug herausstellen könnte: Heineken. Das Problem ist, dass Heineken von einer Holding beherrscht wird, die Charlene de Carvalho untersteht, der Tochter des verstorbenen Freddy Heineken. Bei einem Verkauf an Diageo
würde die Familie ihre Kontrollmehrheit verlieren, wenn nicht Diageo
irgendeine Art von cleverer Überkreuzbeteiligungsstruktur anböte.
Doch wenn der Kampf der Mitglieder der Busch-Familie, Anheuser als unabhängiges Unternehmen zu erhalten, irgendetwas klar aufgezeigt hat, dann dies, dass lang gehegte Annahmen über die Familie als Festung schnell zerbröckeln können. Bei einem Abschluss zwischen Diageo
und Heineken würde Inbev
durstig bleiben - vielleicht sogar derart ausgedörrt, dass es sich der Bierspezialist vielleicht sogar überlegen könnte, zur Abwechslung eine Pepsi oder eine Cola zu schlucken.
