3 Bewertungen ***
05.08.2008 
Diageo

Immer noch durstig

von Rob Cox und Rachel Sanderson, breakingviews.com

Wohin werden sich die brasilianischen Banker, die Inbev leiten, auf ihrer nächsten Kneipentour wenden? So kurz nach ihrer fremdfinanzierten Eroberung von Anheuser-Busch könnte es fast zu früh erscheinen, eine solche Frage aufzuwerfen. Aber Brauerei-Chef Carlos Brito und seine Mannschaft legen einen solchen Mordshunger nach Abschlüssen an den Tag, dass sie sich vermutlich nicht lange satt und zufrieden zurücklehnen werden.

Und allzu viel von ansehnlicher Größe ist auch nicht mehr übrig im Reich des Bieres. Da wäre noch der Rest von Grupo Modelo in Mexiko. Aber das ist nur ein Tröpfchen verglichen mit der Übernahme des amerikanischen Brauers von Budweiser über 52 Mrd. Dollar. Um die Deal-Maschine am Brummen zu halten, muss Inbev vielleicht über den Biertresen hinaus auf das Regal schauen, auf dem die Spirituosen stehen. Dorthin, wo Diageo sein Revier abgesteckt hat.

Das Tempo und die List, mit der Inbev Bud gekapert hat, hat die gesamte Getränkeindustrie überrascht - und den Eindruck vermittelt, dass der im belgischen Leuven ansässige Konzern nach allem greifen könnte, was nicht durch den Mehrheitsbesitz einer Familie oder durch das Wettbewerbsrecht geschützt ist. Bei Diageo, die neben Guinness auch noch Smirnoff und Johnnie Walker herstellt, tritt keines dieser Hindernisse auf.

Die britische Gruppe verfügt über einen Marktwert von 44 Mrd. Dollar und einen umfangreichen Streubesitz. Eine Giftpille ist nicht auszumachen. Ihr Hauptgeschäft konzentriert sich auf hochklassige Spirituosen, so dass sich die Produkte nicht überschneiden, aber Spielraum für Synergien bei der Distribution besteht.

Allerdings dürften die Dealmaker bei Inbev ein paar Jahre brauchen, um die Verbindlichkeiten über 45 Mrd. Dollar zu verdauen, die sie aufgenommen haben, um Bud aufzusaugen. Das sollte Diageo die nötige Zeit geben, um einen Präventivschlag einzuleiten. Allerdings gibt es nur noch eine einzige Bierbrauerei, die sich aufgrund ihrer Größe und ihrer globalen Premium-Marke als attraktiv genug herausstellen könnte: Heineken. Das Problem ist, dass Heineken von einer Holding beherrscht wird, die Charlene de Carvalho untersteht, der Tochter des verstorbenen Freddy Heineken. Bei einem Verkauf an Diageo würde die Familie ihre Kontrollmehrheit verlieren, wenn nicht Diageo irgendeine Art von cleverer Überkreuzbeteiligungsstruktur anböte.

Doch wenn der Kampf der Mitglieder der Busch-Familie, Anheuser als unabhängiges Unternehmen zu erhalten, irgendetwas klar aufgezeigt hat, dann dies, dass lang gehegte Annahmen über die Familie als Festung schnell zerbröckeln können. Bei einem Abschluss zwischen Diageo und Heineken würde Inbev durstig bleiben - vielleicht sogar derart ausgedörrt, dass es sich der Bierspezialist vielleicht sogar überlegen könnte, zur Abwechslung eine Pepsi oder eine Cola zu schlucken.

For further commentary see:
breakingviews.com
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Anzeige

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


HANDELSBLATT ANALYSTENCHECK

NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
CONTINENTAL AG  sell +86.42%
ALLIANZ SE  sell +69.13%
RHEINMETALL AG  buy +69.67%
DAIMLER AG  neutral +41.81%
BAYERISCHE MOTOREN...  neutral +17.17%
HYMER AG  buy +100.00%
INDUS-HOLDING AG  buy +43.99%
BERTRANDT AG  buy +179.72%
KONINKLIJKE AHOLD NV  buy +54.64%
AIXTRON  sell +14.94%