Die Offerte von Inbev
für Anheuser
-Busch verspricht, die größte Brauerei der Welt zu schaffen. Aber allein mit der Größe kann man sich auch nicht alles kaufen. Die Aktien der belgischen Brauerei sind um 18 Prozent gefallen, seitdem der Deal über 46 Mrd. Dollar bekannt wurde. Zwar sind auch die Titel anderer Bierproduzenten gesunken, aber nicht im selben Ausmaß. Es scheint so, als ob die Investoren von InBev
befürchten, die Zahlen würden nicht so recht aufgehen.
Auf den ersten Blick haben sie Recht. Der amerikanische Budweiser-Brauer soll Prognosen zufolge bis 2011 einen Betriebsgewinn von etwa 3,8 Mrd. Dollar erreichen. Berücksichtigt man Kostenkürzungen über geschätzt 1,4 Mrd. Dollar und besteuert man dies alles mit dem für Budweiser geltenden Satz von 40 Prozent, dann beläuft sich die Anlagenrendite - inklusive angenommener Verbindlichkeiten von Bud über 9,1 Mrd. Dollar - auf 5,6 Prozent. Das ist niedriger als die Kapitalkosten von Bud von sieben Prozent.
Aber die brasilianischen Männer des Geldes, die InBev
leiten, mögen ja nicht nur die Marke Bud, die den Status einer Ikone inne hat, begehren, sondern auch ihren hohen Steuersatz von 40 Prozent - der fast das Doppelte dessen beträgt, was InBev
selbst abführen muss. Ein hoher Steuersatz mag zunächst einmal negativ klingen. Aber wenn man Verbindlichkeiten aufnehmen will, kann gut und gerne das Gegenteil zutreffen. Denn Zinszahlungen können von den steuerpflichtigen Einkünften einer Firma abgesetzt werden, wodurch Steuern gespart werden. Je höher der Steuersatz, desto größer fallen die rechnerischen Ersparnisse aus.
InBev
will die Banken um 40 Mrd. Dollar bitten. Nehmen wir einmal an, die Brauerei kann sich dieselben Konditionen wie Pernod Ricard
sichern, die Kredite zu einem Zinssatz von fünf Prozent aufgenommen hatte, um den schwedischen Brenner von "Absolut"-Wodka zu kaufen. Dann würde InBev
jährlich Zinsen über zwei Mrd. Dollar zahlen müssen.
Diese Verbindlichkeiten werden nicht alle Bud direkt aufgehalst werden. Aber InBev
wäre gut beraten, wenn sie versuchen würde, so viele der Zinszahlungen wie möglich von den hoch besteuerten Einkünften von Bud abzusetzen. Wenn es InBev
gelänge, dies auf den ganzen Laden zu übertragen, dann könnte die jährliche Steuerersparnis fast 800 Mill. Dollar erreichen. Damit würden die Renditen des Deals über die Kapitalkosten von Bud hinausrücken.
Seltsamerweise hat InBev
diese positiven Aspekte ihren nervösen Aktionären noch nicht näher gebracht. Vielleicht haben sie Bedenken, dass der Bud-Brauer seine chauvinistische Verteidigungsstrategie um den Vorwurf des Steuer-Tourismus erweitern könnte. Darüber sollten sie sich aber eigentlich keine Sorge machen. Die Offerte von InBev
ist immer noch das Beste, was den Bud-Aktionären widerfahren kann. Aber die Belgier werden ihre liebe Not damit haben, wenn sie behaupten wollen, bei diesem Deal ginge es um nichts anders als um Bier.
