Jetzt geht Microsoft
mit seiner Übernahmetaktik für Yahoo
also doch noch richtig in die Offensive. Der Software-Riese hat öffentlich erklärt, einen Kauf der Internet-Firma nur dann in Betracht zu ziehen, wenn der gegenwärtige Board des Unternehmens gefeuert wird. Das spielt direkt dem aktivistischen Investoren Carl Icahn in die Hände, der eine Gruppe von neun Board-Mitgliedern nominiert hatte, die die amtierenden Vertreter des Gremiums ablösen soll. Jetzt haben die Aktionäre von Yahoo
keine andere Wahl, als für einige der Spieler um Icahn zu stimmen.
Die fünf Monate, die seit der Bekanntgabe der Absichten von Microsoft
vergangen sind, sind für Yahoo
nicht angenehm gewesen. Eine Reihe prominenter Führungskräfte hat das Unternehmen verlassen und damit zu einer umfassenden Neuorganisation des Managements beigetragen. Und der Suchmaschinenbetreiber hat einen Plan für die Entlassungsabfindung von Mitarbeitern eingeführt, der auf mögliche Käufer wie eine Giftpille wirkt.
Jetzt hat Microsoft
der torkelnden Internetfirma den Boden völlig unter den Füßen weggezogen, indem das Unternehmen sein Wiedererscheinen am Verhandlungstisch davon abhängig macht, dass der Board von Yahoo
vor die Tür gesetzt wird. Microsoft
ist in einer besseren Situation, einen höheren Preis für Yahoo
zu zahlen, als jedes andere Unternehmen - und die Aktionäre von Yahoo
wissen das.
Sie müssen also ohne Frage die von Carl Icahn vorgeschlagenen Kandidaten bei der Jahreshauptversammlung von Yahoo
am 1. August wählen. Dabei aber gleich die ganze Truppe zu übernehmen, wäre nicht die klügste Lösung. Wenn die Mehrheit der Board-Mitglieder ersetzt wird, tritt der kostspielige Abfindungsplan von Yahoo
in Kraft. Andererseits würde Microsoft
eventuell etwas von seiner Verhandlungsmacht einbüßen, wenn einige der getreuesten Anhänger von Yahoo
bleiben würden. Die beste Wahl wäre es, vier Vertreter aus Icahns Aufgebot zu ernennen. Das reicht, um den Board aufzumischen, den Abfindungsplan niederzustimmen und Microsoft
an den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Yahoo
hat auf die Erklärung von Microsoft
reagiert, indem die Internetfirma den Software-Giganten dazu eingeladen hat, umgehend einen Vorschlag zu präsentieren. Aber einen Deal mit dem derzeitigen Board durchzuziehen, birgt ein zu großes Risiko, dass das Vorhaben noch einmal in sich zusammenfällt. Die Aktionäre von Yahoo
müssen einsehen, dass es Zeit ist, sich Hilfe von außen zu holen.
