Die Royal Bank of Scotland
hat drei gestandene neue Aufsichtsratsmitglieder gefunden. Aber die Veränderung ist nur zweitrangig. Wenn RBS
wirklich einen Neuanfang sucht, müssen schon bedeutendere Köpfe rollen. Vielleicht wollen die Anleger, dass der Vorstandsvorsitzende im Amt bleibt - vorläufig - um ABN
Amro zu integrieren, aber ein neuer Aufsichtsratschef würde schon jetzt gut passen.
Die Veränderungen im Aufsichtsrat der Royal Bank of Scotland
sind besser als nichts. Die britische Bank nannte inzwischen die Namen von drei neuen Mitgliedern, die das Aufsichtsgremium in Zukunft verstärken sollen. Aber nachdem RBS
auf dem Höhepunkt des Marktes ABN
Amro übernahm, dürfen die Aktionäre ein bisschen mehr erwarten.
Die neuen Gesichter überzeugen. Stephen Hester, gegenwärtig Vorsitzender von British Land
und früher bei Abbey verantwortlich für das operative Geschäft, bringt weitreichende Erfahrungen auf dem britischen Markt mit ein. Das gleiche gilt für den asiatischen Markt und John McFarlane, Ex-CEO der Australia and New Zealand Banking Group
und gegenwärtig Standard-Chartered-Direktor.
Die drei Neuen und die beiden Scheidenden sorgen dafür, dass der Aufsichtsrat in Zukunft über größere Finanzexpertise verfügt, ein bisschen unabhängiger wird und weniger schottisch-provinziell wirkt. Aber das alles löst noch nicht das Kernproblem. Der RBS
-Vorstandsvorsitzende Sir Fred Goodwin, beharrte auf dem Höhepunkt des Marktes auf der teuren und unklugen Akquisition von ABN
Amro, die er im Anschluss durch die größte, jemals in Großbritannien durchgeführte Kapitalerhöhung finanzieren musste. Der Deal kostete RBS
rund 12 Milliarden Pfund, ein Preis, der nach Einschätzung von Beobachtern zu hoch für ABN
war. Der Aktienkurs von RBS
verlor innerhalb eines Jahres 62 Prozent. US-amerikanische Bankenvorstände mussten da schon für weitaus weniger über die Klinge springen
Es sieht ganz danach aus, dass die Investoren Goodwin halten wollen, bis ABN
integriert und der Schaden in der RBS
-Bilanz behoben ist. Aber der lange Verbleib ist gar nicht nötig. Der Aufsichtsratsvorsitzende Sir Tom McKillop, ist vielleicht verantwortlich für die neuen Gesichter, aber im entscheidenden Moment versagte sein Einfluss auf den optimistischen Vorstandsvorsitzenden. Ein neuer Mann an der Spitze wäre vielleicht besser geeignet, mit der Riege der leistungsfähigen Aufsichtsratsmitglieder zusammenzuarbeiten. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel.
