0 Bewertungen
18.05.2008 
LBO-Kredite

Weckruf

von Jeffrey Goldfarb, breakingviews.com

Der vor sich hindämmernde europäische Markt für Übernahmefinanzierungen ist aus seinem Schlaf gerissen worden. Endlich haben sich die Banken darauf geeinigt, zwei große Portionen an Krediten zu verkaufen, die für die mit Fremdkapital finanzierte Übernahme (LBO) der britischen Apothekenkette Alliance Boots durch KKR eingesetzt worden waren. Auch eine dritte Tranche könnte noch durchkommen.

Es hat zwar ein Jahr gedauert, aber jetzt sieht es ganz so aus, als könnten die acht Banken Kredite über rund 2,6 Mrd. Pfund aus dem ursprünglichen Volumen über neun Mrd. Pfund abstoßen, die für die Finanzierung des Deals eingesetzt worden waren. Ein Mezzanine-Fonds von Goldman Sachs zahlt für mehr als 600 Mill. Pfund an hinsichtlich des Zugriffs auf die Sicherheiten nachrangigen Second lien-Krediten 85 p zum Pfund in bar. Eine Gruppe von Beteiligungsgesellschaften unter der Führung von Apollo Management, Blackstone Group und TPG will sich rund zwei Mrd. Pfund an vorrangigen Term loan B-Krediten zu 91 Prozent des Nennwerts sichern. Dazu wollen ihnen die verkaufenden Banken unter die Arme greifen.

Nicht alle Banken des Konsortiums sind bereit, sich zu diesen Preisen von den Krediten zu trennen. Zu den Verweigerern gehören Barclays und UniCredit. Darin zeigt sich der generelle Unterschied, wie amerikanische und europäische Kapitalgeber an die in ihren Büchern schlummernden Verbindlichkeiten herangehen. Aber sämtliche Banken haben den Verkäufen ihren Segen erteilt und wollen bei weiteren Verhandlungen zusammenarbeiten - eine Splittergruppe von Verkäufern hätte vielleicht bei den Preisen großes Unheil angerichtet. Und, was noch wichtiger ist: Die Banken waren in der Lage, Käufer anzulocken, ohne Preisgarantien geben und ohne die gesamte Finanzierung übernehmen zu müssen.

Es stimmt schon, dass die Abschläge kräftig ausfallen. Goldman sollte zum Beispiel auf Jahresbasis eine ohne Einsatz von Fremdmitteln erzielte Rendite von mindestens 13 Prozent auf ihre Tranche erreichen, wenn man annimmt, dass Boots sie nach vier Jahren zurückzahlt. Natürlich besteht das Risiko, dass Boots nicht eher zahlt, bis die neunjährige Laufzeit des Kredits abgelaufen ist. Oder schlimmer noch: Boots könnte zu irgendeinem Zeitpunkt mit den Schuldendienst in Verzug geraten. Zwar steht das Unternehmen in den meisten Punkten jetzt gut da, aber es handelt sich um einen Einzelhändler mit einem hohen Anteil an Fremdkapital, der auf dem Höhepunkt des Zyklus gekauft worden ist.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Weiterverkäufe der Boots-Kredite wirklich die blockierten Übernahmefinanzierungen über 55 Mrd. Euro los eisen und in Bewegung setzen können. Zumindest ist der schlafende Riese schon einmal aus dem Schlaf geweckt worden.

For further commentary see:
breakingviews.com
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Anzeige

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


HANDELSBLATT ANALYSTENCHECK

NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
CONTINENTAL AG  sell +86.42%
ALLIANZ SE  sell +69.13%
RHEINMETALL AG  buy +69.67%
DAIMLER AG  neutral +41.81%
BAYERISCHE MOTOREN...  neutral +17.17%
HYMER AG  buy +100.00%
INDUS-HOLDING AG  buy +43.99%
BERTRANDT AG  buy +179.72%
KONINKLIJKE AHOLD NV  buy +54.64%
AIXTRON  sell +14.94%