MTN
sieht aus wie die Braut, die sich nicht traut. Dass die Verhandlungen der 36 Mrd. Dollar schweren südafrikanischen Telekom-Gesellschaft mit der indischen Bharti Airtel fehlgeschlagen sind, ist nicht gerade ein ermutigendes Zeichen für Reliance Communications, den zweitgrößten Mobilfunkbetreiber Indiens, mit dem MTN
jetzt in exklusiven Gesprächen steht. MTN
hat sich geziert, als das eine indische Imperium in Familienbesitz sie übernehmen wollte. Doch jetzt gibt sie sich den Anschein, als wolle sie sich dem anderen in die Arme werfen.
Bharti führt an, die Unterredungen mit dem größeren südafrikanischen Gegenspieler seien abgebrochen worden, nachdem MTN
"eine vollkommen andere Struktur präsentierte, als die, die vereinbart worden war". Statt einer de facto-Übernahme von MTN
hatten die Südafrikaner vorgeschlagen, Bharti Airtel solle eine Tochter von MTN
werden. Dieser Schritt hätte vorausgesetzt, dass der Milliardär Sunil Bharti Mittal und die Ko-Investorin Singapore Telecom
ihre Mehrheitsbeteiligung an Bharti Airtel gegen einen umfangreichen Anteil an MTN
tauschen.
Glaubt man der Gerüchteküche, so könnte Reliance dem zustimmen, was Bharti nicht zu tun bereit war. Gewiss ist es schon schwer vorstellbar, dass MTN
in irgendeiner Weise stärker an einer Übernahme durch Reliance interessiert ist, die noch kleiner als Bharti ist. Allerdings bedarf schon einiger Phantasie sich auszumalen, dass der Milliardär Anil Ambani, der die Muttergesellschaft Reliance Anil Dhirubhai Ambani Group beherrscht, ernsthaft die Kontrolle über sein börsennotiertes Vorzeige-Unternehmen abgeben wird.
Reliance hatte vor einem Jahr schon einmal Gespräche mit MTN
geführt, die dann aber im Sand verlaufen waren. Seitdem hat Anil Ambani mit geballter Kraft sein Imperium weiter auf den öffentlichen und den internationalen Märkten vorangetrieben. Reliance Power war Ende des vergangenen Jahres in Indien an die Börse gegangen. Globalcom, der internationale Bereich von Reliance Comm, liebäugelt mit einer Notierung in London über sechs Mrd. Pfund Sterling. Zudem hat Reliance sich gerade im Bieterstreit um den angeschlagenen britischen Mobilnetzbetreiber Vanco durchgesetzt.
Bharti und Reliance bieten MTN
in etwa dieselben Vorteile: die Größe und den Austausch von Management-Expertise. Ein Zusammengehen mit jedem von ihnen würde einen Telekom-Riesen der aufstrebenden Märkte hervorbringen mit Aktivitäten in Indien, Afrika und dem Mittleren Osten. Allerdings müssen die Banker hinsichtlich der Eigentümerstruktur jetzt wirklich kreativ werden, wenn der Deal unterschrieben werden soll.
