Muss sich Morgan Stanley
wirklich selbst zum Verkauf anbieten? Berichte, denen zu Folge der Chef der Wall Street-Firma dem Boss von Citigroup
gesagt haben soll, die Firma brauche einen Deal, um zu weiter arbeiten zu können, mögen zwar dementiert worden sein. Aber dennoch legt die verzweifelte Suche von John Mack nach einem Partner nahe, dass die Investmentbank als eigenständige Firma keine Überlebenschance hat.
Aber ist das denn auch wirklich so? Natürlich sieht sich Morgan Stanley
einer Vertrauenskrise ausgesetzt, die ihren Handelsbereich abwürgt. Hedge Fonds haben ihr Geschäft abgezogen. Aber warum lässt man dies nicht einfach zu und schrumpft wieder zu der kleineren, kundenorientierten Firma, die Morgan Stanley
einst war?
Unmöglich, mögen einige einwenden. Wenn der Aktienkurs einbricht, schwindet das Vertrauen und - im Bankwesen - kommt es nur auf Vertrauen an. Man betrachte nur, was mit Bear Stearns
und Lehman
Brothers passiert ist.
Aber das Ausmaß des Giftmülls in der Bilanz von Morgan Stanley
ist nicht so groß wie bei Bear, Lehman
und Merrill Lynch
. Tatsächlich ist die Investmentbank zweifelhaften Vermögenswerten sogar weniger stark ausgesetzt als Goldman Sachs. Darüber hinaus sehen sowohl ihre Kapital- als auch ihre Liquiditätsausstattung solide aus. Und sie kann sich jetzt an die US-Notenbank wenden, um praktisch jeden Vermögenswert zu finanzieren.
Problematischer ist da schon, dass es nicht einfach wäre, wieder zu einem kundenorientierten Geschäft zusammenzuschrumpfen. Bei der Umsetzung würden enorme Kosten und Risiken entstehen - und die Abwicklung umfassender kurzfristiger Finanzierungspositionen könnte recht destabilisierend wirken. Morgan Stanley
wäre zudem vielleicht auf die Nachsicht der Märkte und der Fed angewiesen, um komplexere und illiquide Positionen erfolgreich auflösen zu können, ohne dabei beträchtliche Verluste zu erleiden. Trotzdem könnte dies besser sein als ein uneingeschränkter Notverkauf der ganzen Firma.
Dazu kommt, dass keine der Alternativen, die auf dem Tisch liegen, besonders attraktiv aussehen. Oberflächlich betrachtet, würde eine Fusion mit Wachovia
Morgan Stanley
scheinbar den Zugang zu einer breiteren Finanzierungsbasis verschaffen. Aber das ist in Wirklichkeit illusorisch. Morgan Stanley
wird kaum in der Lage sein, die Sparer von Wachovia
zu plündern, um mit deren Mitteln ihr Handelsgeschäft zu stützen. Es liegt hier ein großer Unterschied zu dem Deal zwischen Merrill und Bank of America
vor. Dieser hatte nämlich das Vertrauen wiederhergestellt, weil die Bank of Amerika als stark angesehen wird. Wachovia
wird als schwach eingeschätzt.
Die Idee, einen Anteil von 49 Prozent an den Staatsfonds China Investment Corporation zu verkaufen, würde an den Finanzierungsschwierigkeiten von Morgan Stanley
vorbeigehen. Sicher würde dadurch das Kapital erhöht und - vielleicht - das Vertrauen gestärkt. Aber Kapital ist nicht das Problem der Firma. Weitere 15 Mrd. Dollar wären für das Handelsgeschäft ein Tropfen im Ozean.
Natürlich könnte es da draußen auch noch einen guten Deal geben. Vielleicht sind die Chinesen bereit, einen erstklassigen Preis zu zahlen. Oder vielleicht könnte eine starke Bank - wie JPMorgan - dazu verlockt werden, eine vertrauensbildende Fusion einzugehen. Aber wenn dies nicht eintritt, könnte ein Zurechtstutzen auf die passende Größe der am wenigsten schädliche Ansatz sein.
