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10.09.2008 
Ölpreis

Was das Ölkartell will

von Edward Hadas, breakingviews.com

Die Förderkürzung der Opec stützt den Ölpreis. Foto: apLupe

Die Förderkürzung der Opec stützt den Ölpreis. Foto: ap

Wenn die Produktionskosten den Ölpreis bestimmen würden, dürfte Rohöl zu rund 50 bis 60 Dollar pro Barrel gehandelt werden. Die Opec hat eine andere Zahl im Sinn - 100 Dollar. Das Kartell der Ölproduzenten hat beschlossen, die Produktion geringfügig zu drosseln. Sie wollen demonstrieren, dass sie den dreistelligen Ölpreis ernst meinen.

Die angekündigte Produktionskürzung um 520 000 Barrel pro Tag soll das Angebotsvolumen wieder auf das Niveau der Nachfrage reduzieren. Die Opec will 0,6 Prozent der globalen Tagesproduktion vom Markt nehmen. Das entspricht in etwa dem jüngsten Nachfragerückgang. Die Internationale Energiebehörde hat ihre Bedarfsprognose seit Januar 2008 um ein Prozent gesenkt. Die Schwankungen des Ölpreises sind also weitaus dramatischer, als die Veränderungen auf der Produktions- oder Konsumseite erklären. Anfang des Jahres kostete ein Barrel noch 99 Dollar, im Juli erreichte der Preis 147 Dollar, ein Anstieg also um fast 50 Prozent. Bis zum heutigen Mittwochmorgen war Öl wieder bis auf 103 Dollar zurückgefallen.

Saudi-Arabien, der inoffizielle Anführer des Ölkartells und ausgleichende Kraft am Markt (Swing Producer), trug durch eine unerwartete Produktionssteigerung zum steilen Fall der Ölpreise bei. Es sieht also ganz so aus, als ob mit der Aussicht auf "150 Dollar pro Barrel mit Kurs auf 200" eine mentale Grenze überschritten wurde. Die saudiarabischen Führer wollen ihre amerikanischen Verbündeten nicht verärgern und den Ölkonsumenten nicht noch mehr Gründe an die Hand liefern, ihren Verbrauch zu reduzieren.

Auf der anderen Seite haben die Saudis aber auch kein Interesse an billigem Öl. Der Markt geht daher davon aus, dass die neue Zielmarke bei 100 Dollar pro Barrel liegt. Vor einem Jahr wurde Öl zum damals rekordverdächtigen Preis von 78 Dollar gehandelt - eine Jahrhundertmarke, die man für den Hinweis auf ein drohendes Energie-Armageddon hielt. Die Vorstellung, dass es sich hierbei um eine gut ausbalancierte Gleichgewichtssituation handeln könnte, hätte als verrückt gegolten.

Aber die Menschen lernen aus Erfahrung. Nach einigen Monaten mit in den Himmel schießenden Preiserwartungen, kling die Aussicht auf Stabilität verlockend - fast egal bei welchem Preis. Hinzu kommt, dass die Verbraucher sich inzwischen mit der Inflation abgefunden haben und sie als traurigen aber unvermeidlichen Aspekt des Lebens akzeptieren. Wenn sich die Ölpreise nach einem 30prozentigen Anstieg im Verlauf eines Jahres auf dem neuen Niveau stabilisieren - gut, so spielt das Leben.

Natürlich ist es nicht ganz einfach, die Preise auf Dauer soweit oberhalb der Produktionskosten zu halten. Schließlich könnten die Preise zur Überproduktion stimulieren oder eine restriktivere Geldpolitik könnte dazu führen, dass die Verbraucher weniger zu zahlen bereit sind. Aber weder das eine noch das andere ist kurzfristig wahrscheinlich. Die 100-Dollar-Marke könnte also eine Weile halten.

For further commentary see:
breakingviews.com
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