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09.10.2008 
Verbraucherkredite

Wie bei Shakespeare

von Aliza Rosenbaum und Robert Cyran, breakingvies.com

"Die Weisheiten in Shakespeares Werken sind zeitlos, sagt man. Die amerikanischen Verbraucher scheinen nun entschlossen, dem Rat des geizigen Lord Polonius im "Hamlet" zu folgen und sich zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt bei der Kreditaufnahme einzuschränken. Für den Einzelnen ist es sicher ein kluger Schritt, seine Bilanz in Ordnung zu bringen. Aber bezogen auf einen größeren Maßstab könnte die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft weiter beschädigt werden, wenn die Konsumenten weniger Gebrauch von Krediten machen.

Die bestehenden US-Verbraucherkredite haben sich im August um eine Jahresrate von 3,7 Prozent verringert. Die gesamten Außenstände sind um 7,9 Mrd. Dollar gesunken - ein nie zuvor verzeichneter Rückgang auf Dollar-Basis. Bei den Zahlen sind die meisten Arten von Verbraucherkrediten berücksichtigt mit Ausnahme von Immobilienfinanzierungen. Die Tendenz scheint sich im September fortgesetzt zu haben, zumindest wenn man von den Schwierigkeiten ausgeht, über die die Einzelhändler im vergangenen Monat berichtet haben.

Es ist nicht das erste Anzeichen dafür, dass die amerikanischen Verbraucher sich zusammenreißen wollen. Schon im Mai lag die persönliche Sparquote mit fünf Prozent so hoch wie schon seit dreizehn Jahren nicht mehr, wodurch deutlich wurde, dass die Amerikaner die Steuernachlässe, die sie im Zusammenhang mit dem Paket zur Ankurbelung der Konjunktur erhalten hatten, lieber in den Sparstrumpf gesteckt als ausgegeben haben.

Langfristig gesehen wäre diese Entwicklung durchaus begrüßenswert. Allerdings würde jeder Rückgang beim Konsum die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Amerikas verstärken, vergleichbar der Entwicklung, die sich Anfang der neunziger Jahre in Skandinavien abgezeichnet hatte. Der Kreditengpass in jenen Ländern setzte ein, sobald ihre Verbraucher damit angefangen hatten, mehr beiseite zu legen und dadurch einen Rückgang des Verbrauchs herbeiführten.

Der US-Einzelhandel spürt die Auswirkungen des Gesinnungswandels jetzt schon, wobei selbst Discounter wie Target über eine Besorgnis erregende Umsatzentwicklung berichten und andere Einzelhändler ihre Gewinnprognosen kürzen, während sie sich auf ein miserables Weihnachtsgeschäft vorbereiten. Während die anhaltende Katastrophe im Finanzsektor und zunehmende Verluste an Arbeitsplätzen die Psyche der Verbraucher belasten, könnten die amerikanischen Konsumenten zu ihrem Ungemach herausfinden, dass sie der Wirtschaft im Allgemeinen gar keinen so großen Dienst erweisen, wie sie vielleicht erwartet hatten, wenn sie gemäß ihren Verhältnissen leben.

For further commentary see:
breakingviews.com
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