Es hat lange gedauert, bis sich namhafte Analysten dazu durchringen konnten, Finanztitel wie die Deutsche Bank herabzustufen, sogar den Verkauf zu empfehlen. Für manchen Anleger kommen diese Warnungen zu spät – aber immerhin kommen sie mittlerweile.
FRANKFURT. Spät kommen sie, aber sie kommen: Am Dienstag haben die Analysten des Wall-Street-Riesen Morgan Stanley die Aktien der Deutschen Bank auf „verkaufen“ herabgestuft. Ähnliches gab es zuletzt von vielen anderen Banken über viele andere Banken. Besonders die Analysten von UBS fielen mit mehreren interessanten Urteilen auf.
Wie sollen sich die Märkte da erholen, wenn die eine Bank der anderen an den Karren fährt, werden sich weniger börsenaffine Mitmenschen jetzt fragen? Dabei müsste die Frage eigentlich lauten: Warum reagieren die Banken mit ihren Anlageempfehlungen zu den Aktien der Wettbewerber erst jetzt und haben stattdessen noch vielerorts im ersten Halbjahr Titel der Branche empfohlen? Frei nach dem Motto: Das Schlimmste ist überstanden, Finanztitel sind eigentlich zu billig und speziell für spekulativere Naturen mehr als nur eines Blickes wert. Garniert wurde das mit Weisheiten von Altvorderen der Investment-Branche, die immer dann gekauft haben, „wenn die Kanonen donnern“ und deswegen steinreich geworden sind.
Dass die Deutsche Bank mehr als alle anderen europäischen Großbanken vom Investment-Banking abhängig ist, wie die Experten von Morgan Stanley gestern ihre Herabstufung begründeten, ist nichts wahrhaft Neues. Auch dass die Zahl der Börsengänge, Übernahmen und Privatisierungen seit gut einem Jahr deutlich zurückgeht, hat man mehr als nur einmal gehört. Die Anleger hätten sich sicher gefreut, wenn sie den Rat, Aktien der Deutschen Bank zu verkaufen, nicht erst bekommen hätten, wenn diese auf dem Niveau vom Spätsommer 2004 stehen.
Dennoch muss den Analysten, die jetzt reagieren, zugute gehalten werden, dass sie ihrem Job nachkommen und die Dinge beim Namen nennen. Denn das Schlimmste, was dem Markt in seiner jetzigen Verfassung noch passieren könnte, wäre der Eindruck, die Banken würden sich gegenseitig deckeln. Damit nur ja nicht noch mehr Unheil ans Tageslicht kommt. Das wäre die Bankrotterklärung für die Märkte.
Generell zeigt die aktuelle Situation, dass sich Analysten wie ehedem schwer damit tun, Verkaufsempfehlungen auszusprechen. Das wurde in zahlreichen Erhebungen immer wieder nachgewiesen. Die Zahl der Kaufempfehlungen übertrifft noch immer die der Verkaufsempfehlungen. Erst wenn die Dinge wirklich klar auf dem Tisch liegen, reagieren die meisten Experten. Nur dann wurde der günstigste Moment zum Ausstieg meist schon verpasst.
Bleibt die Frage, welche Schlüsse Anleger aus den jüngsten Herabstufungen ziehen sollten. Sie sollten sie zur Kenntnis nehmen. Und sich danach sich fragen, wie viel Verlust sie einem Wert wie beispielsweise der Deutschen Bank noch zutrauen. Wenn sie da erneut zukaufen, verbilligen sie zum einem ihr Investment in die Aktie. Zum anderen sind sie eventuell wieder dabei, ehe die breite Masse umschwenkt.
