Dass die Beteiligungs-Gesellschaft Arques
Industries vom MDax in den SDax zurück fällt und dass dort der Handy-Zulieferer Balda
und der Flugzeugmotoren-Bauer Thielert
ihre Plätze räumen müssen, hat niemanden überrascht. Es war mal wieder mal eine Index-Entscheidungen, deren Aussagekraft sich erst auf den zweiten Blick erschließt - wie man bei den Aufsteigern sehen kann.
FRANKFURT. Zu verheerend waren die Kursverluste der drei Unternehmen zuletzt, als dass noch die Berechtigung für eine Index-Mitgliedschaft bestanden hätten. Achtzig Prozent hatten Arques
und Balda
im letzten Dreivierteljahr an Wert verloren. Bei Thielert
waren es gar 97 Prozent!
Es ist somit lediglich als die Beseitigung von Altlasten zu interpretieren, dass alle Drei am Abend des 20. Juni ihre Plätze räumen müssen. Weitaus interessanter ist der Blick auf die Aufsteiger. Fuchs Petrolub
kommt in den MDax, SKW
Stahl und die Beteiligungsgesellschaft Gesco
rücken in den SDax. Hinter allen Dreien verbirgt sich das, was derzeit in der deutschen Wirtschaft besonders angesagt ist. Traditionelles Geschäft mit hoher Verlässlichkeit und geringen Schwankungen.
Die Neueinsteiger bestätigen auch den Paradigmenwechsel, der seit einiger Zeit am deutschen Aktienmarkt absehbar ist. Große Innovationskraft in einem ursprünglichen Geschäftsbereich, der der sogenannten "Old Economy" zuzuordnen ist, ist gefragt. Beispiel: Fuchs Petrolub
. In den vergangenen vier Jahre hat sich der Kurs des Mannheimer Schmierstoff-Spezialisten versiebenfacht. Trotzdem rät beinahe die gesamte Analystenschar nach zuletzt "beeindruckenden Zahlen" (Commerzbank)
zum Kauf.
Mit diesen Kurszuwächsen können Gesco
und SKW
Stahl zwar nicht mithalten, aber auch sie demonstrieren am Aktienmarkt vor allem eines: Die Unabhängigkeit von all dem, was mit Subprime, Finanzkrise und sonstigen Verwerfungen zu tun hat. Stattdessen verkörpern sie traditionellen deutschen Mittelstand, der irgendwo in der Provinz die Aufgeregtheit in den Finanzzentren zwar mitbekommt, anschließend aber zum boomenden Tagesgeschäft zurückkehrt. Unterneukirchen, wo beispielsweise SKW
Stahl seinen Sitz hat, ist weit entfernt von Frankfurt und London.
Solche Titel liegen im Trend, nicht erst seitdem amerikanische Großinvestoren wie Warren Buffet ihr Potenzial entdeckt haben. Dass weitere Kandidaten aus diesem Dunstkreis bald in die deutschen Indizes folgen könnten, scheint ausgemachte Sache. Sogar unter die deutschen Top-30 im Dax dürfte bei der nächsten Entscheidung im September ein Wert aufsteigen, dem noch vor Jahren die pure Langeweile anhaftete: Die Kasseler K+S
, einst als Kali und Salz
bekannt, hat ihre Aufstiegsambitionen auf der neuesten Rangliste noch einmal gefestigt: Beim Kriterium Marktkapitalisierung ist sie auf Rang 20 vorgerückt, bei den Börsenumsätzen auf 27. Die Tage des Reisekonzerns Tui
im Dax, beim ersten Kriterium auf 41, bei Zweiterem auf 30, sind deshalb gezählt.
