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14.11.2007 
Bulle und Bär

Verkehrte Branchenwelt im Öl- und Gassektor

von Christian Kirchner

Aktionäre der großen europäischen Öl- und Gaskonzerne verstehen die Welt nicht mehr: Der Ölpreis steigt und steigt, aber die Aktienkurse der Börsenriesen BP, Royal Dutch Shell und Total kommen dennoch kaum von der Stelle.

Magere zehn Prozent beträgt das Plus für den Branchenindex Stoxx 600 Oil & Gas binnen zwei Jahren. Zum Vergleich: Der Ölpreis legte alleine seit Jahresbeginn um 55 Prozent zu. Auf Sicht von fünf Jahren kletterte der Branchenindex um lediglich 50 Prozent, der Ölpreis hingegen um 360 Prozent.

In dieser Konstellation ist eine Investition in europäische Öl- und Gasaktien über einen Branchenindex eine spannende Option. Bei näherem Hinsehen löst sich der Widerspruch zwischen steigenden Ölpreisen und maximal stagnierenden Kursen der Ölriesen schnell auf: Erstens klettern die Kosten schlicht schneller als die Erlöse. Vier der fünf größten europäischen Öltitel haben für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang vermeldet. Zweitens haben Investoren nicht etwa die Ölkonzerne, sondern die Versorger als Profiteure der gestiegenen Energiepreise ausgemacht. Sie können, im Gegensatz zu den Öltiteln, die gestiegenen Energiepreise erheblich schneller auf Kunden abwälzen. Nach Berechnungen der Société Générale haben seit Beginn der Berichtssaison für das dritte Quartal rund 80 Prozent der Analysten ihre Gewinnprognosen für europäische Versorger unverändert gelassen, die übrigen 20 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf Anpassungen nach oben und unten. Für den Öl- und Gassektor hat hingegen glatt die Hälfte der Analysten trotz gestiegener Ölpreise die Prognosen nach unten korrigiert.

Von überzogenen Erwartungen kann also derzeit trotz Rückenwinds auf der Erlösseite keine Rede sein. Noch immer hat Tony Hayward als Chef des größten europäischen Öl- und Gaskonzerns BP die Prognose seines Vorgängers Lord Brown nicht offiziell korrigiert: Der kalkulierte mit einem Ölpreis von 40 US-Dollar je Fass auf mittlere Sicht. Zudem gelten die Öl- und Gaskonzerne als wahre Cash-Flow-Maschinen: Derzeit beträgt das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis der 27 im Stoxx 600 Oil & Gas-Index enthaltenen Werte im Schnitt sieben. Das ermöglicht massive Investitionen in Förderung und Reserven, ohne Aktienrückkaufprogramme und Ausschüttungen zu gefährden. Die durchschnittliche Dividendenrendite der Branche beträgt derzeit 3,1 Prozent. Mit den Branchenriesen BP und Royal Dutch Shell erzielen Investoren derzeit 3,5 Prozent pro Jahr, mit der französischen Total 4,1 und der italienischen Eni sogar 5,2 Prozent Dividendenrendite.

Massive Kursgewinne können Anleger von den Riesen zwar nicht erwarten - obwohl die langfristige Aktienrendite der Branche mit 9,6 Prozent pro Jahr überdurchschnittlich hoch ist. Gerade in unsicheren Börsenzeiten dürften aber viele Investoren wieder sichere und planbare Erträge dem Auf und Ab der Zykliker vorziehen.

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