Die neuen Jahrestiefs von Dax und Euro Stoxx haben die charttechnische Situation beider Indizes grundlegend verändert. Zwar existiere nach Ansicht von technischen Analysten die Chance auf eine Reihe von Erholungstagen, insgesamt hätten sich die Abwärtstrends aber verfestigt. Pessimisten schließen nun sogar einen Einbruch des Dax auf bis zu 5 350 Punkte nicht mehr aus.
HB FRANKFURT. Die von dem Kollaps der US-Investmentbank Bear Stearns ausgelösten abermaligen Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten und die daraus resultierenden neuen Jahrestiefs von Dax und Euro-Stoxx haben die charttechnische Situation beider Indizes grundlegend verändert.
So ist das Kursbarometer für die deutschen Standardwerte aus seiner Seitwärts-Range zwischen 6 400 und 7 000 Punkten herausgefallen, der Index für die 50 größten Aktien aus dem Euroraum hat seine Trading Range zwischen 3 600 und 3 900 Punkten verlassen.
"Wir sind auf die eine Etage tiefer liegenden Support-Zonen zurückgefallen", sagt Petra von Kerssenbrock, technische Analystin bei der Commerzbank. Damit sei der Dax nunmehr in einer Zone zwischen 6 100 und 6 230 Punkten unterstützt, der Euro-Stoxx bei 3 380 bis 3 460 Zählern. Zwar eröffne die heftige Bewegung vom Montag die Chance auf eine Reihe von Erholungstagen, insgesamt hätten sich die Abwärtstrends aber verfestigt.
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"Wir befinden uns aus technischer Sicht weiterhin in einem Bärenmarkt. Ob die Tiefs von Anfang der Woche dabei längerfristig halten werden, lässt sich kaum prognostizieren. Denn der große Verfall wird zusätzliche Volatilität in den Markt tragen", erläutert sie.
Skeptisch ist die technische Analystin auch mit Blick auf die Aktien von Siemens, die sich nach der Gewinnwarnung vom Montag um mehr als 17 Prozent verbilligt und damit den heftigsten Verlust ihrer Dax-Historie hingelegt hatten.
Nach einer fast fünf Jahre andauernden Hausse hätten die Papiere mit einer mittel- und langfristigen technischen Eintrübung zu kämpfen. Seit dem Mai vergangenen Jahres seien Siemens oderhalb der Unterstützungszone bei 85,60 Euro in eine Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen, die den Charakter eines mittelfristigen Doppel-Tops aufgewiesen habe.
Bereits vor dem Einbruch am Montag seien die Aktien mit einem Verkaufssignal aus dieser Formation und damit dem Hausse-Trend herausgefallen. Die neuen Finanzdaten hätten lediglich für eine Beschleunigung dieser Bewegung gesorgt. Kurserholungen sollten daher für weitere Positionsreduzierungen genutzt werden, rät sie.
Auch nach Ansicht von Holger Frey, technischer Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), befinden sich sowohl der Dax als auch der Euro-Stoxx, nachdem sie ihre Seitwärts-Ranges verlassen haben, in einer intakten Abwärtsbewegung.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Binnen fünf bis zehn Tagen Einbruch auf bis zu 5 350 Zähler"
Sollte das Kursbarometer für die deutschen Standardwerte unter die nächste kritische Unterstützungsmarke bei 6 108 Punkten fallen, sei der Weg in Richtung 5.950 Zählern frei. "Erst ein Überwinden des Ausbruchs-Levels bei 6 380 Punkten könnte ein Anzeichen für eine Bodenbildung liefern", sagt er.
Die kritische Unterstützungsmarke für den Euro-Stoxx-50 liege zwischen 3 308 und 3 350 Punkten. "Erst wenn das Ausbruchsniveau bei 3 520 Punkten nachhaltig überwunden ist, hat der Markt die Luft für eine größere Erholung. Diese könnte das Kursbarometer bis auf das Niveau von 3 800 Zählern führen", erklärt der LBBW-Mann.
Noch etwas pessimistischer ist Michael Müller von muellerfinancial für den Dax gestimmt. Dort hält er wesentlich tiefere Notierungen als seine Kollegen für möglich. Eine deutliche Unterstützungszone sieht er zwischen 6 000 und 6 118 Zählern.
"Sollte der Index allerdings auf Schlusskursbasis unterhalb von 6 000 Punkten notieren, rechne ich binnen fünf bis zehn Tagen mit einem Einbruch auf bis zu 5 350 Zählern", sagt er. Die nächste wichtige Hürde macht er bei dem Trend-Widerstand bei 6 860 Punkten aus. Erst darüber helle sich das charttechnische Bild wieder deutlich auf.
Ähnlich sei die Situation des Euro-Stoxx, der zunächst bei 3 265 und anschließend bei 3 210 Punkten unterstützt sei. Auf eine erste Widerstandszone treffe das Kursbarometer bei 3 650 Punkten, deren Überwindung als Anzeichen für eine merkliche Erholung zu deuten sei.
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