Die Dynamik des neuerlichen Abschwungs gepaart mit einem "sehr negativen Sentiment", stimmt ihn skeptisch. Häufig folgen einer schlechten Stimmung eigentlich steigende Kurse, weil - so die Lehrmeinung - Pessimisten ihre Aktien bereits verkauft haben und deshalb als potenzielle Käufer bereitstehen. "Jetzt erleben wir aber eine klassische Abwärtsspirale, in der jede Verkaufswelle noch größere Wellen auslöst", sagt Metz.
Die Situation erinnert fatal an die Ausverkaufsstimmung Ende 2002 bis zum Frühjahr 2003. Damals lag die Stimmung nach den Bilanzfälschungen um den US-Energieriesen Enron und im Vorfeld des Irak-Kriegs am Boden. Die Talfahrt beschleunigte sich in Einklang mit fallenden Kursen und immer schlechteren Stimmungswerten. Je stärker Investoren, darunter viele Banken und Versicherungen, mit ihren Positionen ins Minus rutschten, desto größer wurde ihr Verkaufsdruck. Der Dax war damals auf 2 200 Punkte gefallen. Doch solch eine dramatische Talfahrt erwartet derzeit niemand. Staud Research sieht den Dax in Richtung 5 500 Punkte fallen.
Ähnlich pessimistisch urteilen die Charttechniker der Commerzbank
. "Klassischerweise hält das Jahrestief im ersten Abwärtsschwung", sagt Petra von Kerssenbrock. Doch nach einer kurzen Verschnaufpause und steigenden Kursen rechnet die Expertin mit einem neuerlichen Anlauf nach unten. "Gemessen an fünf Jahren Bullenmarkt nimmt sich die jetzige Baisse mit ihren sechs Monaten bescheiden aus. Sie wird uns noch bis weit in den Herbst hinein begleiten."
Phasen kurzer und kräftiger Erholungen sollten Anleger zum Verkaufen nutzen. Wer jetzt nicht einsteige, brauche sich keine Sorgen zu machen, dass ihm die Kurse womöglich nach oben davonliefen. "Der Markt wird wieder zurückkommen", ist Kerssenbrock überzeugt. Neben der schlechten technischen Verfassung zieht sie ausdrücklich das miserable Umfeld mit ein: Steigende Inflationsraten und Zinsen gepaart mit einem Konjunkturabschwung ergeben eben einen schlechten Cocktail.

