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01.04.2008 
Börsenaussichten

Charttechniker sehen Bärenmarkt-Rally

Der deutsche Aktienmarkt hat aus charttechnischer Sicht gute Chancen, zumindest die Hälfte der seit Jahresbeginn erlittenen Verluste wieder wettzumachen. Auch die Konjunktur- und Unternehmensdaten sind nicht so schlecht, wie es der Kursabschlag von 18 Prozent seit Jahresstart erscheinen lässt.

Short-Quoten bei institutionellen Investoren wurden heruntergefahren. Foto: dpa.Lupe

Short-Quoten bei institutionellen Investoren wurden heruntergefahren. Foto: dpa.

FRANKFURT. Der Dow-Jones-Index hat vom Jahreshoch am ersten Handelstag 2008 bis Schlusskurs Montag gerade einmal knapp 7 Prozent an Wert verloren. Auch wenn einige deutsche Banken "Big Player" in den ABS und CDOs sind, gibt es in Deutschland keine Krise am Immobilienmarkt, welche die heimischen Banken ins Wanken bringen könnte.

Während in den vergangenen Monaten schlechte Nachrichten aus dem Bankensektor noch mit Abschlägen im zweistelligen Prozentbereich bedacht wurden, werden sie derzeit mit Kursaufschlägen honoriert. Dies zeigt, dass momentan die schlechten Nachrichten im Kurs eingepreist sind.

Auch gibt es eine Reihe von Investoren, die seit Mitte vergangenen Jahres den Finanzsektor gemieden, oder auf schlechte Nachrichten der Finanzhäuser gewettet hatten. Diese Gruppe von Investoren scheint momentan auf der Kaufseite bei den Banken zu stehen und zumindest für ein bestimmtes Zeitfenster die Kurse nach unten abzusichern.


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Auf Grund der hohen Bedeutung hat der technische Analyst Thomas Nagel von Equinet den europäische Bankenindex (SX7P) genauer unter die Lupe genommen. Nach dem Abverkauf bis Mitte Januar oszilliert der Subindex des Stoxx um die Marke von 345 Punkten. Sollte er sich von dieser Marke verabschieden können, habe er ein gute Chance, schnell bis an die 90-Tage-Linie bei aktuell 380 Punkten zu steigen.

Diese Bewegung könne innerhalb von wenigen Tagen geschehen und dem breiten Markt einen Aufwärtsimpuls verleihen. Für den Dax sieht Nagel die erste Hürde im Bereich von 6 700 bis 6 730 Punkten. In dieser Zone lägen die Tiefpunkte aus der Konsolidierungsbewegung Mitte Januar bis Anfang März. Danach habe der Index Platz bis in den Bereich um 7 040 Punkte, den Hochs aus dieser Zeit.

Richtig interessant werde es erst, wenn der wichtige Widerstand bei 7 465 Punkten herausgenommen werde. Damit würde der deutsche Aktienmarkt in den Bull-Modus übergehen und den Blick auf die alten Hochs freigeben. Von den Sektoren dürften in der erwarteten Aufwärtsbewegung die Banken und die Technologiewerte den breiten Markt outperformen, Werte wie Volkswagen und auch die Versorger dürften dem Gesamtmarkt hinterherhinken.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Ausverkauf bei leichter Panik"

Rückblickend stuft Thomas Theuerzeit, technischer Analyst bei der Postbank, die gesehenen Kurse im Dax unterhalb von 6 400 Punkten als "Ausverkauf bei leichter Panik" ein. Dieser Bereich wurde am Dienstag nach Ostern mit einem Gap im Bereich bei 6 376 bis 6 443 Punkten fluchtartig verlassen. Institutionelle Investoren hätten seitdem ihre Short-Quoten heruntergefahren. Entscheidend werde nun sein, ob frisches Geld den Weg an die Börse finde. Die Investitionsquote der Institutionellen sei weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

Mit Anschlusskäufen rechnet Theuerzeit, wenn der Bereich bei 6 650 bis 6 700 Punkten herausgenommen werde. In der Abwärtsbewegung Anfang des Jahres hätten sich viele Anleger in diesem Bereich aus dem Markt ausgestoppt. Als erste Anlaufmarke seien dann die 6 840 Punkte zu nennen, die 38,2%-Retracement-Marke aus der Bewegung zwischen dem Jahreshoch am 2. Januar und dem Tief am 17. März bei 6 167 Punkten.



Mittelfristig bilde das 50%-Retracement bei 7 060 Punkten das übergeordnete Ziel. Dieses Szenario habe so lange Bestand, wie der kurzfristig etablierte Aufwärtstrend bei 6 460 Punkten nicht unterschritten werde. Auch für Theuerzeit befindet sich der Dax weiterhin im Bear-Markt, der eine Zwischenerholung sieht.

Etwas skeptischer gegenüber der momentan laufenden Erholungsbewegung zeigt sich Andreas Klähn, technischer Analyst bei der SEB Bank. Für den Euro-Stoxx-50 sieht er zunächst das Aufwärtspotenzial bei 3 729 Punkten als ausgeschöpft an. Der Markt sei überkauft, zudem befinde sich das Trendumfeld im leicht negativen Bereich.

Ein solches Szenario habe Ende Februar eine Abwärtswelle im Euro-Stoxx eingeleitet. Allerdings geht Klähn nicht davon aus, dass das Tief bei 3 417 Punkten nochmals getestet wird. Im Bereich bei 3 521 Punkten dürfte die Abwärtsbewegung diesmal auslaufen.

Mittelfristig seien für den Euro-Stoxx-50 drei Bereiche zu unterscheiden. Zum einen hatte der Index von Ende Januar bis Ende Februar im Bereich bei 3 719 bis 3 875 Punkten einen ersten Boden gebildet. Diese Zone stuft Klähn als "neutralen Bereich" für den europäischen Index ein.

Mit dem Unterschreiten der unteren Begrenzung habe sich ein negatives Szenario eröffnet, in dem sich der Index momentan befinde. Sollte der Index dagegen über die 3 875 Punkte steigen, helle sich das Bild charttechnisch deutlich auf.


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