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21.05.2008 
Charttechnik

Dax steht vor Richtungsentscheidung

Mit der von der Federal Reserve unterstützten Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns durch den Wettbewerber J.P. Morgan Chase hat sich das Sentiment vieler Marktteilnehmer wieder deutlich verbessert.

Nach dem 1000-Punkte-Spurt seit Mitte März befindet sich der Dax nun vor einem wegweisenden Entscheidungspunkt. Foto: dpa.Lupe

Nach dem 1000-Punkte-Spurt seit Mitte März befindet sich der Dax nun vor einem wegweisenden Entscheidungspunkt. Foto: dpa.

Gerade Value-Investoren wie etwa der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber haben diesen Schritt als faktische Kreditlinie für das gesamte Finanzsystem interpretiert und in ihren Portfolios die Aktien von Banken und Versicherungen wieder stärker gewichtet.

"Unter technischen Gesichtspunkten stehen wir nun vor der Frage, ob es sich bei der Erholungsbewegung des Dax seit Mitte März lediglich um eine Gegenbewegung oder bereits um einen neuen Aufwärtsimpuls handelt", sagt Ansgar Krekeler, Händler im Bereich Capital Markets der WGZ Bank. Diese Richtungsfrage wird sich seiner Ansicht nach auf dem aktuell erreichten Niveau des Index für die heimischen Standardwerte entscheiden.

Schließlich treffe der Dax dort auf zentrale Widerstände: Zum einen verlaufe bei 7 160 Punkten das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement der Abwärtsbewegung zwischen Juli 2007 und März 2008. Ein signifikanter Durchbruch eröffne aus Sicht dieser Analysemethode unmittelbares Potenzial bis 7 395 Zähler.

"Darüber hinaus würden die Chancen signifikant steigen, dass das Kursbarometer in der mittelfristigen Betrachtung bereits Kurs in Richtung 8 000 Punkte aufgenommen hat", erklärt Krekeler. Einen zweiten zentralen Widerstand bildet seiner Ansicht nach das Niveau von 7 190 Punkten, das sich aus den im August vergangenen Jahres erreichten zyklischen Tiefständen ableiten lasse.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Absturz oder neue Hausse-Bewegung - Welches Szenario wahrscheinlicher ist

Bislang könne man die Erholungsbewegung noch als lediglich idealtypischen Rücklauf an das Ausbruchsniveau der Doppel-Top-Formation bei 7 190 Zähler interpretieren. "Schlusskurse über 7 200 Punkten lassen an diesem Szenario allerdings Zweifel aufkommen und bringen die Bären in Erklärungsnöte, hätten sie doch die Chance auf einen Impulswechsel an einem plausiblen technischen Punkt verpasst", sagt der WGZ-Bank-Händler.

Und genau danach sehe es aus, berücksichtige man im Rahmen der technischen Analyse auch die Stimmungsindikatoren. Zwar zeige eine Analyse der Put-Call-Ratios für den US-Aktienmarkt, der auch in dieser Hinsicht maßgeblich für die Kursentwicklung hier zu Lande sei, dass von weiteren Short-Eindeckungen kein Rückenwind mehr zu erwarten sei. Allerdings zeige sich bei der Befragung institutioneller Investoren ein unverändert verhaltenes Stimmungsbild. Die daraus abzuleitende Unterinvestition könne in Kombination mit dem zunehmenden Performance-Druck verstärkte Käufe auslösen.

Vor diesem Hintergrund erscheine der Bereich um 7 200 Punkte als alles entscheidende Wegmarke für die kommenden Wochen. "Wir diese Hürde nachhaltig überwunden, ist das ein nur schwer zu ignorierendes Signal. Dann werden viele Investoren aufgrund des Performance-Drucks in den Markt einsteigen müssen", sagt Krekeler. Vor diesem Hintergrund könnten die Sommermonate, entgegen dem üblichen saisonalen Muster, in diesem Jahr durchaus für Kursgewinne stehen.


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