Trotz der massiven Kursverluste am vergangenen Freitag herrscht immer noch keine Kapitulationsstimmung. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Dax-Sentiments - eine Handelsblatt-Umfrage in Zusammenarbeit mit der Postbank
. Zwar sind die Chancen auf eine leichte Erholung gestiegen, doch das Potenzial ist nicht sehr groß.
Trotz Finanzmarktkrise bleibt das Interesse an den Finanzmärkten weiterhin recht hoch - oder eben gerade wegen den aktuellen Verwerfungen. Mit 1 411 Leserstimmen liegen die neusten Erkenntnisse der Handelsblatt Sentimentumfrage in Zusammenarbeit mit der Postbank
vor. Was auf den ersten Blick auffällt - trotz der massiven Kursverluste am vergangenen Freitag lassen die jüngsten Daten immer noch keine Kapitulationsstimmung erkennen. Zwar leiden die Stimmungsindizes, doch der richtige Einbruch bleibt zur großen Verwunderung aus. Die Tiefstände von März dieses Jahres wurden bislang noch nicht erreicht.
Der Stimmungsindex für die kurzfristige Sichtweise notiert bei-11 Prozent. Zum Vergleich, im März dieses Jahres notierte er zwischenzeitlich bereits bei-34 Prozent. Und auch die Stimmung auf Sicht der kommenden drei Monate bleibt mehr oder weniger auf Kurs. Der Stimmungsindex für die mittelfristige Sichtweise notiert mit 18 Prozent. Im März dieses Jahres hingegen wurden bereits Werte von 3 Prozent gemessen. Das alles vor dem Hintergrund, dass die Märkte - hier der Deutsche Aktienindex - seitdem um über 2 000 Punkte gefallen ist.
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Die befragten Investoren gehen demnach sehr besonnen mit den aktuellen Irritationen um und verhalten sich recht ruhig. Nach dem Freitag würde man die Frage, "Ist das die Ruhe vor dem Sturm", fast mit nein beantworten müssen. Denn der Sturm war ja offensichtlich schon da. Zumindest wenn man den Medien- und Berichterstattern glauben schenken mag. Auch eingefleischte Börsianer sind von den jüngsten Kapriolen mehr als überrascht. Doch die Leser bleiben ruhig - sie haben sich offensichtlich nicht sonderlich von den düsteren Botschaften anstecken lassen. Bleibt dennoch die Frage, müssen die Stimmungsindizes überhaupt noch einmal einbrechen um ein bedeutendes Tief zu markieren? Der Theorie zufolge ja, nur wenn die nackte Panik um sich greift und auch "der Letzte" das Schiff verlassen hat, wird sich der Boden an den Börsen ausbilden - soweit zur Theorie. Aber gegebenenfalls gibt es ja auch Ausnahmen - und gegebenenfalls haben wir eine solche nun vorliegen.
Kurzfristig mag das der Fall sein und kurzfristig stehen die Chancen für eine Gegenbewegung in der Tat nicht schlecht. Doch Vorsicht ist allemal angebracht. Alleine die Tatsache, dass der Dax nach dem Platzen der Internetblase von 8 000 auf 2 500 Punkte absackte dürfte hier die Signallampen noch nicht zum erlischen bringen. Damals verschwand die eine oder andere Internetfirma vom Kurszettel. Böse Stimmen behaupten, die eine oder andere Garage mit drei Personalcomputern. Doch heute geht es um das Finanzsystem selber - um das Herz des ganzen Kreislaufes, den Banken.
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Rettungspakete werden allerorts geschnürt und sollen die Lage beruhigen. Das ist auch vernünftig und trägt bestimmt dazu bei. Die Chancen auf eine Erholung des Dax sind damit allemal gestiegen. Besonnenheit der Investoren - sowie bei den befragen Lesern - könnte damit zunächst zurückkehren. Dem Dax wäre zumindest einmal eine Gegenbewegung bis rund 5 100 Punkte zuzutrauen. An mehr ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu denken. Darüber hinaus ist und bleibt Vorsicht weiterhin das Gebot der Stunde.

