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24.04.2008 
Aufwärtstrend

Schwacher Dollar treibt Goldpreis in die Höhe

von W. Drechsler

Gold ist begehrt wie seit Jahren nicht mehr - und vieles deutet nach Angabe der Experten des Edelmetall-Beratungsdienstes Gold Fields Mineral Services (GFMS) darauf hin, dass sich dieser Trend zumindest bis in das kommende Jahr fortsetzen wird. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

JOHANNESBURG. Die jüngsten Preissteigerungen sind deutlich: Nach seinem Sprung auf das Allzeithoch von 1 033 US-Dollar im März hat sich Gold nun erst einmal zwischen 900 und 950 Dollar pro Feinunze eingependelt. Verantwortlich für den Rückschlag waren vor allem Gewinnmitnahmen der Investoren. Besonders auffallend dabei ist, wie schnell der Goldpreis im vergangenen September in Schwung geriet, nachdem er zuvor monatelang bei 650 Dollar verharrte.

Für den Aufwärtstrend gibt es zwei Gründe: Zum einen den schwachen Dollar, der sich traditionell in entgegengesetzter Richtung zum Goldpreis bewegt, zum anderen die Sorgen der Anleger über die möglichen Folgen der Finanzmarktkrise. Beides steht in direktem Zusammenhang. Ein Teil des spekulativ investierten Geldes, das zuvor in Hochzinsanleihen und strukturierte Finanzinstrumente floss, sucht jetzt nach weniger risikoträchtigen Anlageformen.

Die Sonderstellung von Gold erklärt sich damit, dass es ein untypischer Rohstoff ist: Anders als etwa Rohöl hat das gelbe Metall wenig praktischen Nutzen, wird kaum industriell verwendet, wird aber deshalb auch weniger stark von Verknappungsängsten beeinflusst. Genau diese Furcht haben die Preise fast aller anderen Rohstoffe getrieben.

Vor allem die bisherige Abhängigkeit des Edelmetalls vom Schmuckmarkt stellt nach Ansicht der GFMS-Experten ein gewisses Manko dar. So lag die Goldnachfrage der Schmuckbranche wegen des stark gestiegenen Preises im vergangenen Jahr bei 2 427 Tonnen - laut GFMS damit mehr als 20 Prozent unter dem Stand von vor zehn Jahren. Gleichzeitig erwartet GFMS, dass sich das Angebot trotz der rückläufigen Produktion in Südafrika, dem bislang größten Förderland, in etwa auf dem gleichen Niveau bewegen wird - eine Einschätzung, die nicht alle Experten teilen. Noch überraschender ist, dass Philip Klapwijk, Vorsitzender von GFMS, deshalb in etwa zwei Jahren einen Rückfall des Goldpreises auf etwa 600 Dollar pro Feinunze prophezeit. Der wichtigste Grund dafür liegt nach seiner Einschätzung im hohen Preis, der Goldschmuck unerschwinglich mache. Entscheidend sei, dass die Schmuckbranche noch immer für etwa 80 Prozent der physischen Goldnachfrage verantwortlich ist. Nur knapp 20 Prozent entfallen auf die industrielle Anwendung.

Trotz der Skepsis der GFMS-Experten besteht unter den meisten Beobachtern kaum Zweifel daran, dass sich an dem fundamental positiven Gesamtbild für Gold wenig ändern wird. Dafür sorgt nach Ansicht von Martin Murenbeeld, Chefökonom der Dundee Group, schon die für Gold gute Dollarschwäche, die weltweit steigende Inflation und die damit verbundenen negativen Realzinsen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Preisschub führt zu einem Umdenken

Aber auch die zunehmenden geopolitischen Spannungen schaffen nach seiner Einschätzung ein nahezu ideales Umfeld für einen langfristigen Anstieg des Goldpreises. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist hoch. Das zeigt sich daran, dass sogar die Ankündigung des IWF, rund 400 Tonnen Gold aus seinen Beständen zu verkaufen, am Markt fast wirkungslos verpufft ist.

Überhaupt hat es den Anschein, als ob die Notenbanken, die mehr als 30 000 Tonnen des gelben Metalls in ihren Tresoren gehortet haben, zumindest derzeit kein Faktor am Goldmarkt sind. Die größten von ihnen haben sich verpflichtet, bis 2009 zusammen maximal 500 Tonnen pro Jahr aus ihren Beständen zu verkaufen. Doch selbst dieses Limit ist in den vergangenen beiden Jahren nie ausgeschöpft worden - ein Zeichen dafür, dass der Preisschub auch hier zu einem Umdenken geführt hat.

Stattdessen scheint sich das physische Interesse an Gold als Anlageinstrument kontinuierlich verstärkt zu haben. Ein Indiz dafür ist, dass Goldbarren momentan eine Lieferzeit von mehr als vier Wochen haben. Schließlich hat auch eine Reihe neuer Anlageinstrumente wie Exchange Traded Funds (ETF) die Nachfrage nach Gold spürbar angekurbelt, weil diese privaten Anlegern den Marktzugang vereinfachen.

Um ETFs zu unterlegen, kaufen Banken als Emittenten entsprechende Barren und deponieren sie im Safe. Damit übernimmt die Bank die Garantie, dass Anleger ihre Fondsanteile jederzeit gegen physisches Edelmetall eintauschen können.

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