15 Bewertungen ****
15.07.2008 
Fishers Zwischenruf

Blasen beobachten

von Ken Fisher

Haben wir gehört, wie die Blase der Finanzaktien platzt? Ist dies eine Wiederholung des Jahres 2000? Eine Branche überhitzt sich. Eine Blase bildet sich und explodiert dann. Danach beginnt sie zu implodieren, was zu einem großen Bärenmarkt bei gleichzeitiger Rezession führt. Klingt wie heute? Nicht mal ansatzweise!

Das klingt doch nach der 2000er Dotcom-Blase und der 1980er Öl-Blase. Aber schauen Sie sich Technologiepreise fünf Jahre vor dem Höhepunkt von 2000 an. Die Preise stiegen um fast das Neunfache. Ein hoher Gipfel bildete sich, dann folgte ein tiefer Sturz.

Dasselbe galt, wenngleich zu einem geringeren Ausmaß, für die Öl-Blase der 80er. In fünf Jahren stiegen die Preise um das Fünffache. Die Folgen waren in beiden Fällen ähnlich – ein branchengeführter Bärenmarkt und eine Rezession.

Doch bei Finanzaktien gibt es keinen echten Gipfel. Die Preise stiegen fünf Jahre lang sanft aber stetig an – mit ein paar leichten Korrekturen. Es gab keinen plötzlichen Anstieg, keinen hohen Gipfel. Und auch keine Rezession!

Finanzaktien sind mittlerweile stark gefallen, aber nicht aus euphorischen Höhen. Man kann keine geplatzte Blase ohne extremen Anstieg haben und man kann keinen Höchststand ohne Euphorie haben. Und es hat lange vor der Marktspitze keine Euphorie für Finanzaktien gegeben.

Sogar die sogenannte „Immobilien“-Blase war keine besondere. Stimmt, ein beliebter amerikanischer Immobilienindex stieg über fünf Jahre und geht nun zurück, aber er erreichte nie echte Blasengröße. Und er entwickelte nie die gesellschaftlichen Eigenschaften, die Blasen entwickeln.

Bei Blasen entscheiden sich Leute, fast alles andere zu verkaufen und in der Kategorie aufzustocken. Man nennt sie neue Zeitalter, neue Denkmuster, eine neue Ära – da jetzt anscheinend alles anders ist.

Niemand bezeichnet echte Blasen als „Blasen“ bis lange nachdem sie geplatzt sind – und man fürchtet sie auch nicht, wenn sie sich bilden. Erst lange danach erkennen Leute die Spitze. Dann fangen sie an, überall Blasen zu sehen. Genau wie jetzt. Finanzaktien sind heute schwach, keine Frage. Aber dies ist keine Wiederholung von 2000.

gastautor@handelsblatt.com
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


HANDELSBLATT ANALYSTENCHECK

NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
CONTINENTAL AG  sell +86.42%
ALLIANZ SE  sell +69.13%
RHEINMETALL AG  buy +69.67%
DAIMLER AG  neutral +41.81%
BAYERISCHE MOTOREN...  neutral +17.17%
HYMER AG  buy +100.00%
INDUS-HOLDING AG  buy +43.99%
BERTRANDT AG  buy +179.72%
KONINKLIJKE AHOLD NV  buy +54.64%
AIXTRON  sell +14.94%