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22.07.2008 
Fishers Zwischenruf

Den Bären ertragen

von Ken Fisher

Offensichtlich lag ich seit Monaten daneben: Fannie und Freddie sind in Schwierigkeiten, eine US-Bank ist pleite! Ist es endlich an der Zeit, Aktien aufzugeben? Die Vergangenheit zählt nicht. Ihre Frage sollte sein: „Was ist jetzt zu tun?“

Ken Fisher von Grüner Fisher Investments. Lupe

Ken Fisher von Grüner Fisher Investments.

Fannie und Freddie in Schwierigkeiten! Eine US-Bank pleite! Stehen weitere Pleiten bevor? Globale Aktien sind abgerutscht. Offensichtlich lag ich seit Monaten diesbezüglich daneben. Ist es endlich an der Zeit, Aktien aufzugeben? Die Vergangenheit zählt nicht. Ihre Frage sollte sein: „Was ist jetzt zu tun?“

Es gibt nur vier Möglichkeiten – Aktien steigen stark, steigen ein bisschen, fallen ein wenig oder fallen stark. Ich neige dazu, bei Aktien bleiben zu wollen, es sei denn ich erwarte im Laufe des nächsten Jahres stark fallende Aktienmärkte. Bei einer kleinen Abwärtsbewegung ist das Risiko zu groß, ein gutes Jahr zu verpassen. Dadurch, dass wir einen so großen Absturz hatten, erscheint „down a lot“ für die nächsten 12 Monate unwahrscheinlich.

Die Realität ist von düsterer Stimmung begleitet – historisch gesehen eine Zeit, in der man an Aktien festhalten sollte. Stimmt, die Indymac-Bank scheiterte. Aber die Zusammenbrüche von Banken bedeuten keine anhaltenden Probleme. 830 US-Banken brachen zwischen 1990 und 1992 zusammen, doch die 90er waren für US-Aktien großartig. Und die Indymac hatte vor dem Zusammenbruch lediglich einen Marktwert von drei Mrd. Dollar – nicht allzu groß. Aber ist denn eine Sanierung von Fannie und Freddie nicht furchtbar? Deren aktuelle Nöte sind eher eine Folge der zeitnahen Bilanzierungsregeln – Erfindungen – anstatt echter Insolvenz. Stattdessen entscheidet sich die US-Regierung, deren finanzielle Lücken zu überbrücken, um willkürliche, von der Regierung aufgestellte Bedingungen zu erfüllen, statt die in Schwierigkeiten steckenden Institute unnötigerweise zusammenbrechen zu lassen.

Wenn dies ein echter Bärenmarkt sein sollte, sagt die Geschichte, dass wir etwa zu zwei Dritteln schon alle Kursverluste gesehen hätten. Sie haben also das Schlimmste davon überlebt! Es macht jetzt keinen Sinn auszusteigen – wahrscheinlich würden Sie die Wende verpassen. Ob bei Bärenmärkten oder Korrekturen: Wenden sind schnell, blitzartig und unmöglich zeitlich zu bestimmen. Beißen Sie also die Zähne zusammen und bedenken Sie, dass Aktien liebend gern an einer Mauer der Sorgen entlang steigen. Aktuell haben wir einen ganzen Berg an Sorgen – eine großartige Zeit, bei Aktien zu bleiben.

gastautor@handelsblatt.com
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