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21.07.2008 
Marsh On Monday

Flucht nach Norden

von David Marsh

Die spanische Banco Santander treibt die europäische Bankenkonsolidierung voran: Mit der bevorstehenden Übernahme der britischen Hypothekenbank Alliance & Leicester könnte die von der Subprime-Krise bisher weitgehend verschonte Bank ihr Finanzdienstleistungsangebot ausbauen - und der lahmenden spanischen Wirtschaft ein Schnippchen schlagen.

Wenn Spaniern mitten im Sommer ein wenig das Grün fehlt, suchen sie offenbar gerne in Großbritannien Zuflucht. Mit der bevorstehenden Übernahme der notleidenden britischen Hypothekenbank Alliance & Leicester treibt die Banco Santander die europäische Bankenkonsolidierung voran. Die Erweiterung der iberischen Bankenmacht vollzieht sich damit nicht inner- sondern außerhalb des Euroraums. Die Spanier können sich nun der bereits 2004 durch die Akquisition der Abbey National verschaffenen Bankenplattform bedienen, um ihr Finanzdienstleistungsangebot auf der Insel qualitativ wie quantitativ zu verbessern.

Die spanische Marktführerin - sie ist Nummer eins nach Marktkapitalisierung im ganzen Euroraum - ist von den direkten Auswirkungen der Subprime-Krise kaum tangiert und kann ihre Stärke damit um so besser ausbauen. Das Übernahmeobjekt A&L ist durch die weitere Kursverschlechterung der britischen Banken seit März zusätzlich geschwächt. Nun bietet sich A&L zu einem unwiderstehlichen Schnäppchenpreis von nur 1,3 Mrd. Pfund an.

A&L und Santander hatten bereits Ende des letzten Jahres einen Zusammenschluss geprüft. Damals hätte ein kontrollierender Anteil an der britischen Bank über sechs Pfund pro Aktie gekostet. Es hat sich gelohnt, zu warten. Der jetzt vereinbarte Preis liegt bei 3,17 Pfund je Aktie. Durch das kluge Taktieren haben die Spanier eine Menge Geld eingespart, zumal, da seit Ende 2007 das Pfund zum Euro um zehn Prozent billiger geworden ist.

Seit die Immobilien- und Bauaktivitäten in Spanien lahmen und der lang anhaltende Bauboom zu Ende gegangen ist, wackelt die spanische Konjunktur. Darunter könnte trotz der internationalen Aufstellung auch das erste spanische Bankhaus leiden.

Unter diesem Gesichtspunkt ist der Schachzug des Santander-Vorsitzenden Emilio Botin besonders intelligent. Da Großbritannien nicht zum Euroraum gehört, dürfte sich die britische Volkswirtschaft vom Konjunktureinbruch schneller erholen als die spanische Wirtschaft. Denn Spanien wird durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank gebremst. Wenn es im sonnigem Spanien zu einer Dürrephase kommt, ist Santander dann im kühlen aber fruchtbaren Norden bestens positioniert.

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