0 Bewertungen
20.08.2007 
Marsh on Monday

Russischer Goldkauf

von von David Marsh, Berater und Banker, London

Seit dem Untergang der Sowjetunion kann Russland seine Goldpolitik in aller Öffentlichkeit vollziehen: Genau deshalb scheint der russische Stahlhersteller Severstal ein 25 Millionen Pfund schweres Aktienpaket vom in Irland beheimateten Goldhersteller Celtic Resources Holdings zu kaufen.

HB Der britische Ökonom John Maynard Keynes mag zwar vor längerer Zeit Gold als "barbarisches Relikt" abgestempelt haben. Für die Russen aber ist das Edelmetall immer noch zeitgemäß. Während des Kalten Krieges hat die Sowjetunion zum Zwecke der Wirtschaftssteuerung ihre Goldförderung der Lage der Weltkonjunktur und der internationalen Währungssituation klug angepasst, teilweise heimlich, in Abstimmung mit Südafrika. Seit dem Untergang der sowjetischen Planwirtschaft braucht Russland seine Goldstrategie nicht mehr in aller Stille durchzusetzen. Das Land kann sich der offenen westlichen Finanzmärkte bedienen, um industrielle Ziele zu verfolgen.

Die Celtic-Gruppe verfügt über bedeutende Goldvorkommen vor allem in Kasachstan. Außerdem betreibt sie Molybdenum- und Kupferminen in verschiedenen Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Wie zahlreiche weitere russische Ressourcenunternehmen ist Celtic am Wachstumssegment der Londoner Börse, dem so genannten Alternative Investment Market (AIM) notiert. Severstal, auch in London gelistet, hält intensiv Ausschau nach möglichen Investments in Europa und den USA. Der Konzern will seine Wertschöpfungskette in der Stahlindustrie intensivieren, auch um sich als wettbewerbsfähiger Lieferant für die internationale Autoindustrie zu etablieren.

Für Celtic erfolgt die Übernahme eines 22-prozentigen Sockelbetrags zu einem günstigen Zeitpunkt, denn die Gruppe braucht russische Partner, um ihre östliche Rohstoffaktivitäten auszubauen. Die Aktion des Severstal-Mehrheitsaktionärs, dem Milliardär Alexei Mordaschov, kann Schule machen. Weitere gelistete Rohstoffunternehmen mit starken Aktivitäten in der ehemaligen Sowjetunion, wie etwa Peter Hambro Mining und Highland Gold, könnten Kaufziele für russische Firmen werden. Wie auch der alte Keynes wusste: derjenige, der die Spielregeln des Kapitalismus gewinnbringend verwenden will, muss in höchstem Maße flexibel sein. Und genau das sind die Russen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


HANDELSBLATT ANALYSTENCHECK

NAME EINSTUFUNG  DIFFERENZ
CONTINENTAL AG  sell +86.42%
ALLIANZ SE  sell +69.13%
RHEINMETALL AG  buy +69.67%
DAIMLER AG  neutral +41.81%
BAYERISCHE MOTOREN...  neutral +17.17%
HYMER AG  buy +100.00%
INDUS-HOLDING AG  buy +43.99%
BERTRANDT AG  buy +179.72%
KONINKLIJKE AHOLD NV  buy +54.64%
AIXTRON  sell +14.94%