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07.12.2007 
Die Finanzprofis

Überall nur Goldmänner

von Torsten Riecke

Ein Kolumnist der "New York Times" unterstellt GoldmanSachs, ihre Kunden bewusst hinters Licht geführt zu haben, dann bekommt die Aktie der Bank weiche Knie. Es war wahrlich eine turbulente Woche für die Goldmänner und ihren Chef Lloyd Blankfein.

Torsten Riecke, Korrespondent Handelsblatt, New York.

Torsten Riecke, Korrespondent Handelsblatt, New York.

an: lloyd.blankfein@gs.com

Das war eine turbulente Woche für Ihre Bank, lieber Lloyd Blankfein. Erst unterstellt der Kolumnist Ben Stein in der "New York Times" Ihrer Bank, dass sie ihre Kunden beim Verkauf von riskanten Hypothekenprodukten bewusst hinters Licht geführt hat. Dann melden sich die Analysten der Konkurrenz und senken ihre Ergebniserwartungen für das vierte Quartal. Die Aktie von Goldman bekommt daraufhin weiche Knie. Und schließlich wird auch noch bekannt, dass der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo bereits seit dem Sommer gegen die Wall-Street-Häuser ermittelt. Sein Verdacht geht in die gleiche Richtung wie der von Stein: Die Investmentbanken sollen Kreditderivate aus dem Hypothekengeschäft vermarktet haben, obwohl sie wussten, dass die dahinter liegenden Darlehen auf überaus dubiose Weise vergeben worden waren.

Stein baut seine Vorwürfe zu einer wahren Verschwörungstheorie aus. Die Goldmänner, so der Kolumnist, seien in der US-Wirtschaft allgegenwärtig und würden die Fäden zugunsten ihrer Bank ziehen. Sei es der US-Chefvolkswirt Jan Hatzius, dem Stein vorwirft, er habe mit einer besonders düsteren Immobilienprognose die Handelsstrategie seiner Bank gestützt. Sei es der Finanzminister und frühere Goldman-Chef Hank Paulson, der sich vom mächtigen Senator Christopher Dodd anhören muss, er habe im Interesse seines alten Arbeitgebers untätig zugesehen, wie der amerikanische Immobilienmarkt zusammengebrochen sei. Von Paulson stammt auch der berüchtigte Satz: Interessenkonflikte kann man nicht vermeiden. Man muss sie nur richtig managen. Mit diesem Credo ist Ihre Bank auch deshalb ganz gut gefahren, weil sie so mächtig geworden ist, dass sich fast niemand ihrer Kunden es leisten kann, den Goldmännern die kalte Schulter zu zeigen.

Für eine Verschwörungstheorie reicht das jedoch nicht. Der Job der Investmentbanken ist es, Risiken zu verkaufen. Es sieht zwar nicht gut aus, wenn die Bank einerseits Kreditderivate anpreist und andererseits darauf wettet, dass die gleichen Papiere massiv an Wert verlieren werden. Hedging gehört jedoch zum Alltag an der Wall Street. Und die Käufer der Hypothekenanleihen waren schließlich keine kleinen Privatanleger, sondern Finanzprofis von institutionellen Großinvestoren wie Hedge-Fonds und Versicherungen.

riecke@handelsblatt.com

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