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24.08.2007 
E-Mail von der Wall Street

Vom Manager zum Minister

von Torsten Riecke

Der Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik gehört in den USA schon fast zum Alltag. Sie, lieber John Snow, sind dafür ein gutes Beispiel.

an: john.snow@cerberus.com

Erst waren Sie Chef der Eisenbahngesellschaft CSX, dann US-Finanzminister und heute sind Sie Chairman der Private-Equity-Gesellschaft Cerberus. Ihr Vorgänger als Finanzminister Paul O'Neill war vor seinem Wechsel nach Washington Chef des Aluminiumproduzenten Alcoa und berät heute die Firmenjäger von Blackstone. Der heutige Finanzminister Hank Paulson kommt direkt von der Wall Street und hat dort viele Jahre das Investmenthaus Goldman Sachs geleitet. Selbst John Edwards, einer der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, hatte zwischendurch beim Hedge-Fonds Fortress gearbeitet.

Für die Unternehmen in der Finanzbranche und Industrie sind die Ex-Politiker vor allem deshalb so wertvoll, weil sie neben ihrem Erfahrungsschatz eine Vielzahl von Kontakten mitbringen. Gerade jetzt profitieren die Hedge-Fonds und Buy-out-Firmen von dem Netz ihrer Politberater in der US-Hauptstadt, da im Kongress über eine kräftige Steuererhöhung für die Finanzinvestoren diskutiert wird.

Aber auch umgekehrt ist das Wechselspiel nützlich. Ohne seine Erfahrungen an der Wall Street würde Hank Paulson heute als US-Finanzminister kaum eine derart gute Figur machen. Und dass sein Kollege Carlos Gutierrez viele Jahren den Lebensmittelkonzern Kellogg geführt hat, bevor er Handelsminister wurde, ist sicher auch ein Gewinn für die mit ökonomischer Kompetenz nicht gerade gesegnete Administration von US-Präsident Bush.

Was in den USA in beiden Richtungen gut funktioniert, ist in Deutschland immer noch eine Einbahnstraße von der Politik in die Wirtschaft. Der frühere Bundeskanzler und heutige Gazprom-Manager Gerhard Schröder ist dafür das prominenteste Beispiel. Umgekehrt fällt einem nur der Name Werner Müller ein. Der heutige RAG-Vorstandschef war vor seinem Eintritt in die Regierung Schröder Vorstandsmitglied beim Energiekonzern Veba (heute Eon). Einen Finanzmann hat es bislang überhaupt noch nicht in die deutsche Politik verschlagen. Dabei wäre das gerade in turbulenten Zeiten wie diesen eine echte Bereicherung. Frau Merkel muss ja nicht gleich eine "Heuschrecke" zum Finanzminister machen.

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