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16.11.2007 
E-Mail von der Wall Street

Was nun, Mr. Rubin?

von Torsten Riecke

Den Namen von John Thain können Sie von Ihrer Kandidatenliste streichen, Mr. Rubin. Zur allgemeinen Überraschung wechselt der Chef der New Yorker Börse nicht zur Citigroup, sondern zum Brokerhaus Merrill Lynch. Dabei hatten Sie doch als Citi-Chairman alle Trümpfe in der Hand.

Torsten Riecke ist Korrespondent des Handelsblatts in New York.

Torsten Riecke ist Korrespondent des Handelsblatts in New York.

an: robert.rubin@citi.com

John Thain ist Ihr Protegé, Mr. Rubin, und er kommt genau wie Sie von Goldman Sachs. Das hätte eigentlich reichen müssen, um den dynamischen Banker zum größten US-Geldhaus zu locken. Doch der 52-Jährige hat sich für Merrill entschieden. Dem Vernehmen nach hat er die kleinere Bank mit einem engeren Fokus der undankbaren Herkulesaufgabe vorgezogen, das Citi-Reich neu zu ordnen und zurechtzustutzen.

Was nun, Mr. Rubin? Dass selbst der Kandidat abwinkt, dem man noch am ehesten zugetraut hätte, die Citigroup in den Griff zu bekommen, macht ihre Suche nach einem neuen Konzernchef noch schwieriger. Die verbleibenden Kandidaten überzeugen nicht. Vikram Pandit ist sicher einer der talentiertesten Banker an der Wall Street. Dass er bereits so weit ist, eine riesige Geschäftsbank zu führen, glauben aber nur wenige. Robert Willumstad hatte sich bereits 2002 Hoffnungen auf den Spitzenjob gemacht. Der damalige Konzernchef Sandy Weill gab jedoch Chuck Prince den Vorzug. Willumstad hätte zwar das richtige Kaliber, zeigt aber angeblich wenig Interesse an dem Job.

Richard Kovacevich hat in den 80ern bereits für die Citigroup gearbeitet, bevor er Chef des Konkurrenten Wells Fargo wurde. Dort ist er zwar gerade zurückgetreten, mit 64 Jahren dürften seine Gedanken aber eher in Richtung Ruhestand gehen. Und dann ist da Laurence Fink. Der Chef des Vermögensverwalters Blackrock galt als Favorit bei Merrill Lynch. Mit seiner Erfahrung als gewiefter Risikomanager könnte er zumindest die akuten Probleme mit den Kreditderivaten in den Griff bekommen. Doch der bedächtige Fink gilt nicht als jemand, der aus der 300 000 Mitarbeiter starken Citigroup mit radikalen Schritten eine schlagkräftige Einheit schmieden könnte.

Vielleicht sollten Sie es sich doch noch mal überlegen, Mr. Rubin, und den Job selbst antreten. Mit 69 Jahren sind zwar auch Sie nicht mehr der Jüngste. Aber wenn Sie nur halb so gut sind wie Ihr Ruf, sind Sie immer noch der Beste für Citi.

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