Tool der Woche
Optimisten vertrauen Europas Aktien

Europäische Aktien sind auch wegen ihrer hohen Dividenden interessant. Analysten haben ihre Favoriten. Fündig werden sie in einigen Ländern und Branchen – wo genau, zeigt das Tool der Woche.

FrankfurtViele Experten wittern unruhige Zeiten an den europäischen Aktienmärkten. Der Brexit-Schock mit dem Aktiencrash am 24. Juni sitzt noch tief. Am 8. November steht mit den US-Wahlen bereits das nächste wichtige politische Ereignis mit Ausstrahleffekt auf die Börsen der Alten Welt an. Dann folgen kritische Wahlen in Italien, Frankreich – und Deutschland. Doch die Optimisten wehren sich. „Seien wir nicht immer so negativ für Europa“, sagt beispielsweise Jörg de Vries-Hippen, Aktienstratege bei Allianz Global Investors.

Den Optimismus entdeckt man allerdings erst auf den zweiten Blick. Die politischen Probleme mit Blick auf die Europäische Union bleiben zwar. Wichtige Wahlen in Italien, Frankreich und zuletzt Deutschland stehen schließlich bis Ende nächsten Jahres an. Das erkennen auch die Experten in der Fondssparte der Allianz.

Langfristig glauben die Fachleute jedoch an hohe Erträge in Europa. Auf die nächsten zehn Jahre sollen es sieben bis acht Prozent jährlich sein, während für die Wall Street nur ein bis zwei Prozent erwartet werden. „Vor allem gute Aktien mit starken Dividenden mögen wir“, sagt Chefstratege Neil Dwane von Allianz Gobal Investors. Beim Thema Ausschüttung ist Europa gut im Spiel. „Wir kommen auf 5,5 Prozent Dividendenrendite an diesen Märkten, wo bekommt man das schon“, fragt de Vries-Hippen rhetorisch. Vor allem britische Aktien erkennt er als attraktive Dividendenwerte.

Der positiven Einschätzung verweigern sich einige Finanzhäuser. „Die Aktien sind ziemlich teuer“, sagt Graham Secker, Europa-Aktienstratege bei Morgan Stanley. Europäische Titel werden seiner Meinung nach schlechter laufen als US-Aktien. Seine Zwölfmonatsprognose lautet: plus drei Prozent für die Wall Street. Dagegen rechnet Secker mit einem Kursverlust von sieben Prozent für die Aktienmärkte in Europa.

In europäischen Aktienkursen stecke viel Hoffnung, meint Secker. Und er wird sehr konkret: „Es ist sinnvoll, konjunktursensible Werte zu verkaufen.“ Aktien aus der Gesundheits- und Versorgerbranche gefallen ihm noch am besten. Neben der Branchensicht hat er klare Favoriten aus der Länderperspektive. Da kommt Frankreich am besten weg. „Die Bewertungen sind sehr tief“, glaubt er. Der Morgan-Stanley-Mann gibt eine doppelte Empfehlung: „Frankreich kaufen, Deutschland verkaufen.“ Wo Analysten fündig werden, das zeigt das Tool der Woche.

In diesem Analystencheck können Anleger nach Studien zu einzelnen Aktien suchen. Zudem wird ihnen auch die Zahl der Kauf- und Verkaufsempfehlungen für das jeweilige Wertpapier angezeigt und ein gewichtetes Kursziel, bei dem die aktuellen Kursziele stärker gewichtet werden.

Einen besonderen Blick auf Europa wirft Henning Gebhardt. Der Aktienchef der Deutsche-Bank-Fondstochter Deutsche Asset Management meint: „Europas Börsen werden erst besser laufen als die Wall Street oder andere Regionen, wenn die Banken besser abschneiden.“ Gebhardt spricht damit von der starken Gewichtung der Kreditinstitute in den wichtigen Indizes. Und die Schwäche der Bankaktien in den vergangenen Jahren ist auf die Märkte durchgeschlagen und hat die Aktienindizes nach unten gezogen.

Von europäischen Bankaktien raten Experten allerdings auch ab. „Bankaktien haben wir strukturell untergewichtet“, sagt Andreas Zöllinger, Fondsmanager für europäische Aktien bei Blackrock - also weniger stark in den Portfolios berücksichtigt, als die Titel in den großen Indizes vertreten sind. Angesichts der schwierigen Gewinnsituation im Niedrigzinsumfeld und der stärkeren Regulierung sei erstaunlich, wie „gut sich die Werte zuletzt noch entwickelt haben“.

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