FrankfurtChampagner, Rotbarbenfilet an Rotlinsen-Spargel-Ragout, Comedian, handgerollte Dannemann-Zigarren – edel geht es zu, wenn sich einmal im Jahr die deutsche Fondselite im Frankfurter Hotel Radisson Blue trifft. Am Montag kamen die Besten der Branche zur 18. Verleihung der Finanz-Oscars für Investmentfonds in Deutschland zusammen, die die unabhängige US-Ratingagentur Morningstar gemeinsam mit dem Handelsblatt vergab.
Doch die Zeiten sind und bleiben schwierig für die Fondsbranche. Die Schuldenkrise in Europa ist noch nicht ausgestanden. Private Anleger sind nach wie vor vorsichtig nach den bitteren Erfahrungen des vergangenen Börsenjahres, als der Wert ihrer Depots deutlich gesunken war. Vorerst bleiben nur die institutionellen Investoren als Stütze der Branche.
Doch allzu viel Trübsinn mag nicht aufkommen im Radisson Blue; der rasante Anstieg der Aktienkurse zuletzt macht Hoffnung auf dauerhaft bessere Stimmung – auch bei den Privatanlegern. Außerdem sind die Branchenbesten zusammengekommen, um ihren Erfolg im schwierigen Jahr 2011 zu feiern.
Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.
Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.
Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.
Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.
Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.
Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.
Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.
Genau darauf will auch Werner Hedrich, Deutschland-Chef bei Morningstar, hinaus. „Wer im extremen Börsen-Jojo der vergangenen Jahre nicht die Nerven verlor, sondern Mehrwert für seine Kunden schaffte, hat seine Klasse unter Beweis gestellt“, sagt er. Wer die Marktbewegungen am besten im Sinne seiner Anleger nutzen konnte, den küren die „Morningstar Fund Awards 2012“, die wichtigste Auszeichnung für die Fondsbranche in Deutschland.
Die Fondsgesellschaft des Abends heißt Threadneedle. Die Briten setzen sich für die Awards vor allem mit ihren Aktienfonds in Szene. Die Produkte für US-Dividendentitel, europäische Werte oder britische Aktien liegen ganz vorn in den Rennlisten. Die Aktienseite ist traditionell die Stärke des Geldverwalters von der Insel, der seit Jahren bei den Morningstar-Awards erfolgreich ist.
In diesem Jahr aber räumen die Briten richtig ab: Auch mit ihren Anleihefonds liegen sie vorn. Resultat: Die Gesellschaft gewinnt nicht nur den Preis für das beste große Aktienhaus, sondern auch den wichtigsten Award der Branche: die Auszeichnung für das beste Haus über alle Anlageklassen hinweg.
Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.
Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.
Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.
Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.
Ein weiterer Spezialist, der bekannt ist für exzellente aktiv, also fernab von Börsenindizes gemanagte Aktienfonds, ist die australische Fondsgesellschaft First State. Der Experte für die Anlageregion Asien und Rohstoffe bekommt in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge den Award für das beste kleine Aktienhaus. Um diese Anlageklasse hat sich die Boutique bislang auch vorrangig gekümmert.
Jetzt entdecken die Australier zunehmend den Bondbereich und wollen mit Schwellenländeranleihen auftrumpfen – womit sie neben Aktien aus den aufstrebenden Volkswirtschaften ein weiteres Trendthema der Branche besetzen. Ein Teil des Managementteams sitzt in Asien; diese regionale Nähe sieht Natalia Wolfstetter, Leiterin Fondsresearch bei Morningstar, als Vorteil. Die Fondsmanager gelten als relativ konservativ, sie gehen mit Verlustrisiken sorgsamer um als viele Konkurrenten, jagen nicht um jeden Preis dem allerletzten Renditepunkt hinterher. Das hat sich vor allem im Krisenjahr 2008 ausgezahlt.

Ein sehr hilfreicher Artikel. Hat mir sehr bei meinen Schularbeiten geholfen. =)felix.






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