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Anleger in Not: Schiffsfonds verlieren Millionen

Investoren in der Schiffsfracht-Branche brauchen derzeit starke Nerven: Weil die Schiffe oft nicht mal ihre Betriebskosten decken konnten, fuhren viele Fonds in die Pleite. Die Anleger stehen vor Millionenverlusten.

von Jürgen Dobert und Monika Müller
Frachter bei Nacht: Durch Dumpingmieten spielen die Ozeanriesen ihre Kosten oft nicht ein. Quelle: dpa
Frachter bei Nacht: Durch Dumpingmieten spielen die Ozeanriesen ihre Kosten oft nicht ein. Quelle: dpa

HamburgDie Probleme notleidender Schiffsbeteiligungen spitzen sich zu. Hunderte Fondsgesellschaften sind überschuldet. Erneute Einbrüche der Schiffsmieten (Charterraten) lassen viele Sanierungskonzepte platzen. Banken versuchen sich von notleidenden Schiffskrediten zu befreien. Fast 40 Schiffsgesellschaften mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro fuhren bereits in die Pleite. Sie hatten Anlegergeld in Höhe von knapp 200 Millionen Euro an Bord. Längst sind die Fondshäuser nicht mehr allein Herr der Lage: „Wir sind alle Getriebene“, stellt Torsten Teichert, Chef des Anbieters Lloyd Fonds fest.

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Durch Notverkäufe und den Wertverfall der Schiffe laufen weitere hohe Verluste auf. Jüngstes Pleite-Beispiel ist der fast 114 Millionen Euro schwere DS-Rendite-Fonds Nr. 111 vom Anbieter Dr. Peters aus Dortmund. Privatanleger hatten ihm Einlagen in Höhe von rund 45 Millionen Euro anvertraut. Fünf Jahre lang verdienten die beiden Rohöltanker DS Performer und DS Power mit 110 000 Tonnen Kapazität ihr Geld. Doch in der Krise erwiesen sich die im Prospekt vorgerechneten Tagesmieten von 24 000 Dollar pro Schiff als Mondpreise.

Mitte 2010 ließen sich die Tanker nur noch zu etwa einem Fünftel davon verchartern. Das reichte nicht einmal für die Betriebskosten und somit erst recht nicht für die Bedienung der Schulden. Nach gescheiterten Sanierungsversuchen stellten die Commerzbank und Nordea Bank schließlich die Kredite fällig. Bei der anstehenden Zwangsverwertung droht den Anlegern nun der Totalverlust. Die beiden Tanker, die 2005 für über 121 Millionen Dollar erworben wurden, haben derzeit nur noch einen geschätzten Marktwert von circa 32 Millionen Dollar. Allein die Bankschulden sind fast doppelt so hoch.

Kein Einzelfall, sagt Dr.Peters-Chef Jürgen Salamon: „Nach Branchenschätzungen sind etwa 150 Schiffe in einer vergleichbaren Situation.“ Der dramatische Preisverfall macht auch vor Container- und Massengutschiffen nicht halt (siehe Grafik). Auch für diese beiden Segmente gilt: Häufig decken die Mieteinnahmen nicht einmal die Betriebskosten.

Die Ursache sind hohe Überkapazitäten an Schiffstonnage, die trotz boomenden Seehandels Charterraten und Schiffswerte in den Keller rauschen ließen. „Der Verdrängungswettbewerb unter den Reedern führt zu ruinösen Charterraten“, beobachtet Michael Rathmann, der seit vielen Jahren Schiffsfonds vertriebt und in Anlegerbeiräten mehrerer Fonds sitzt.

Schiffsfonds in Schieflage

Welche Schiffe seit 2009 insolvent gingen

  • Dr. Peters

    Schiffsnamen: DS Power, DS Performer

    Anlegerkapital: 46,4 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 115,7 Mio. Euro

  • GHF

    Schiffsnamen: Global Helios, Global Hermes, Global Hera, Global Hestia, Global Hemera, Euro Discovery

    Anlegerkapital: 24,0 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 81,0 Mio. Euro

  • FAFA Capital (insolvent)

    Schiffsnamen: Charline, Corinne, W-O Aviva, W-O Mogba, W-O Mahalo, W-O Mubarik

    Anlegerkapital: 28,0 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 78,0 Mio. Euro

  • Embdena

    Schiffsnamen: Adele C, Hannes C, Carl C, Jamina, John Mitchell, Lilly Mitchell

    Anlegerkapital: 22,6 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 52,7 Mio. Euro

  • Krögerwerft

    Schiffsnamen: Betsy, Heike, Henny, Ute

    Anlegerkapital: 18,4 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 44,3 Mio. Euro

  • KGAL

    Schiffsnamen: Ievoli Splendor

    Anlegerkapital: 11,7 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 38,5 Mio. Euro

  • HCI Capital

    Schiffsnamen: MarCatania

    Anlegerkapital: 12,8 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 35,9 Mio. Euro

  • Ownership

    Schiffsnamen: K-Spirit, K-Wind

    Anlegerkapital: 9,7 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 23,1 Mio. Euro

  • Elbe Emissionshaus

    Schiffsnamen: Lehman Trader, Lehman Forester

    Anlegerkapital: 11,2 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 20,1 Mio. Euro

  • United Investors

    Schiffsnamen: Magdalena

    Anlegerkapital: 5,0 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 15,7 Mio. Euro

  • Navalis Invest

    Schiffsnamen: Petuja

    Anlegerkapital: 3,6 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 11,4 Mio. Euro

  • Castor Kapital

    Schiffsnamen: List

    Anlegerkapital: 4,0 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 10,1 Mio. Euro

  • Meerwert/Werse

    Schiffsnamen: WB Indic

    Anlegerkapital: 1,5 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 7,6 Mio. Euro

  • Gesamt

    Anlegerkapital: 198,9 Mio. Euro

    Investitionsvolumen: 534,1 Mio. Euro

    Quelle: dobert+partner

Fondshäuser, Reeder und Banken hatten aus Gewinnstreben zu viele Schiffe in den Markt gedrückt und eine gewaltige Blase erzeugt. Den Schaden haben nun die Anleger, deren Geld in etwa 2500 deutschen Handelsschiffen steckt. Viele ihrer Fonds sitzen auf dem Trockenen, können seit rund zwei Jahren weder Bankschulden bedienen noch das Anlegerkapital prospektgemäß zurückführen. Noch vor einem Jahr lobten Emissionshäuser und Reeder auf dem Schiffsfinanziererkongress „Hansa-Forum“ das partnerschaftliche Verhalten der Banken in der Krise. Doch die fahren inzwischen einen härteren Kurs. „Die Banken fordern nachhaltiger Sanierungsbeiträge der Anleger“, berichtet Rathmann. Bei manchen Fonds geschehe dies schon zum zweiten Mal, ergänzt er.

  • 24.11.2011, 01:01 UhrAnonymer Benutzer: Eselemaier

    Alle ksb Pumpen-Stiftung gehabt.

  • 18.11.2011, 12:38 UhrAnonymer Benutzer: Don

    Vielen Dank für die Übersicht der bereits eingetretenen Insolvenzen im Schifffahrtsbereich. Zusätzlich müsste noch die (sehr mysteriöse) Pleite der MS >MCP Altona< GmbH & Co. KG, initiiert duch die TRITON Shipholding GmbH & Co. KG (ebenfalls insolvent), aufgenommen werden. Dieser in der Spitze des Booms 2007 aufgelegte Fonds musste lehrbuchhaft auch als erstes wieder die Tore schließen. Auch wäre es gut, wenn Sie bzgl. des sogenanten "Preiskriegs" auch die Situation vor der Krise darstellen würden, die insb. durch Preiskartellbildung in der intern. Seeschiffahrt geprägt war. Diese Kartelle der großen Reeder scheinen nicht mehr aufrecht zu halten sein, so dass auch hier die geforderte Allokationsfunktion der Marktwirtschaft (wieder) zu ihrem Recht kommt. Finanzierungen/Anlagen in dem grauen Kapitalmarkt waren und sind nun einmal Investitionen des dummen Geldes.

  • 17.11.2011, 18:24 UhrAnonymer Benutzer: Geisteskranke

    Das die Schifffonds pleite gehen ist klar, die HSH-Nordbank u. die Schifffahrtsbank müssen alle Darlehen zurückfordern. Dr.Peters hat noch schöne Flugzeugfonds die er jetzt allen Schifffondsanleger anbietet, um weitere Totalverluste zu erleiden.

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