
HamburgDie Probleme notleidender Schiffsbeteiligungen spitzen sich zu. Hunderte Fondsgesellschaften sind überschuldet. Erneute Einbrüche der Schiffsmieten (Charterraten) lassen viele Sanierungskonzepte platzen. Banken versuchen sich von notleidenden Schiffskrediten zu befreien. Fast 40 Schiffsgesellschaften mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro fuhren bereits in die Pleite. Sie hatten Anlegergeld in Höhe von knapp 200 Millionen Euro an Bord. Längst sind die Fondshäuser nicht mehr allein Herr der Lage: „Wir sind alle Getriebene“, stellt Torsten Teichert, Chef des Anbieters Lloyd Fonds fest.
Durch Notverkäufe und den Wertverfall der Schiffe laufen weitere hohe Verluste auf. Jüngstes Pleite-Beispiel ist der fast 114 Millionen Euro schwere DS-Rendite-Fonds Nr. 111 vom Anbieter Dr. Peters aus Dortmund. Privatanleger hatten ihm Einlagen in Höhe von rund 45 Millionen Euro anvertraut. Fünf Jahre lang verdienten die beiden Rohöltanker DS Performer und DS Power mit 110 000 Tonnen Kapazität ihr Geld. Doch in der Krise erwiesen sich die im Prospekt vorgerechneten Tagesmieten von 24 000 Dollar pro Schiff als Mondpreise.
Mitte 2010 ließen sich die Tanker nur noch zu etwa einem Fünftel davon verchartern. Das reichte nicht einmal für die Betriebskosten und somit erst recht nicht für die Bedienung der Schulden. Nach gescheiterten Sanierungsversuchen stellten die Commerzbank und Nordea Bank schließlich die Kredite fällig. Bei der anstehenden Zwangsverwertung droht den Anlegern nun der Totalverlust. Die beiden Tanker, die 2005 für über 121 Millionen Dollar erworben wurden, haben derzeit nur noch einen geschätzten Marktwert von circa 32 Millionen Dollar. Allein die Bankschulden sind fast doppelt so hoch.
Kein Einzelfall, sagt Dr.Peters-Chef Jürgen Salamon: „Nach Branchenschätzungen sind etwa 150 Schiffe in einer vergleichbaren Situation.“ Der dramatische Preisverfall macht auch vor Container- und Massengutschiffen nicht halt (siehe Grafik). Auch für diese beiden Segmente gilt: Häufig decken die Mieteinnahmen nicht einmal die Betriebskosten.
Die Ursache sind hohe Überkapazitäten an Schiffstonnage, die trotz boomenden Seehandels Charterraten und Schiffswerte in den Keller rauschen ließen. „Der Verdrängungswettbewerb unter den Reedern führt zu ruinösen Charterraten“, beobachtet Michael Rathmann, der seit vielen Jahren Schiffsfonds vertriebt und in Anlegerbeiräten mehrerer Fonds sitzt.
Schiffsfonds in Schieflage
Schiffsnamen: DS Power, DS Performer
Anlegerkapital: 46,4 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 115,7 Mio. Euro
Schiffsnamen: Global Helios, Global Hermes, Global Hera, Global Hestia, Global Hemera, Euro Discovery
Anlegerkapital: 24,0 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 81,0 Mio. Euro
Schiffsnamen: Charline, Corinne, W-O Aviva, W-O Mogba, W-O Mahalo, W-O Mubarik
Anlegerkapital: 28,0 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 78,0 Mio. Euro
Schiffsnamen: Adele C, Hannes C, Carl C, Jamina, John Mitchell, Lilly Mitchell
Anlegerkapital: 22,6 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 52,7 Mio. Euro
Schiffsnamen: Betsy, Heike, Henny, Ute
Anlegerkapital: 18,4 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 44,3 Mio. Euro
Schiffsnamen: Ievoli Splendor
Anlegerkapital: 11,7 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 38,5 Mio. Euro
Schiffsnamen: MarCatania
Anlegerkapital: 12,8 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 35,9 Mio. Euro
Schiffsnamen: K-Spirit, K-Wind
Anlegerkapital: 9,7 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 23,1 Mio. Euro
Schiffsnamen: Lehman Trader, Lehman Forester
Anlegerkapital: 11,2 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 20,1 Mio. Euro
Schiffsnamen: Magdalena
Anlegerkapital: 5,0 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 15,7 Mio. Euro
Schiffsnamen: Petuja
Anlegerkapital: 3,6 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 11,4 Mio. Euro
Schiffsnamen: List
Anlegerkapital: 4,0 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 10,1 Mio. Euro
Schiffsnamen: WB Indic
Anlegerkapital: 1,5 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 7,6 Mio. Euro
Anlegerkapital: 198,9 Mio. Euro
Investitionsvolumen: 534,1 Mio. Euro
Quelle: dobert+partner
Fondshäuser, Reeder und Banken hatten aus Gewinnstreben zu viele Schiffe in den Markt gedrückt und eine gewaltige Blase erzeugt. Den Schaden haben nun die Anleger, deren Geld in etwa 2500 deutschen Handelsschiffen steckt. Viele ihrer Fonds sitzen auf dem Trockenen, können seit rund zwei Jahren weder Bankschulden bedienen noch das Anlegerkapital prospektgemäß zurückführen. Noch vor einem Jahr lobten Emissionshäuser und Reeder auf dem Schiffsfinanziererkongress „Hansa-Forum“ das partnerschaftliche Verhalten der Banken in der Krise. Doch die fahren inzwischen einen härteren Kurs. „Die Banken fordern nachhaltiger Sanierungsbeiträge der Anleger“, berichtet Rathmann. Bei manchen Fonds geschehe dies schon zum zweiten Mal, ergänzt er.
Vielen Dank für die Übersicht der bereits eingetretenen Insolvenzen im Schifffahrtsbereich. Zusätzlich müsste noch die (sehr mysteriöse) Pleite der MS >MCP Altona< GmbH & Co. KG, initiiert duch die TRITON Shipholding GmbH & Co. KG (ebenfalls insolvent), aufgenommen werden. Dieser in der Spitze des Booms 2007 aufgelegte Fonds musste lehrbuchhaft auch als erstes wieder die Tore schließen. Auch wäre es gut, wenn Sie bzgl. des sogenanten "Preiskriegs" auch die Situation vor der Krise darstellen würden, die insb. durch Preiskartellbildung in der intern. Seeschiffahrt geprägt war. Diese Kartelle der großen Reeder scheinen nicht mehr aufrecht zu halten sein, so dass auch hier die geforderte Allokationsfunktion der Marktwirtschaft (wieder) zu ihrem Recht kommt. Finanzierungen/Anlagen in dem grauen Kapitalmarkt waren und sind nun einmal Investitionen des dummen Geldes.
Das die Schifffonds pleite gehen ist klar, die HSH-Nordbank u. die Schifffahrtsbank müssen alle Darlehen zurückfordern. Dr.Peters hat noch schöne Flugzeugfonds die er jetzt allen Schifffondsanleger anbietet, um weitere Totalverluste zu erleiden.





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