
DÜSSELDORF. Die monatelange Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert jetzt auch personelle Opfer. Bärbel Schomberg (58) ist nicht länger Degi-Chefin. Seit längerem war über die Ablösung der profilierten Immobilienfondsmanagerin spekuliert worden. Gestern teilte die britische Investmentgesellschaft Aberdeen mit, dass Schomberg und ihr Geschäftsführungskollege Malcolm Morgan, ihre Funktionen als Geschäftsführer der Aberdeen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) "aus persönlichen Gründen niederlegen". Die Aberdeen KAG ist Verwalterin der Degi-Fonds Schomberg scheidet zudem aus dem Vorstand der Aberdeen Deutschland AG, der Muttergesellschaft der KAG aus.
Seit Wochen gärt es bei der deutschen Aberdeen. Die britische Mutter habe auf Konsequenzen gedrungen, nachdem seit Monaten 3,6 Mrd. Euro Anlegergelder in zwei Degi-Publikumsfonds feststecken, berichten Beobachter. Darüber hinaus gelang es Schomberg nicht, einen schlagkräftigen Vertrieb für die aufzubauen, nachdem die Commerzbank den wichtigsten Vertrieb für die die Dresdner Bank, übernommen hatte. Die hatten früher zur Dresdner gehört, bis Aberdeen sie übernahm.
Neuer KAG-Chef wird Michael Determann, derzeit unter anderem verantwortlich für das Rechnungswesen. Den KAG-Vorstand ergänzen Roger Welz, der neu berufene Fabian Klingler sowie Hartmut Leser, teilte Aberdeen gestern mit. Leser wiederum löst als Chef von Aberdeen Deutschland Patrick Walker ab. Walker leitet das Ressort European Business Development bei Aberdeen und wird nun wieder ausschließlich in London, am Sitz der Konzernmutter tätig sein.
Mit der ausgebildete Rechtspflegerin Schomberg geht eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Immobilienfondsbranche. Sie hatte ihre Karriere 1978 bei der Immobilienfondsgesellschaft Degi gestartet und war dort bis zu ihrem Weggang 1992 zur Prokuristin aufgestiegen. Nach Stationen bei den Wettbewerbern SEB Immoblien-Investment und Commerz Grundbesitz kehrte Schomberg im Dezember 2003 als Vorsitzende der Geschäftsführung zurück.
Zu ihren größten Erfolgen zählt die Bereinigung des Portfolios des Degi Grundwert Fonds (heute: Degi Europa) um ältere und kleine Objekte: Im Mai 2007, gerade als die Finanzmarktkrise hereinbrach, fädelte sie den Verkauf eines 2,43 Mrd. Euro schweren Immobilienpakets an einen der von der Investmentbank Goldman Sachs gemanagten Whitehall-Fonds, ein, den sie im August abschloss. Noch heute wird in der Branche hinter vorgehaltener Hand bewundernd erzählt, Schomberg habe ein so hohes Strafgeld für den Fall der Nichterfüllung in den Vertrag schreiben lassen, dass es selbst Whitehall zu teuer war, in der aufkommenden Krise abzuspringen.
Wenige Monate später setzte sie trotz tobender Finanzkrise noch einen obendrauf, indem sie für weitere 600 Mio. Euro Gebäude an die US-Anlagegesellschaft Oaktree und den Co-Investor Colonia Real Estate veräußerte. Ein Jahr später jedoch kam der Rückschlag und die 58-Jährige musste wie andere Konkurrenten aufgrund hoher Mittelabflüsse die Rücknahme von Anteilsscheinen des Degi Europa und des Schwesterprodukts Degi International aussetzen. Ende Januar 2009 wagte sie zwar als erste dessen Wiederöffnung. Im vergangenen November allerdings musste der Fonds nach Nettomittelrückflüssen in Höhe von insgesamt 250 Mio. Euro binnen vier Monaten erneut schließen. Der kleinere Degi Europa hatte die Rücknahmeaussetzung bereits bis 30.10.2010 verlängert.
Bereits im vergangenen Oktober hatte Schomberg ein Verkaufsprogramm zur Verbesserung der Liquidität angekündigt - bislang wurde ein Objekt in London veräußert. Abwertungen in Höhe von knapp 22 Prozent bei einem offenen Immobilienfonds für institutionelle Anleger, dem Degi Global Business, in der vorvergangenen Woche, hatte die Spekulationen über eine Ablösung von Schomberg weiter angeheizt.





