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ETF Kompakt: Die Tücken der Performancemessung

Vertrauen ist gut, regelmäßige Kontrolle ist besser. Das gilt auch für die Performance der eigenen Depotbestandteile. Doch bei Indexfonds gelten einige Besonderheiten.

Performancemessungen bei ETFs sind für Anleger vor allem aus zwei Gründen wichtig: Erstens um zu prüfen, ob ein Indexfonds sein Ziel erreicht hat. Das Ziel eines passiven Indexfonds ist dabei im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds eindimensional. Definitionsgemäß liegt es ausschließlich darin, die Entwicklung seiner Benchmark innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglichst exakt nachzubilden. Zweitensumverlässliche Renditekennzahlen zu ermitteln und zu vergleichen, wie sich der ETF im Verhältnis zu alternativen Anlagen - beispielsweise konkurrierenden Indexfonds - geschlagen hat.

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Schnell aufgedeckt: Abweichungen zur Benchmark

Im ersten Fall ist die Prüfung relativ unproblematisch. Als Messinstrument dient der sogenannte "Tracking Error". Hierbei handelt es sich um eine Kennzahl aus der Finanzmathematik, die die Standardabweichung (Volatilität) zwischen der Fonds-Performance und der Benchmarkrendite darstellt. Je höher diese Kennzahl ausfällt, desto mehr weicht der ETF von seinem Vergleichsindex ab. Die Kosten des Fonds sind einer von zwei Hauptgründen für mögliche Performanceabweichungen. Bei ETFs sind es in erster Linie Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten, die durch Positionskäufe und-verkäufe innerhalb des Fonds entstehen. Der zweite Grund: In Indizes kann nicht unmittelbar investiert werden. Daher replizieren ETF-Anbieter Indizes auf eine von drei Arten: erstens mit allen dem abzubildenden Index zugrunde liegenden Werten ("Full Replication"). Die Abweichung vom Basiswert ist dabei gering, die Umsetzung im Gegenzug aber eher teuer. Zweitens wird die Entwicklung eines Basiswerts mit einer Stichprobe aus der Grundgesamtheit ("Sample Replication") nachgebildet. Diese Methode ist entsprechend anfälliger für Tracking Errors. Drittens werden Indizes synthetisch nachgebildet. Hierbei wird das Fondsvermögen in einen Anlagekorb investiert der eine möglichst hohe Korrelation zum Index aufweist, aber nicht notwendigerweise dieselben Titel umfasst.

Um die genaue Abbildung zu gewährleisten, tauscht der ETF-Anbieter mit einem Swap-Partner die Performance des Aktienkorbs gegen diejenige des Referenzindex. Vorteil dieser Replikationsmethode ist eine geringe Abweichung trotz niedriger Kosten und dass auch nicht-physische Basiswerte nachgebildet werden können.

Fehleranfällige Ansichtssache: Die "richtige" Rendite

Problematischer sind Performance-Messungen dagegen im zweiten Anwendungsfall, wenn es darum geht, die Rendite eines ETFs zu ermitteln und diese methodisch korrekt mit konkurrierenden Anlageprodukten zu vergleichen. Viele Privatanleger kennen das Phänomen: Je nachdem welche Datenbank genutzt wird, kommt es zu teilweise völlig unterschiedlichen Prüfergebnissen. Dabei scheint die Lösung auf den ersten Blick naheliegend zu sein: Man nehme tägliche Schlusskurse eines Indexfonds, messe daran seine Wertentwicklung und vergleiche diese gegebenenfalls mit den Schlusskursen eines alternativen Produkts. Doch so simpel ist die Lösung nicht immer. Denn trotz unterschiedlicher Renditeergebnisse muss in keinem Fall zwangsläufig eine Falschberechnung vorliegen. So existieren bei den Berechnungsmethoden zur Ermittlung der Rendite eines ETFs verschiedene Ansätze. Jede Methode ist aber nur für bestimmte Betrachtungen geeignet.

Als Standard zur Performancemessung für Fonds in Deutschland hat sich die sogenannte BVI-Methode etabliert. Das Verfahren wurde vom Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften entwickelt und unterstellt unter anderem eine unverzügliche Wiederanlage der Ausschüttungen und abgeführten Steuern durch den Fondseigentümer zum gültigen Fondspreis. Erst hierdurch werden sinnvolle Vergleiche zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fondsvarianten ermöglicht. Außerdem werden bei dieser Methode all jene Kosten, die auf Fondsebene entstehen (z.B. Transaktionskosten) bei der Berechnung berücksichtigt, und jene Kosten, die auf der Anlegerseite entstehen (Depotgebühren ect.), bleiben außen vor. Der Grund: Würde man diese Kostenfaktoren einbeziehen, wären die erzielten Ergebnisse lediglich auf den einzelnen Anleger bezogen gültig und daher auch nicht miteinander vergleichbar.

Neben der Vielzahl unterschiedlicher Berechnungsverfahren zur Performancermittlung, führen unterschiedliche Datenbestände der zugrundeliegenden Datenbanken und nicht einheitliche Datenintervalle in der Praxis immer wieder zu Abweichungen. Beispiele: Der Bezugszeitpunkt des Schlusskurses - Obwohl die ETF-Handelsplätze prinzipiell für alle Fonds gleich lang geöffnet haben, liegen die Schlusskurse aber mitunter mehrere Minuten auseinander, in denen unter Umständen viel passieren kann. Zeitzonenverschiebungen-Wenn ETFs auf asiatische Indizes in Europa gehandelt werden, haben die dortigen Börsen teilweise bereits mehrere Stunden geschlossen. In den ETF-Kursen sind folglich bereits Erwartungen für den kommenden Tag eingepreist. Währungsverschiebungen - Bei Produkten, die auf Indizes basieren, die in Fremdwährungen notieren, können Wechselkurse verschiedener Uhrzeiten verwendet werden. Das verzerrt die in Euro umgerechneten Kurse.

Relativ wenige dieser Fehler entstehen, wenn für eine Performance-Berechnung der Netto-Inventarwert (NAV) der ETFs verwendet wird. Er wird einmal am Tag ermittelt und orientiert sich bei aktienbasierten Indexfonds an den Schlusskursen der im Index enthaltenen Werte. Der Nettoinventarwert entspricht dabei stets dem Wert sämtlicher Anlagen in dem Fonds. Der NAV pro Anteil eines Investmentfonds bildet daher meist auch den aktuellen Rücknahmepreis.

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