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ETFs: Indexfonds – der Wolf im Schafspelz?

Auf den ersten Blick erscheinen sie harmlos, ein perfektes Produkt: einfach, transparent, flexibel. Doch Kritiker fürchten, Indexfonds könnten das Finanzsystem ins Wanken bringen. Wie gefährlich sind Indexfonds wirklich?

Ein Lamm an der Nordseeküste Quelle: dapd
Ein Lamm an der Nordseeküste Quelle: dapd

DüsseldorfNach den institutionellen Investoren entdecken immer mehr Privatanleger börsengehandelte Indexfonds. Im vergangenen Jahr zahlten sie in Deutschland erstmals mehr in die sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs) ein als in klassische, aktiv gemanagte Fonds. Mehr als 800 ETFs sind mittlerweile an der Frankfurter Börse gelistet, weltweit sind es drei Mal so viele. Sie bilden die Entwicklung eines Börsenindex nahezu eins zu eins ab, gelten als transparent, sind leicht handelbar und im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds günstig.

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Klingt nach einem perfekten Produkt, dennoch schlugen renommierte Institutionen wie der Weltwährungsfonds (IWF) in den vergangenen Monaten Alarm. Die angeblich so einfachen und transparenten Produkte seien gefährlich – nicht nur für Anleger sondern auch für die Finanzmärkte.

ETF

 „Der Boom bei Indexfonds weckt Erinnerungen daran, was sich auf dem Verbriefungsmarkt vor der Finanzkrise abspielte“, warnte der italienische Notenbankchef Mario Draghi auf der Frühjahrestagung des IWF in Washington. Sein Wort hat Gewicht, denn der künftige  EZB-Chef leitet auch das Financial Stability Board (FSB). In dem Baseler Gremium sitzen hochrangige Vertreter der wichtigsten Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzministerien. In einer Studie kamen die Experten zu dem Urteil, dass Indexfonds die Stabilität des internationalen Finanzsystems gefährlich ins Wanken bringen könnten.

Neben dem FSB und dem IWF teilt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Zentralbank der Zentralbanken, diese Kritik. Und auch die Bank of England hat wiederholt gemahnt, dass bestimmte ETFs wegen ihrer Komplexität nicht für Privatanleger geeignet sind. „Wenn Finanzinstrumente unverständlich werden und ein Markt eine Größe erreicht, die sogar die Stabilität des Systems gefährden kann, dann sollten sich die Aufseher darum kümmern“, hatte der britische Notenbanker Paul Tucker im Mai gewarnt.

Sind ETFs also doch nicht so vertrauenswürdig, wie gedacht? Die Branche kämpft um ihren guten Ruf, bemüht sich um Aufklärung und will die Warnungen entkräften. „Die Warnhinweise kamen von angesehenen Institutionen wie IWF und BIZ, das sorgt natürlich für einige Aufruhr“, sagt Marc Bubeck vom Indexfonds-Anbieter iShares. „Die Kritik der vergangenen Woche war aber teilweise etwas undifferenziert.“

Hauptkritikpunkt der Aufseher: In ETFs steckt häufig nicht das drin, was draufsteht. Das Fondsvermögen besteht oft aus Wertpapieren, die nichts oder nur sehr wenig mit dem abgebildeten Index zu tun haben. So können beispielsweise in einem ETF auf den deutschen Standardwerteindex Dax europäische Blue-Chips oder asiatische Aktien stecken, in einem Renten-ETF könnten Aktien statt Anleihen schlummern.

Drei Methoden, einen Index abzubilden

  • Full Replication

    „Full replication“ heißt übersetzt volle Nachbildung. Bei der Methode steckt das Vermögen des ETFs in den Aktien des zugrundeliegenden Index – und zwar entsprechend der Gewichtung der Aktien im Index. Das heißt, das Börsenbarometer wird eins zu eins nachgebildet.

  • Optimised Sampling

    Diese selektive Teilnahme bedeutet, dass der ETF einige aber nicht alle Aktien eines Index erwirbt. So bildet er den Index näherungsweise ab. Dieses Verfahren wird – häufig aus Kostengründen – vor allem bei Indizes verwendet, in denen besonders viele Aktien notiert sind.

  • Swap

    Bei Swap-ETFs (Swap = Tausch) wird das Fondsvermögen in Wertpapiere, beispielsweise Aktien oder Anleihen, investiert. Zusätzlich zu diesem Basisportfolio wird mit einer Bank ein sogenannter Swap abgeschlossen. Der ETF-Anbieter tauscht so die Wertentwicklung des Basisportfolios gegen die Performance des abzubildenden Index. Die Kombination aus Basisportfolio und Swap stellt sicher, dass der ETF die Wertentwicklung des jeweiligen Index möglichst exakt nachvollzieht.

Möglich ist das, weil die Anbieter den Index nicht eins zu eins abbilden sondern synthetisch nachbauen. „Swap-basiert“ nennt sich das im Fachjargon. Das Fondsvermögen wird dabei in beliebige Aktien oder Anleihen investiert. Bei Comstage etwa ist das stets ein Basisportfolio aus 27 europäischen Blue Chips – unabhängig davon, welchen Index der ETF abbildet. Zusätzlich wird mit einer Bank, in diesem Fall mit der Konzernmutter Commerzbank, ein sogenannter Swap (Tausch) abgeschlossen. Die Wertentwicklung des Basisportfolios wird gegen die Wertentwicklung des abzubildenden Index getauscht. Die Kombination aus Basisportfolio und Swap stellt sicher, dass der Indexfonds die Entwicklung des jeweiligen Index möglichst exakt nachvollzieht. 

Experten beanstanden bei dieser Konstruktion, dass die ETFs nur scheinbar einfach sind.  „Die Swap-Konstruktionen sind für Privatanleger nur schwer zu verstehen, weil sie sehr komplex sind“, sagt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Experte für Anlageprodukte. Ein Kritikpunkt, den die Emittenten zumindest teilweise gelten lassen. „Die Konstruktion ist ein wenig komplizierter als volle Replikation, dafür hat sie aber einige Vorteile“, sagt Thomas Meyer zu Drewer von Comstage. Swap-basierte Indexfonds seien nicht nur günstiger, sondern würden die Kursentwicklung des Index auch genauer abbilden. Fast die Hälfte der in Europa gehandelten Produkte sind mittlerweile synthetische ETFs.

Die Aufseher warnten zuletzt, swap-basierte ETFs seien risikoreicher als traditionelle Wertpapierfonds. Die Argumentation: Der Anleger glaubt, sichere Gewinne zu machen (wenn der zugrunde liegende Index steigt). Solange die Tauschgeschäfte glattgehen, stimme das auch. Auch wenn sich die im Fonds gesammelten Papiere viel schlechter als der Index entwickeln, geht die Rechnung noch auf, da der Swap-Partner dem Indexfonds Geld nachschießen muss.

  • 22.09.2011, 16:00 UhrAnonymer Benutzer: Baier

    AIG wäre doch an vielfältig eingegangenen Swaps pleite gegangen, wäre der Staat nicht eingesprungen. Und AIG war der weltgrösste Versicherer? Oder liege ich hier falsch?

  • 27.07.2011, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: cymorn

    Die gängige Praxis der Wertpapierleihe sollte man kritisch sehen. Lassen die Fondshäuser somit nicht Wetten gegen ihre eigene Strategie zu?

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