
DÜSSELDORF. Fünf Jahre nachdem der Fiskus das Steuersparmodell Filmfonds abgewürgt hat, offenbart sich das ganze Desaster dieser Geldanlage für die Anleger: Initiatoren werden wegen Steuerhinterziehung verurteilt, Anbieter und Vermittler werden mit Schadenersatzprozessen überzogen, und mit den Finanzämtern gibt es endlose Grabenkämpfe, denn die lassen eine Steuerkonstruktion nach der anderen platzen. Der Kampf um den Steuervorteil wird inzwischen vor Gericht ausgetragen. Verlieren die Fondsinitiatoren, verlieren die Anleger. Denn ohne den anfänglichen Steuervorteil rechnen sich Filmfonds nicht.
Zwischen 1997 und 2005 haben Deutsche mehr als zwölf Mrd. Euro in Filmfonds gesteckt. Der größte Teil des Geldes floss nach Hollywood. Wer die Fondsprospekte durchblätterte, musste glauben, die Initiatoren gingen bei den Hollywood-Größen ein und aus. Unvergessen Cinerenta-Geschäftsführer Eberhard Kayser, der Anleger damit lockte, dass ein früher von ihm aufgelegter Fonds den mit fünf Oscars prämierten Blockbuster "Kramer gegen Kramer" finanziert habe. Den Cinerenta-Anlegern hat es nicht geholfen. Keiner bekommt nur annähernd zurück, was er eingezahlt hat. Aber in Hollywood war die Begeisterung über die deutschen Fondsinitiatoren riesig. Auf den Gängen der Studios war ironisch vom "silly German money" die Rede.
Von Bedauern keine Spur
Nicht viel besser geht es denen, die statt auf Hollywood auf so genannte Independent-Filmer wie den Horror-Produzenten Uwe Boll setzten. Beim Boll-Fonds Nr. 1 zogen die Gesellschafter selbst die Reißleine. Nach neun Jahren schrieben sie 2008 mehr als 70 Prozent ihrer Einlage in den Wind und liquidierten die KG, bevor deren Ausgaben die Einnahmen überschossen. "Man muss dennoch festhalten, dass die an Sie geleisteten Ausschüttungen höher waren, als bei ca. 70 Prozent der anderen in den letzten zehn Jahren in Deutschland vertriebenen Medienfonds", kommentierte Boll lächerliche 29 Prozent Ausschüttungen an seine Kunden im Geschäftsbericht. Von Bedauern keine Spur, aber ein klarer Hinweis an alle Anleger: Wenn ein Anleger letztendlich sein Geld wieder eingespielt hat, kann er von Glück reden. Wo dies bis heute nicht gelungen ist, sollten sich die Investoren keinen Illusionen hingeben. Filme, die nach drei bis fünf Jahren ihre Kosten nicht eingespielt haben, werden dies danach auch nicht mehr schaffen. Und die fünf Jahre sind vergangen. Im Jahr 2005 knipste die Bundesregierung den Fonds das Licht aus.
Es gehört zu den Binsenweisheiten der Branche, dass die Investments riskant sind. "Filme zu produzieren ist ein Glückspiel", sagt ein langjährige Produzent mit ernster Miene. Er selbst hat mit eigenen Geld viele Millionen bei waghalsigen Kinoprojekten versenkt. Als um den Jahrtausendwende die Berichte über Flops in Hollywood immer größer wurden, ersannen findige Initiatoren die so genannten Garantie-Fonds. Glücklicher werden die Anleger mit denen auch nicht. Wo die Garantien Löcher haben, können die Beteiligten ihre Renditen zum Teil in den Wind schreiben. Was an Rendite übrig bleibt, macht womöglich der Fiskus kaputt.
Viele Deutsche haben einen Gendefekt: Kommt jemand daher und verspricht ihnen eine Steuerersparnis, setzt das Denken aus.
Dabei ist es egal, um was für Modelle es geht. Jetzt waren es Filmfonds, davor mal bauherrenmodelle etc.
Verdient haben immer nur die, die solche Modelle ausknobeln, die banken und die Steuerberater. Die meisten Modelle gingen den bach runter. Nur will das natürlich keiner Wahrhaben. Richtig teuer wird es dann, wenn auch das Finanzamt und schließlich der bFH das Modell nicht anerkennt.
ich habe mit den Leuten, die ihr Geld auf diese Art versenkt haben, kein Mitleid.
Die Hoffnung, dass dies eine Lehre ist, ist dabei leider vergeblich.
Jede Menge Geld für Hollywood (erneut profitieren findige amerikanische Luftnummernverkäufer von dummen Deutschen Geldern, wie zuvor SubPrime), aber kein Geld für deutsche oder europäische Filme.
Es ist erschreckend, wie wenig Produktionen aus Europa stammen, leben hier doch genau so viele Menschen wie in den USA und zudem mit unterschiedlicheren kulturellen Hintergründen.
Aber es fehlt hier einfach an Geld, an Risikokapital. Denn wie mit jeder Kunst: Man muss auch im Film hundert mal üben, bevor man einmal den Treffer landet. Leider ist die Qualität der deutschen Filmstudios und Regisseure meist unterirdisch, es fehlt massiv an Erfahrung dafür ist die Selbstüberheblichkeit grandios.
Wandert aber mal ein Regisseur aus, produziert er in den USA zwar die grösseren Produktionen, aber meist die uninteressanteren Filme (siehe Petersen).





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