
FRANKFURT. Erfolgreiche Fondsgesellschaften wie Pimco, Franklin Templeton oder Carmignac ziehen mit ihren Flaggschiffen immer mehr Milliarden Anlegergeld auf sich. Das hat die Analysefirma Strategic Insight ausgerechnet. "Und die Konzentration steigt", sagt Geschäftsführer Daniel Enskat. Das birgt auch Gefahren. "Wenn sich Investoren zum Verkauf ihrer Anteile entscheiden, kann es eine Rückflusslawine auslösen", sagt Enskat. Kai Wiecking, Research-Leiter bei der Analysefirma FWW, bestätigt: "In solchen Fonds sind viele Investoren, die erst vor kurzer Zeit mit hohen Erwartungen eingestiegen sind und schon bei kleinen Enttäuschungen schnell wieder aussteigen können." Muss dann der Verwalter Bestände zwangsweise liquidieren, kann das der Fondsrendite schaden.
Starkult ist oft Teil der Erfolgsstory beim Einsammeln des Geldes
Laut der Analysefirma haben im vergangenen Jahr 0,5 Prozent aller angebotenen Produkte für längerfristige Anlagen, das heißt ohne Geldmarktfonds, weltweit über 90 Prozent des gesamten investierten Kapitals angezogen. Es geht um Netto-Investments von 850 Milliarden Dollar in rund 70 000 erfasste Fonds mit einem Vermögen von 17,3 Billionen Dollar. Von diesen Nettoanlagen im Neugeschäft entfielen etwa 800 Milliarden Dollar auf lediglich 350 Produkte.
Enskat findet mehrere Gründe für den Trend. "Die Investoren haben nach der Lehman-Pleite, dem Madoff-Betrug und der Finanzkrise mehr Transparenz gefordert", meint er. Das bedeute für Produktverkäufer, dass sie mit weniger Anbietern zusammenarbeiten würden, um eine bessere Übersicht zu behalten.
Das fördert laut Strategic-Insight die Konzentration: "Es fließt mehr Geld zu weniger Anbietern und in weniger Produkte." Dieses "Phänomen der "Blockbuster-Fonds" erkennt er weltweit in allen Regionen. Laut Wiecking "hat die Finanzkrise die Konzentration auf die erfolgreichen Anbieter beschleunigt".
Starkult gehört in vielen Fällen zur Erfolgsgeschichte. Manager mit guten Wertentwicklungen ziehen Kapital an. "Ein solcher Name macht viel aus und wirkt wie ein Geldmagnet", sagt Philipp Prömm, Vorstand der Vertriebsgesellschaft Fundmatrix.
Beim Anleihehaus Pimco gelten die Strategen Bill Gross und Mohamed El-Erian als Könner in ihrem Fach. Die Gesellschaft steuert eine hohe dreistellige Milliardensumme. Ein neuer Star bei Franklin Templeton ist jetzt der Anleihemanager Michael Hasenstab mit knapp dreistelligem Milliardenvolumen. Bei den Franzosen ist es der Firmengründer Edouard Carmignac, der in wenigen Jahren das Anlagekapital vervielfachte und damit die spektakulärste europäische Erfolgsstory schrieb. Alle drei Firmen schaffen es mit Flaggschiffen in die Top Ten der Absatz-Hitliste für 2010.
Fidelity hat eigene Erfahrungen mit massiven Kapitalabzügen
Das Pendel kann aber zurückschlagen. So schnell wie Milliarden in populäre Fonds strömen, so schnell können sie auch wieder abgezogen werden. "Dieses Geld ist nicht loyal", sagt Wiecking. Vor wenigen Jahren traf es Fidelity mit seinem europäischen Aktienfonds, der zunächst von Zuflüssen in Milliardenhöhe profitierte. Dann ging es mit der Wertentwicklung des "European Growth Fund" bergab, der Manager wechselte. Daraufhin stellten Vertriebe den bis dahin favorisierten Fonds auf die Verkaufsliste - Anleger gaben Anteile für viele Milliarden zurück.




