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Fondsbranche: Luxemburg lockt deutsche Fondsanbieter

Luxemburg hat sich in den letzten Jahren zum größten Fondsstandort in Europa entwickelt. Auch deutsche Fondsanbieter zieht es immer stärker in das kleine EU-Land. Dabei spielt Luxemburgs Finanzaufsicht eine große Rolle.

Das kleine Luxemburg hat sich zu einem wahren Fondsriesen entwickelt. Quelle: dpa
Das kleine Luxemburg hat sich zu einem wahren Fondsriesen entwickelt. Quelle: dpa

Mit der Debatte über Steueroasen rückt auch Luxemburg wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Das kleine EU-Land hat sich in den vergangenen Jahren zum größten Fondsstandort in Europa gemausert. Nach Angaben des Branchenverbandes ALFI beläuft sich das dort in Investmentfonds verwaltete Vermögen inzwischen auf fast 2,5 Billionen Euro - zur Jahrtausendwende war es noch weniger als eine Billion.

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Auch deutsche Fondsanbieter zieht es in Scharen dorthin, sie stellen in Luxemburg mittlerweile die zweitgrößte Kundengruppe nach den US-Häusern und noch vor den Schweizern. Insgesamt werden in Luxemburg aufgelegte Fonds in über 70 Ländern vertrieben.

Im Folgenden die wichtigsten Gründe für den rasanten Aufstieg:

Luxemburg hat sehr früh damit begonnen, Standards für Fondsprodukte zu definieren und damit „Marken“ zu schaffen, denen andere Staaten später wenig entgegenzusetzen hatten. Prominentestes Beispiel sind die UCITS-Fonds (Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities). Sie gehen auf eine Richtlinie der EU zurück, die damit europaweit einheitliche Regeln und einen grenzüberschreitenden Vertrieb im Binnenmarkt sicherstellen wollte. Luxemburg preschte mit der Umsetzung voran - viele ausländische Fondsanbieter bekamen dort zuerst ihre Zulassung für UCITS-Produkte.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

  • Keine Finanzhilfe für Griechenland

    „Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
    Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

    Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

  • Keine dauerhaften Rettungsschirme

    „Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
    Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

    Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

  • Kein griechischer Schuldenschnitt

    „Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
    Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

    Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

  • Das Volumen der Rettungsschirme

    „Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
    Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

    Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

  • Keine Haftungsunion

    „Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
    Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

    Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

  • Die Spareinlagen sind sicher

    Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

    Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

  • Nur ein Einzelfall?

    „Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
    Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

    Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Wenn Luxemburg EU-Vorgaben zum Finanzsektor in nationales Recht gießt, dann beschränkt sich das Land in der Regel auf das Minimum, um den eigenen Standort zu stärken. Das gilt umso mehr für die neue EU-Richtlinie für Alternative Investmentfonds-Manager (AIFM), die jetzt auch Hedgefonds, Immobilienfonds und Private-Equity-Fonds einheitlich an die Leine legt und bis zum Sommer von allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss.

Nach Ansicht deutscher Branchenvertreter spielt die luxemburgische Finanzaufsicht eine wichtige Rolle, da sie lange nicht so streng agiere wie die deutsche BaFin: „Die Bafin geht immer erstmal davon aus, dass sie 80 Millionen deutsche Privatkunden vor ausländischen Fondsanbietern schützen muss, die Luxemburger Aufsicht hat diese Schutzbrille so nicht.“

Zur laxen Regulierung kommt die Tatsache, dass in Luxemburg die gesamte Finanzwelt auf engem Raum zusammensitzt, und das in zentraler Lage in Europa: Portfolio-Manager, Banker, Juristen und Unternehmensberater - alle Experten, die man für die Auflage von Fonds braucht. Das kleine Land wird daher von vielen als absolutes Kompetenzzentrum gesehen. Theoretisch würde dies auch für Frankfurt gelten, doch verweisen Branchenkenner darauf, dass Luxemburg insgesamt als verschwiegener wahrgenommen werde.

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