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Hedge-Fonds K1: Wie das System Kiener funktionierte

Der Würzburger Milliardär Helmut Kiener steht unter Betrugsverdacht. Sein Hedge-Fonds K1 soll über 200 Mio. Schaden verursacht haben. Die Opfer sind renommierte Geldhäuser. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. Im schlimmsten Fall drohen Kiener bis zu zehn Jahre Haft.

K1-Chef Helmut Kiener sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor. Foto: PR Quelle: Internet
K1-Chef Helmut Kiener sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor. Foto: PR Quelle: Internet

FRANKFURT. Um sechs Uhr in der Früh klickten die Handschellen, nachmittags um zwei eskortierten Polizisten Helmut Kiener aus seiner Efeu bedeckten Villa in der Yorckstraße in Aschaffenburg zur Kriminalpolizei nach Würzburg. 200 Mio. Euro Schaden soll der Hedge-Fonds-Manager verursacht haben, so die Vorwürfe der Strafverfolger. Sie ermitteln wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue im besonders schweren Fall. Darauf stehen bis zu zehn Jahren Haft.

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Derzeit sitzt der Milliardär, der ein 60 Mio. Euro teures Privatflugzeug am Frankfurter Flughafen sein Eigen nennt und schon zur Privataudienz bei Papst Benedikt war, in Untersuchungshaft. Da wollen ihn seinen Anwälte von der Münchener Kanzlei Lutz Libbertz möglichst schnell wieder herausholen, sie haben Haftbeschwerde angekündigt.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den als umgänglich und freundlich beschriebenen Psychologen wiegen schwer: So soll Kiener erst die Barclays Bank dazu gebracht haben, Schuldverschreibungen zu emittieren und dann das Geld über ein verschachteltes System von Fonds, Unterfonds und Beteiligungsgesellschaft auf den Cayman Inseln, in der Schweiz und im US-Bundesstaat Delaware verschoben haben. Offiziell floss das Geld aus den von Barclays gegründeten Treuhandfonds zum Investmentmanager der Firma X1 Fund Allocation GmbH, das aber wiederum war kein anderer als Kiener. Er kaufte für das Geld Fondsanteile an diversen Fonds mit so exotischen Namen wie Nauticus und Silverback. Investmentmanager des Silverbacks war in letzter Instanz aber wiederum Kiener über seinen Vermögensverwalter Oceanus Asset Management, so die Vorwürfe. Letztlich floss das Kapital - mindestens 100 Mio. Dollar - an die von Kiener gegründeten Hedge-Fonds "K1 Invest" und "K1 Global" mit Sitz auf den britischen Jungferninseln. Weitere Millionen finanzierten Flugzeuge und Hubschrauber und nicht zuletzt zwei Immobilien in Miami, die Kiener selber nutzte zur Pflege seines luxuriösen Lebensstils.

Ein ähnliches Modell soll Kiener mit der französischen Großbank BNP Paribas gefahren haben. Mit ihr schloss er für seine beiden Fonds einen Derivate-Kontrakt. Danach verpflichtete sich die Bank gemeinsam mit den K1-Fonds in einen Korb von Hedge-Fonds zu investieren. Dabei musste BNP viereinhalb mal so viel investieren wie die Kiener-Fonds. Wo angelegt wurde, bestimmte Kiener und leitete das Geld wieder zu seinem Vermögensverwalter Oceanus um. Von dort floss es wieder in die K1-Fonds.

"Das sieht aus wie ein modifiziertes Schneeballsystem", sagt der Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber, als "wundersame Geldvermehrung mit massiven spekulativen Risiken" bezeichnet es Christian Prüßing, Graumarkt-Experte des Branchendienste Kapitalmarkt intern (KMI). Für Anlegerschützer ist Kiener ein alter Bekannter. So warnte KMI bereits 1998 vor Kiener und seinen Methoden.

Nach Informationen aus Finanzkreisen trifft der Fall nicht nur Barclays und BNP Paribas. Betroffen von Kieners Kapitalkarussell sollen außerdem noch JP Morgan und die Société Générale sein. Barclays, BNP Paribas und JP Morgan wollten sich zu dem Fall nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft Würzburg rechnet damit, das sich die Ermittlungen noch über Monate hinziehen.

Helmut Johann Kiener

1959: Helmut Johann Kiener wird am 19. Juni in Wernberg geboren

1980: Nach dem Abitur und dem Militärdienst Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Fulda

1982: Parallel dazu Beginn des Psychologie-studiums an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt

1987: Berufsstart bei der Marktforschungsgesellschaft Cohorten in Offenbach

1990: Kiener macht sich selbständig, arbeitet unter anderem als freier Mitarbeiter für die Agentur Trias

1995: Kiener leitet nach eigenen Angaben einen Multi-Manger Hedge-Fonds mittels seines "semi-automatischen Alloktionssystems"

2001: freiberuflicher Anlageberater

2003: Berater K1 Global Ltd. mit Sitz auf den britischen Jungferninseln

2005: Trading Manager und Fonds Advisor X1 Fund Allocation GmbH

Mitarbeit: Michael Maisch

  • 08.12.2010, 13:32 UhrAnonymer Benutzer: james_tiberius

    Was man Kiener vorwerfen kann, er hat alle späteren Opfer da gepackt, wo die Vernunft aufhört. bei ihrer Gier.
    Es war für ihn als Psychologe offensichtlich ein Leichtes, mit horrenden Provisionsversprechungen, alle ins boot zu holen.
    Alle haben über Jahre tatsächlich prächtig mitverdient. Zusammengebrochen ist das Kartenhaus, als eine bank (barclays) im August 2008 nicht mehr mitspielen wollte und wer bis dahin seine Gewinne nicht in Sicherheit gebracht hat, schaut nun in die Röhre und spielt das Opferlamm.
    Letztlich waren es die banken selbst, die mit ihren Emittierten Zertifikaten sich selbst zwangen, immer wieder Geld in den Korb von Fonds - der ihnen von Kiener vorgegeben wurde - zu pumpen. Ein ganz normaler Vorgang, den man auf Neudeutsch "Hedging" nennt.
    Es wird spannend, den Prozess zu verfolgen, zumal eine neue Dokumentation - auf der basis neuer, bislang unbekannter Dokumente von Dieter Frerichs/Mallorca - angekündigt wurde.
    Wen es interessiert, mehr unter http://www.vsspanien.info/

  • 22.11.2010, 19:26 UhrAnonymer Benutzer: Karl-Heinz Beez

    Die großen läst man laufen, die kleinen werden gehängt!

  • 03.11.2009, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: Angelo Triano

    Herrn Kiener haben wir mehrmals in Zürich bei Thomas Lloyd gesehen! Er machte immer einen seriösen Eindruck, wollte sich aber nicht in seine Karten schauen lassen! Jetzt wissen wir auch warum. Es gibt leider immer wieder Menschen die, wenn sie Geld in die Hand bekommen sich nur noch um sich selber kümmern! „Geld verdirbt nicht den Charakter sonder es zeigt den Charakter“!

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