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Indexfonds für Kupfer: US-Industrie will Rohstoff-Spekulation verhindern

Die Großbank JP-Morgan will einen Fonds auflegen, mit dem Anleger auf Kupfer wetten können. Die US-Industrie nennt den Plan „rücksichtslos und willkürlich“. Dadurch werde der Preis für Kupfer in die Höhe getrieben.

Großbank JP Morgan: Harsche Kritik an neuem ETF. Quelle: AFP
Großbank JP Morgan: Harsche Kritik an neuem ETF. Quelle: AFP

New YorkDie amerikanische Industrie will den börsennotierten Indexfonds (ETF) auf Kupfer der US-Großbank JP Morgan verhindern. Die im Dezember erteilte Zulassung für den ETF durch die US-Börsenaufsicht SEC sei "rücksichtslos und willkürlich", hieß es in dem Brief eines Konsortiums vom 9. Januar, das nach eigenen Angaben die Hälfte der Kupferverbraucher der USA repräsentiert. Die Interessengemeinschaft forderte die SEC auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen. Die Behörde habe nicht ausreichend dargelegt, dass der Kupfer-ETF keinen Einfluss auf Nachfrage und Preise am Kupfermarkt habe. Der Widerstand der Industrie könnte den Start des ETFs weiter verzögern und zu einer Klage führen.

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JP Morgan hatte Ende 2010 erstmals angekündigt, einen physisch besicherten Kupfer-ETF, der Kupferbarren im Portfolio hält, auflegen zu wollen. Rohstoff-Analysten, Kupferverbraucher und -händler argumentieren, dass der ETF bei starkem Interesse der Investoren Kupfer kaufen müsse, um das Kapital der Anleger in das Metall zu investieren. Dies könnte den Preis nach oben treiben. Sollten die Investoren plötzlich ihr Interesse an Kupfer verlieren und ihre ETF-Anteile verkaufen, könnte dies einen plötzlichen Preissturz auslösen. Befürworter halten dagegen, dass der Portfoliobestand des Fonds nur einen Bruchteil der weltweiten Kupfervorkommen ausmachen dürfte.

Der Rechtsanwalt des Konsortiums, Robert Bernstein von Eaton & Van Winkle LLP, hat bis zum 18. Februar Zeit, die Sache vor ein Bundesberufungsgericht zu bringen, falls die SEC die Einwände zurückweisen sollte. JP Morgan wollte sich zu der Sache nicht äußern.

ETF

Aus einem Bericht der SEC geht hervor, dass die Rohstoffchefin von JP Morgan, Blythe Masters, sich am 6. Dezember mit der scheidenden SEC-Vorsitzenden Mary Schapiro und ihrem Nachfolger Elisse Walter getroffen hatte. Eine Woche später gab die SEC grünes Licht für den Kupfer-ETF der Bank. Anwalt Bernstein nannte das Treffen von Masters mit den SEC-Vertretern "sehr verstörend".

Masters baute das zuvor kaum vorhandene Rohstoff-Geschäft von JP Morgan innerhalb von fünf Jahren auf. Unter ihrer Ägide kaufte das Institut unter anderem mit Henry Bath aus Großbritannien die größte Lagerfirma für Metalle. Bekannt wurde Masters, weil ihr die Erfindung von Credit Default Swaps (CDS) Anfang der 1990er-Jahre zugeschrieben wird. Diese Kreditausfallversicherungen galten nach der Pleite von Lehman Brothers 2008 als Krisenverstärker.

  • 11.01.2013, 17:36 Uhrabc

    Der Unterschied zu Warentermingeschäften: Beim ETF geht es um Investoren vs. Spekulatoren. Ein Spekulant im Kupfer-Future hat überlicherweise ein tatsächliches Interesse an der Lieferung von Kupfer (der Spekulant wird also zum Händler) oder aber löst den Vertrag rechtzeitig vor Fälligkeit wieder auf.

    Spekulanten sind dabei obendrein eher antizyklisch interessiert, d.h. sie kaufen zu niedrigen Preisen (gehen long) oder verkaufen zu hohen Preisen (gehen short). Beides bewirkt eine Verringerung von Preisblasen. Weil Future irgendwann fällig werden (also geliefert bzw. abgenommen werden muss) muss ein Spekulant über kurz oder lang Farbe bekennen und erklären was er tatsächlich will. Einfach nur Preise hochtreiben funktioniert dort nicht.

    ETF-Käufer mit physischer Besicherung würden dagegen genau umgekehrt handeln. Bei steigenden Preisen (also knappem Angebot) würde dem Markt obendrein Kupfer entzogen und so eine weitere Preissteigerung erzeugt werden. Bei Überangebot von Kupfer und sinkenden Preisen würde dagegen zusätzlich Kupfer auf den Markt geworfen werden (zum falschen Zeitpunkt!) und so den Preisverfall beschleunigen.

    In der Tat ist ein solcher ETF potentiell volkswirtschaftlich kontraproduktiv. Volkswirtschaftlich sinnvoll wäre dagegen ein short-ETF, allerdings ist der für die Bank sehr riskant. Dabei würden bei fallenden Preisen ge- und bei steigenden Preisen verkauft. Das Risiko bestände darin, dass weder Bedarf noch Kupferabbau sauber prognostiziert werden kann und der ETF bei einer langanhaltenden Kupferbaisse pleite geht. Ich vermute auch, dass ein solches short-ETF vielen Privatkunden schwer zu vermitteln und zu verkaufen ist. Obwohl man mit einem Short-ETF durchaus gutes Geld machen kann.

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