Herr Bruns, wird das Jahr 2013 für Börsianer ähnlich gut wie das vergangene Jahr?
Wir haben mit dem Loys global in den vergangenen fünf Wochen ein Plus von gut fünf Prozent eingefahren. Wenn ein Jahr so startet, dann ist es sicher nicht falsch, im Frühjahr Gewinne mitzunehmen. Wir leben nicht in normalen Zeiten, der Schein trügt. Die Euro-Krise ist schließlich noch nicht vorbei, auch wenn es an den Märkten so aussieht.
Die Schuldenkrise tobt nicht nur in Europa sondern auch in den USA…
Die USA haben ein gigantisches Schuldenproblem. Trotzdem haben sie quasi per Definition ein AAA-Rating. Gott bewahre, dass sich das ändert.
Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.
Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.
Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.
Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.
Im laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.
Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.
Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.
Klingt da etwa Pessimismus durch? Sie gelten doch eigentlich als Optimist…
Ja, ich bin ein wenig pessimistisch. Die Preise, also die Aktienkurse, sind deutlich höher als vor einigen Monaten. Aktien sind teilweise recht teuer geworden, ich mag es aber billig. Deshalb fühle ich mich in Krisenzeiten auch am wohlsten, dann schlafe ich am besten.
Krisenzeiten sind also gut Zeiten?
Ja, denn dann bieten sich an der Börse wunderbare Einstiegsmöglichkeiten. Krisenzeiten sind Schnäppchenzeiten. Was wir derzeit erleben, ist eine von Liquidität getriebene Hausse. Mir sind Bewertungs-Haussen lieber. Doch eine solche haben wir nicht, es ist die Liquidität, mit der die Notenbanken die Märkte fluten, die die Aktien steigen lässt. Das wird sich noch eine Zeit lang weiter gehen. Doch dann ist Vorsicht geboten.
"Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demographischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten."
"An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus."
"Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen , treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen."
"Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden."
"Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene 'Konten' zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Wie haben Sie als Deutscher, der in Chicago lebt und arbeitet, die Euro-Krise erlebt?
Ganz anders als ein Deutscher in Europa. Das Ganze war im Grunde eine riesige Übertreibung, was ich auch immer wieder betont habe.
Es war also eigentlich alles halb so schlimm?
Da ist vieles ganz schön hochgekocht worden. Die Angelsachsen hatten natürlich mehr Interesse daran, dass der Euro scheitert, als die Europäer. Schließlich ist er eine große Konkurrenz zum US-Dollar – Stichwort Leitwährung. Aber auch die Europäer haben viel dafür getan, dass das Projekt Einheitswährung schief geht.
Und zwar?
Es ging damit los, dass der Euro zu früh eingeführt wurde. Länder sind Mitglieder der Währungsunion geworden, die dort eigentlich nichts zu suchen gehabt hätten, denken wir nur an Griechenland. Dann die Ausgestaltung der Europäischen Zentralbank. Wie kann es sein, dass das kleine Zypern genauso viel Macht hat wie Deutschland? Als erste Länder in Schieflage gerieten, hat sich einiges hochgeschaukelt.
Auch wenn die Märkte sich beruhigt haben, ist die Krise in Griechenland, Spanien, Italien oder aktuell in Zypern doch keinesfalls ausgestanden.
Die Krise ist lediglich an den Märkten vorbei. Aktien, Euro – alles steigt. Realwirtschaftlich ist die Krise aber natürlich noch lange nicht vorbei. Die dringend notwendigen Strukturreformen werden Jahre, sogar Jahrzehnte dauern. Das erinnert an die ehemalige DDR.
"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."
"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."
"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Die DDR?
Ja, dieser Vergleich muss erlaubt sein. Wir transferieren immer noch Jahr für Jahr 150 Milliarden Euro in die sogenannten neuen Bundesländer. Das läuft nun schon seit mehr als 20 Jahre so. Das wird mit den südeuropäischen Ländern ähnlich laufen. Und ob Griechenland besser dasteht, als damals die DDR, darüber kann man streiten…
Die Lösung der europäischen Schuldenkrise könnte also 20 und mehr Jahre dauern?
Machen wir uns nicht vor: Das ist eine Generationenaufgabe. Diese Reformen werden sehr, sehr lange dauern.
Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.
Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.
Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.
Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.
Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.
Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.
Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!
Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.
Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.
Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.
Und scheinbar ist auch immer Druck von außen, also von den anderen Euro-Ländern nötig…
Wohl wahr. Ohne eine Krise verändert sich nichts. So war es schon immer. Die wichtigsten Weichenstellungen in der Geschichte der Menschheit sind große Katastrophen und Kriege. Es mag ironisch klingen, aber für die nachkommenden Generationen war der Zweite Weltkrieg ein großes Glück. Es folgten Jahrzehnte langer Frieden und Wirtschaftswachstum.
Was wird auf die Euro-Krise folgen?
Zuerst einmal sind die alten, unfähigen Regierungen, die uns den Schlamassel eingebrockt haben, vom Hof gejagt worden – inklusive des Suppenkaspers Berlusconi. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten, wichtige Reformen werden hoffentlich zügig angegangen. Ohne die große Krise, wäre das sicher nicht passiert.
Sie sagen, Sie hätten die Krise anders erlebt als ein Deutscher in Europa. In wie fern?
Die Amerikaner halten nicht viel von Europa. Natürlich wurde ich auf der Straße angesprochen als Europäer. Ich würde den Leuten leidtun, das ganze Elend, es müsse ja so schlimm sein im Krisen-Europa. Als Deutscher – denn das bin ich ja, den Europäer gibt es schließlich nicht wirklich – konnte ich da nur antworten, wir hätten vergleichsweise geordnete Finanzen, Wirtschaftswachstum und eine relativ geringe Arbeitslosenquote in Deutschland.
Und dann war es vorbei mit dem Mitleid?
Ich wurde völlig ungläubig angeschaut. Auch das zeigt die Übertreibung in der Euro-Krise. Das Urteil der Amerikaner über Europa ist wenig wert, denn sie wissen zu wenig über unseren Kontinent. Viele glauben doch glatt, die meisten Staaten wären sozialistisch beziehungsweise kommunistisch.
Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden.
Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert.
Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese.
Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre.
Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran.
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Hat Sie die Distanz zu Europa in ihren Anlageentscheidungen beeinflusst?
Auf jeden Fall. All das Krisen-Gerede – egal, ob hierzulande oder in den USA – konnte ich gelassen über mich ergehen lassen, denn ich habe es für übertrieben gehalten. Ich habe nicht geglaubt, dass der Euro untergeht, und entsprechend gehandelt. Geographische Distanz hilft da natürlich, Chancen zu erkennen.
Was heißt das konkret?
An der Börse werden Unternehmensbeteiligungen zu einem bestimmten Preis gehandelt. Für mich ist es entscheidend, dass der eigentliche Wert einer Aktie höher ist als ihr Preis. Das ist übrigens die bewährteste Anlagestrategie der Welt, die auch Warren Buffett verfolgt. Krisen bieten da extrem viele Chancen, denn in einer Krise werden Aktien richtig billig. Dann gilt es zuzukaufen, einzusteigen.
Es kann aber auch weiter nach unten gehen.
Natürlich, aber wenn der Preis niedriger ist als der wirkliche Wert einer Aktie, dann kann man das aussitzen. Das ist das Buffett-Prinzip, der Kern des Value-Investments, also des werthaltigen Anlegens.
Das funktioniert aber nicht immer. Im vergangenen Jahr hinkte die Performance des Loys Global dem Markt zunächst Zeit hinterher.
Langfristig geht die Strategie auf. Aber es stimmt, bis zum Herbst konnten wir dem Weltindex nur mit Mühe folgen. Doch dann hat der Umschwung bei Dollar und Yen uns kräftigen Rückenwind und einen erfreulichen Jahresendspurt verschafft.
Die japanische Währung hat binnen weniger Wochen fast 25 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren.
Die extrem starke Abwertung durch die Notenbank war überraschend. Das Land hat sich seit seiner Krise in den 90er-Jahren nicht erholt, die Aktien sind überwiegend billig. Bisher fehlte der Katalysator, damit die Wirtschaft und damit auch der Aktienmarkt ordentlich in Schwung kommen. Den haben wir nun.
Sind sie in japanischen Aktien investiert?
Ja, wir halten knapp drei Prozent japanische Aktien – den wir mit der erwähnten Wette gegen den Yen abgesichert hatten. Drei Prozent sind aber zu wenig, denn Japan wird das Thema des Jahres für Anleger. Japanische Aktien sollten mit Faktor zwei bis drei von der Abwertung des Yen profitieren, also 40 bis 60 Prozent steigen. Es sei denn, der Yen erholt sich.
Wie viel sollten Anleger in japanische Aktien stecken?
Im MSCI World ist Japan mit fast zehn Prozent vertreten. Warum also nicht zehn bis 15 Prozent des Portfolios investieren, wenn dort dieses Jahr die größten Chancen locken. Keine Nation ist von einem Erstarken der japanischen Wirtschaft übrigens so betroffen wie Deutschland. Schließlich sind beide Staaten starke Wettbewerber bei Investitionsgütern.
Welche Branche könnte es besonders treffen?
Die Automobilbranche. Wir haben in den vergangenen Monaten an der Frankfurter Börse eine wahre Autorally erlebt. Die Japaner sind gewichtige Autobauer. Trotz starker Währung haben sie beispielsweise in den USA Monat für Monat viel mehr Autos als die Deutschen verkauft. Mal sehen, wie sich das nun nach der Abwertung des Yen weiter entwickelt. Das wird spannend, auch an der Börse.
Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.
Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.
Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.
Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.
Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.
Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind
Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.
Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.
Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.
Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.
Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.
Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.
Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.
Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.
Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.
Gibt es neben Japan noch weitere interessante Länder für Anleger?
Nach wie vor lohnt es sich sicher, sich in Südeuropa umzuschauen. Dort gibt es gute Konzerne, die in der Krise an der Börse zu Unrecht abgestraft wurden. Wir haben außer etlichen Nebenwerten beispielsweise den italienischen Kaffeemaschinen-Hersteller Delonghi und Berlusconis Mediaset in Beobachtung. Auch Frankreich ist einen Blick wert.
Die Standardwerte haben sich in vielen Ländern sichtlich erholt. Lohnt der Einstieg noch?
Wie nach jeder Krise, ist das Geld erst in die großen Werte geflossen. Mit Blue Chips fühlen sich Investoren eben wohler. Erst danach wagen sie ein Blick in die zweite Reihe. Dass sich der lohnt, sehen wir in Deutschland. Der MDax hat sein Rekordhoch im Gegensatz zum Dax längst erreicht. Auch unser größter Wert Bechtle hat sich sehr gut entwickelt. Anleger sollten ihre Investments nicht nach Größe sondern nach Güte auswählen. Im MDax schlägt das Herz der deutschen Wirtschaft.
Schon im vergangenen Jahr haben die Analysten von S&P Capital IQ Equity Research ihre „Power Picks“ gewählt. Das Ergebnis: Die ausgewählten Unternehmen haben den Stoxx 600 (siehe Chart) um 12,2 Prozent auf Basis der Gesamtrendite übertroffen. Bei ihrer Suche untersuchen die Analysten nach eigener Aussage „Schlüsselthemen, die die Performance europäischer Aktien in den kommenden zwölf Monaten beeinflussen werden“ und währen daraus solche, von denen „eine Outperformance im Vergleich zum breiteren Marktumfeld zu erwarten ist.“ Herauskam eine Liste, die Aktien aus den verschiedensten Sektoren beinhaltet.
Zu einem der aussichtsreichsten Titel gehört für die Analysten von S&P Research der Chipzulieferer ASML. Hierzulande ist das niederländische Unternehmen vielleicht nicht allzu bekannt, auf seinem Gebiet aber Weltmarktführer und beliefert gut vier Fünftel aller Halbleiterhersteller. In Zukunft, das prophezeien die Experten, wird die Nachfrage nach Smartphones und Tablets steigen, wovon auch der Zulieferer profitieren sollte. Die Aktie hat seit Beginn des Jahres einen Sprung nach oben gemacht, zuvor - im zweiten Halbjahr 2012 - jedoch lange seitwärts tendiert. Anleger dürften wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, dass das Unternehmen weiterhin über Aktien-Rückkäufe und Dividenden Geld an die Investoren ausschütten will.
Die Aktie der französischen Großbank BNP Paribas hat sich in den vergangenen sechs Monaten prächtig entwickelt, stieg von 30 auf mittlerweile fast 50 Euro. Dies überrascht insofern nicht, als dass das Geldinstitut im dritten Quartal – die Zahlen für das vierte sollen in etwa zwei Wochen bekanntgegeben werden – seinen Gewinn auf 1,32 Milliarden Euro mehr als verdoppeln konnte und damit selbst Experten überraschte. Die Analysten von S&P glauben, dass die Bank das Potenzial hat, weitere Marktanteile zu gewinnen und eventuell sogar die Dividende zu erhöhen. Die Aktie hat noch Luft nach oben, jedenfalls ist es bis zum Allzeithoch noch ein Stück.
Die Aktie von Carlsberg ist offensichtlich ganz nach dem Geschmack der Analysten von S&P Research. Sie trauen ihr weitere Kursgewinne im laufenden Jahr zu. Vor allem sei der Bierbrauer in den Emerging Markets gut aufgestellt, wo ihren Schätzungen nach der Großteil der Gewinne erwirtschaftet werde. Ein Aufwärtstrend ist deutlich zu sehen, aktuell kratzt die Aktie an der 80-Euro-Marke.
Centrica ist ein Gas- und Stromversorger, der vor allem in Europa und Nordamerika aktiv ist, wobei das Downstream-Geschäft in Großbritannien der primäre Ertragsträger des Unternehmens ist. Wie die Analysten schreiben, erhöhte British Gas zuletzt seine Preise um sechs Prozent mit dem Ziel, zum Ende des Jahres 2013 die 300-Millionen-Grenze zu überschreiten. Damit solle eine Gewinnmarge von sechs bis sieben Prozent erreicht werden. Die Aktie hat in den vergangenen Wochen und Monaten eine Achterbahn hingelegt, eine Tendenz ist nicht abzulesen. Dennoch sind die Experten von S&P Research überzeugt, dass es in diesem Jahr aufwärts gehen wird. Mit knapp vier Euro ist das Papier immerhin relativ günstig zu haben.
Die Analysten haben ebenfalls ein Auge auf den Brillenglashersteller Essilor International geworfen. Nach Angaben des Unternehmens benötigen weltweit rund vier Milliarden Menschen eine Brille – aber nicht einmal die Hälfte besitzt eine. Das bedeutet große Wachstumschancen, vor allem außerhalb Europas und den USA. Die Experten lobten zudem die soliden Bilanzen, die weiteres nichtorganisches Wachstum erlaubten.
Die Schweizer Banken stehen momentan in keinem guten Ruf, Manipulationen und Tricksereien haben das Image beschädigt. Der Vermögensverwalter Julius Bär hat sich daraus weitgehend heraushalten können. Das Institut hat anderes zu tun, steht aktuell in Verhandlungen mit Merrill Lynch über den Kauf des internationalen Vermögensgeschäfts außerhalb der USA. Sollte dies gelingen, wird sich die Präsenz der Gruppe in schneller wachsenden Märkten deutlich erhöhen. Das heißt im Klartext: höhere Einnahmen. Dem Aktienkurs würde das sicherlich zugute kommen.
Einen (Lebens)Versicherer würden die Analysten ins Portfolio aufnehmen, nämlich Prudential. Die Stärke des US-Unternehmens sehen sie vor allem in dem „einzigartigen asiatischen Franchise-System“. Dort erwarten sie ein Wachstum im zweistelligen Bereich. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten arg geschwankt, aber insgesamt einen Schritt nach vorn bzw. oben gemacht. Ob es so weitergeht, wird sich zeigen.
Mit Rio Tinto haben die Experten ein echtes Schwergewicht in ihre Liste aufgenommen. Der Rohstoffriese gehört nach Marktkapitalisierung zu den 50 wertvollsten Unternehmen der Welt. Wird es in diesem Jahr noch wertvoller, also die Aktie steigen? Die Analysten glauben fest daran und setzen insbesondere auf die Nachfrage aus China.
Die Konkurrenz durch Generika setzt Sanofi, dem viertgrößten Pharmakonzern der Welt, weiter zu. Zwischen Juli und September – neuere Zahlen liegen bislang nicht vor – des vergangenen Jahres sank der Gewinn um fast ein Viertel. Da konnte selbst das Wachstum in den Schwellenländern nicht helfen. Die Aktie zeigte sich jedoch widerstandsfähig und hat in den vergangenen sechs Monaten sogar zugelegt, vielleicht mit ein Grund, warum die Experten die Aktie ausgewählt haben.
Schon im vergangenen Jahr haben die Analysten von S&P Capital IQ Equity Research ihre „Power Picks“ gewählt. Das Ergebnis: Die ausgewählten Unternehmen haben den Stoxx 600 (siehe Chart) um 12,2 Prozent auf Basis der Gesamtrendite übertroffen. Bei ihrer Suche untersuchen die Analysten nach eigener Aussage „Schlüsselthemen, die die Performance europäischer Aktien in den kommenden zwölf Monaten beeinflussen werden“ und währen daraus solche, von denen „eine Outperformance im Vergleich zum breiteren Marktumfeld zu erwarten ist.“ Herauskam eine Liste, die Aktien aus den verschiedensten Sektoren beinhaltet.
In der ersten Reihe gibt es auch Branchen, die zurückgeblieben sind – beispielsweise die Versorger.
Mit den Versorgern ist das so eine Sache. Sie sind quasi halbstaatlich, ihnen ging es viel zu lange viel zu gut. Sie haben teuer zugekauft, ihre Beteiligungen billig wieder verkauft. Ihr Schuldenstand ist hoch. Es fehlt der Wandel zu eigentümerorientiertem Management.
Viel Kritik. Sie haben also keine deutschen Versorger im Depot?
Nein, haben wir nicht. Natürlich kann man sich die Versorger auf dem derzeitigen Kursniveau anschauen. Mit dem Preis könnte ich sogar leben, aber es fehlt der Katalysator, eine Strategie, die für Phantasie an der Börse sorgen könnte.
Die Verlierer 2012 werden also auch 2013 die Verlierer an der Börse sein?
Nein, ich glaube nicht, dass es mit ihren Kursen viel weiter runtergeht. Aber eben auch nicht unbedingt rauf. Eon und RWE stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Politik lässt sie fallen, ihr Geschäftsmodell ist mit der Energiewende zerbröselt, dazu immense Schulden. Wie gesagt, es fehlt die Strategie.
Sehen sie andere Einstiegschancen im Dax?
Eher nicht, denn viele Dax-Aktien sind teuer geworden. Deshalb ist eine langsamere Gangart zu erwarten. Im vergangenen Jahr hat der Dax fast 30 Prozent zugelegt. Solche Zuwächse sieht man selten zwei Jahre in Folge. Und dann ist 2013 auch noch ein Wahljahr. Was kann man da schon groß erwarten?
Also lieber Gewinne mitnehmen?
Warum nicht? In Europa gibt es derzeit sicher interessantere Anlagemöglichkeiten. Japanische Aktien dürften in den Depots deutscher Privatanleger auch untergewichtet sein. Auch Schwellenländer sind nach einigen schwachen Jahren wieder attraktiv.
Herr Bruns, danke für das Interview.

Physische replizierende ETF sowie aktive Fonds haben ebenfalls ein durch Collaterals gemildertes Kontrahentenrisiko durch die Leihe die sie praktizieren.
Den Swaps steht ebenfalls ein Collateral Basket gegenueber, desweiteren wird der Swap laufend nachgezogen und Collateral Management betrieben sodass das eh begrenzte Eventual Kontrahentenrisiko noch weiter reduziert wird.
Bei Moningstar oder in einer Johannig Studie kann man sich hierueber sicher genauer informieren als bei Twitter/Suite101, aber ich gebe Ihnen Credit dafuer dass sie mit ihrer Kritik wenigstens nicht mehr auf dem sonst ueblichen Panikmachestand von vor zwei Jahren- als diese Diskussion aufkam- sind.

Die Schattenseite der synthetischen Replikation ist, dass Swaps derivative Finanzinstrumente sind – und die genießen bei vielen Anlegern seit der Finanzkrise keinen guten Ruf mehr. Zudem gibt es bei Swaps das Risiko, dass der Kontrahent ausfällt, der Vertragspartner des Fonds also. Allerdings ist der Anteil von Swaps am Nettoinventarwert (NAV) eines Fonds durch die Richtlinien der Europäischen Fondsregulierung auf höchstens zehn Prozent begrenzt. Zudem verweisen die Fondsgesellschaften auf die hohe Bonität ihrer Swap-Partner: Lyxor ETF swappt mit seiner Muttergesellschaft, der französischen Großbank Société Générale, bei den db x-trackers ist der Vertragspartner die Deutsche Bank selbst. Und die kann schließlich nicht pleite gehen.
Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: ETFs: volle oder synthetische Replikation?: Ein Vergleich voll replizierender und Swap-basierter Indexfonds | Suite101.de http://suite101.de/article/etfs-volle-oder-synthetische-replikation-a53764#ixzz2K7Eb7Wec
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Hmm- auch das scheint nicht ganz korrekt zu sein.
Laut der hauseigenen Broschuere (weiterer Grund zur Vorsicht) betrug der Mehrertrag 8.8% auf 5 Jahre, wovon das Gros auf das Jahr 2009 entfiel- wohl durch Kasse im freien Q1Fall. Danach sieht's mau aus- also auch wie so oft ein negativer/underperformender $weighted return.
Und das alles noch ohne Steuern, welche bei aktiven Fonds immer hoeher ausfallen als bei passiven und somit die Nettorendite schmaelern, und ohne den 5% Ausgabeaufschlag...
Synthetisch replizierende TR-ETF bilden mittlerweile die Indizes 1:1 ab und generieren ein weiteres % Outperformance gegenueber aktiven Fonds durch den Steuerstundungs bzw. bei BTH Steuerspareffekt der reinvestierten Dividenden- somit ist der 2.Teil ihrer Aussage komplett falsch.






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