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Investment-Fonds: Das 0,08-Prozent-Rendite-Problem

Die Dumping-Zins-Politik der Notenbanken kappt die Renditen von Geldmarktfonds. Anlegern droht das große Minusgeschäft; viele ziehen ihr Geld ab. Die Fonds-Anbieter suchen daher eilig nach Lösungen des Rendite-Problems.

Der Finanzdistrikt in London gilt als Quelle vieler Geldmarktfonds. Quelle: AFP
Der Finanzdistrikt in London gilt als Quelle vieler Geldmarktfonds. Quelle: AFP

FrankfurtDie Geldmarktfonds sind in Nöten. Wegen der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) schrammen sie mit ihren Anlagerenditen nur noch knapp über der Nulllinie. Fonds und Aufsichtsbehörden suchen nach einer Lösung für jenen Teil der Produkte, bei denen die Anteilswerte festgeschrieben sind.

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Es geht um den europäischen Markt der Geldmarktfonds mit einem Vermögen von rund 1,1 Billionen Euro. Davon entfällt rund die Hälfte auf Euro-Produkte. Kunden sind fast ausschließlich Großinvestoren, häufig Unternehmen, die in Geldmarktfonds ihre liquiden Mittel parken. Die Fonds investieren in festverzinsliche Wertpapiere mit sehr kurzen Restlaufzeiten und in Bankeinlagen. Durch die Risikostreuung auf Papiere verschiedener Emittenten bleiben die Fonds auch bei Mini-Renditen für viele Großanleger attraktiv.

Fonds-Gebühren im Überblick

  • Ausgabeaufschlag

    Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

    Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

    Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

  • Verwaltungsgebühr

    Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

  • Depotbankgebühr

    Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

    Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

  • Performance Fee

    Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

    Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

    Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

    Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

  • Transaktionskosten

    Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

    Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

  • Sonstige Gebühren

    Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

    Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

Vor allem ein 106 Milliarden Euro großer Teil des Euro-Segments bekommt nun zunehmend Probleme. Bei diesen Produkten ist der Anteilspreis bei einem Euro festgeschrieben. Die vom Fonds eingenommenen Zinsen werden regelmäßig an die Investoren ausgezahlt. In Deutschland bieten etwa JP Morgan, Goldman Sachs oder Federated Investors solche Produkte an.

"Gerade die nach diesem Modell aufgelegten Produkte kommen unter Druck", sagt Charlotte Quiniou, Analystin bei der Ratingagentur Fitch. Wenn die Renditen vieler Papiere, in die die Fonds investieren, negativ sind, schlägt das auf den festgelegten Anteilspreis durch. "Alle Fondsmanager müssen auf negative Renditen vorbereitet sein", sagt die Fitch-Analystin.

Spätestens seit der Zinssenkung der EZB Anfang Juli ist die Lage eskaliert. Laut Analysefirma Morningstar zogen Anleger aus allen Euro-Geldmarktfonds schon im Juni insgesamt 15 Milliarden Euro ab, im Juli 8,3 Milliarden Euro. Im August scheint sich die Lage mit einem Plus von 0,7 Milliarden Euro etwas beruhigt zu haben. "Das ist Draghis Äußerungen zur Rettung des Euros zu verdanken", sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Doch das Rendite-Dilemma bleibt bestehen.

Fonds

Fondsanbieter wie HSBC haben bereits ihre Gebühren gesenkt, damit die Endrendite noch positiv bleibt. Metzler senkt ab Oktober die jährliche Managementgebühr von 0,1 auf 0,05 Prozent, außerdem die Depotbankgebühr. Ampega-Gerling speckt zum gleichen Termin von 0,25 auf 0,1 Prozent ab. "Bei den Euro-Produkten haben wir Ende August eine Durchschnittsrendite von 0,08 Prozent errechnet", sagt Fitch-Analystin Quiniou, "vor dem EZB-Schritt waren es noch 0,19 Prozent."

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