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Investmentgesellschaften hoffen auf wachsendes Interesse an alternativen Produkten: Nachhaltigkeitsfonds gehen bei der Titelauswahl neue Wege

Kaum ein Begriff ist in den vergangenen Jahren in Politik und Wirtschaft so inflationär gebraucht worden wie „Nachhaltigkeit“. Kein Wunder, dass auch die Fondsbranche längst auf den Zug aufgesprungen ist.

FRANKFURT/M. In einem Markt, der von Fondsschließungen und Mittelabflüssen dominiert war, stieg die Zahl der Nachhaltigkeitsfonds im Jahr 2002 um rund ein Viertel. Und im bisherigen Jahresverlauf wuchs die Zahl der neu aufgelegten Fonds in diesem Segment noch einmal um 25 %.

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Bei den Anlegern scheint das Interesse an alternativen Produkten ebenfalls vorhanden zu sein. Einer Umfrage der Finanzdienstleistungsgruppe Delta Lloyd zufolge würden ein Drittel der deutschen Anleger bei gleichen Renditechancen ein Produkt mit dem Etikett „nachhaltig“ bevorzugen, 26 % würden demnach sogar eine geringere Rendite in Kauf nehmen. So weit die Theorie. In der Praxis spielen nachhaltige Produkte in Deutschland aber weiterhin eine untergeordnete Rolle und ziehen weniger als ein Prozent der in Publikumsfonds investierten Mittel auf sich.

„Die Produkte sind da, das Interesse ist da – was jetzt noch fehlt ist mehr Transparenz“, sagt Paschen von Flotow, Leiter des Institutes für Ökologie und Unternehmensführung an der European Business School. Er fordert von den Banken Konzepte, mit denen das nachhaltige Engagement von Unternehmen besser bewertet werden kann. Die Kosten für ihre Analysen sollten die Institute aber nicht auf die Fondsgebühren aufschlagen, sondern als Investitionen verbuchen. „Wer sich heute Konzepte erarbeitet, ist morgen auf einem wichtigen Wachstumsmarkt einen Schritt voraus“, sagt von Flotow.

Dass das Thema Nachhaltigkeit zukünftig eine gesteigerte Rolle bei der Geldanlage spielen wird, steht für Holger Desch, Geschäftsführer von Delta Lloyd Investment Managers, außer Frage: „Nachhaltigkeit wird der Mega-Trend der kommenden Jahre sein“, ist sich Desch sicher. Schließlich sei nachhaltiges Wirtschaften in jeder Branche von entscheidender Bedeutung.

Allerdings tun sich die Fondsanbieter nach wie vor schwer, eine fixe Definition für Nachhaltigkeit zu geben. Während früher vor allem „ökologisch korrekte“ Anlagen unter diesem Begriff zusammengefasst wurden und zahlreiche Umwelt- Technologie-Fonds auf den Markt kamen, ist der Umweltaspekt heute nicht mehr allein entscheidend: „Unternehmen, die als nachhaltig gelten wollen, müssen dies sowohl unter ökologischen und sozialen, aber auch unter ökonomischen Aspekten sein“, sagt Desch. Ziel der Delta-Fonds sei es nicht, dem Anleger ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem er bloß sein Gewissen beruhige, sondern auch ein Investment zu liefern, das eine überproportionale Rendite erziele. Eine reine Ausrichtung auf spezifische Themen wie Umwelttechnik würde den Kreis der möglichen Anlagen aber derart einschränken, dass eine überdurchschnittliche Rendite kaum möglich sei, sagt Desch.

Wie eine Reihe neuerer Produkte setzen die Delta-Fonds daher auf die „Best-in-Class-Strategie“. Diese erlaubt auch Anlagen in Branchen, die zunächst nicht als klassisch „nachhaltig“ gelten, beispielsweise die Chemie- oder die Automobilindustrie. „Wichtig ist, dass die Unternehmen in ihrem Bereich bei der Besetzung ökologischer und sozialer Themen führend sind“, erklärt Desch die Strategie. Ein Fonds, der rechtzeitig in erfolgreichen Nachhaltigkeitspioniere verschiedener Branchen investiere, werde langfristig eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften, erwartet Desch. Denn auch an den Märkten werde Nachhaltigkeit künftig stärker gefragt sein.

Bisher, das zeigen Untersuchungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), konnten Alternativ-Fonds den Markt jedenfalls weder schlagen, noch schnitten sie schlechter ab: „Nachhaltige Investments sind auch nicht anders als herkömmliche Anlagen“, fasst Michael Schröder, Leiter des Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte, die Ergebnisse der ZEW-Studien zusammen. Es habe sich gezeigt, dass viele Produkte in ihrem Aufbau und ihrer Zusammensetzung herkömmlichen Fonds ähnelten. Lediglich in der Gewichtung gebe es geringfügige Unterschiede.

Quelle: Handelsblatt

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