_

Joachim Faber, Jay Ralph: „Die Achterbahnfahrt wird noch Monate anhalten“

Hedge-Fonds als Sündenböcke, Regierungen als Krisengewinner: Im Interview erklären Joachim Faber und Jay Ralph von der Allianz, welche Rolle Spekulanten in der Schuldenkrise spielen und wie es an den Märkten weitergeht.

Joachim Faber (l.) verlässt zum Jahreswechsel die Vermögensverwaltung des deutschen Versicherungskonzerns Allianz und geht mit 61 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger Jay Ralph (52) muss die zuvor als „Allianz Global Investors“ (AGI) bekannte Firma weiterentwickeln. Quelle: Tobias  Everke für Handelsblatt
Joachim Faber (l.) verlässt zum Jahreswechsel die Vermögensverwaltung des deutschen Versicherungskonzerns Allianz und geht mit 61 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger Jay Ralph (52) muss die zuvor als „Allianz Global Investors“ (AGI) bekannte Firma weiterentwickeln. Quelle: Tobias Everke für Handelsblatt

Handelsblatt: Herr Faber, Herr Ralph, wann kommen die Märkte endlich zur Ruhe?

Anzeige

Faber: Ich fürchte, man kann den Anlegern wenig Hoffnung auf eine schnelle Stabilisierung machen. Diese täglichen Achterbahnfahrten werden noch einige Monate anhalten.

Ralph: Das wird nicht enden, bis sich nicht wenigstens eine Lösung der Krise in Europa abzeichnet.

Wann also werden die Märkte Ruhe geben?

Ralph: Sicher nicht, bis zumindest der Weg absehbar ist, der zu einer Fiskalunion Europas führt.

Und eine solche Fiskalunion ist unumgänglich?

Ralph: Naja, ich denke, man braucht zumindest eine europäische Einigung darauf, wie man die Ausgaben kontrolliert. Wenn die Märkte sehen, dass sich das abzeichnet, wird es ruhiger werden.

Im Moment suchen die Politiker und die Öffentlichkeit einen Schuldigen für die Reaktion der Märkte. Sind es wirklich die „bösen Hedge-Fonds“, die Griechenland und den Euro kaputtspekulieren?

Ralph: Zunächst muss man mal festhalten, dass nicht die Märkte die Probleme geschaffen haben.

Faber: Richtig. Die Märkte reagieren lediglich auf diese Probleme. Und Hedge-Fonds werden immer schnell als die Sündenböcke bezeichnet. Aber in der Realität haben die lediglich ein Marktvolumen von zwei Billionen Dollar, also ungefähr so viel, wie wir an Kundengeldern verwalten. Das ist im Vergleich zum Volumen des Gesamtmarkts wenig.

Wer ist denn dann der Schuldige?

Faber: Es gibt eine Menge Marktteilnehmer. Ich denke, die Eigenhandelsabteilungen der Banken mit ihren Geschäften an den Derivatemärkten tragen vor allem zu den Schwankungen bei.

Aber seien wir doch mal ehrlich. Wenn einer Ihrer Fondsmanager vom Wertverlust einer Währung profitieren kann, erwarten Sie doch auch, dass er dies tut, um Geld zu verdienen, oder?

Faber: Unsere Investoren sollen in Stärke investieren und Schwäche verkaufen. Und das ist ein Prinzip, das in der ganzen Welt gilt und absolut in Ordnung ist. Wenn es schwache Regierungen gibt, die schlechte Entscheidungen treffen, dann werden die Märkte das bestrafen, und das ist in Ordnung.

Und wo ist dann der Unterschied zwischen den Banken und Ihren Fondsmanagern?

Faber: Mit einem langfristigen Horizont produziert man meistens den richtigen Druck auf eine Regierung, zu den richtigen Entscheidungen zu kommen. Aber wenn man auf Tages- oder Monatsbasis investiert, wird es problematisch. Aber das tun unsere Investoren nicht.

  • 07.10.2011, 20:23 Uhrpitt1998

    klingt logisch was die beiden sagen. Immer wieder wichtig und auch meine Meinung: wer und was ist die Ursache des ganzen Desasters? Das sind doch die Staaten, die Schulden über Schulden auftürmen! Von den Banken und Versicherungen wurde doch erwartet, dass sie "sichere" Staatsanleihen kaufen. Man stelle sich mal vor welchen Aufschrei die Politik gemacht hätte, wenn sich das böse Kapital frühzeitig der Staatsfinanzierung verweigert hätte. Auch dann wären die Banken die Bösen gewesen. Dass letztere auch viel dazu beitragen ist sicher unbenommen, aber der Auslöser sind die Staaten und da gehört Deutschland mit seinem riesigen Defizit auch dazu.

  • 07.10.2011, 20:04 UhrAnonymer Benutzer: EuroTanic

    Die Spatzen pfeifen es mittlerweile vom Dach. Dieses nullsummenbasierende Schuldgeldsystem und das darauf basierenden neokapitalistische Wirtschaftssystem geht nun unweigerlich zu Grunde. Und das zu Recht. Die Medien haben lediglich die Aufgabe die Massen weiter zu desinformieren, damit sich die Systemgünstlinge bis zum feststehenden Crash noch absichern können indem sie aus dem zusammenstürzenden Geldsystem aussteigen können um in Realwerte etc. zu gehen.

  • 07.10.2011, 15:05 UhrAnonymer Benutzer: atinak

    Endlich mal eine intelligente Idee, danke!

  • Die aktuellen Top-Themen
Börse New York: Krisen-Angst lähmt Wall Street

Krisen-Angst lähmt Wall Street

Auch die beste Kauflaune der US-Konsumenten seit Jahren half nicht. Die Händler in New York konzentrieren sich auf die drohende Eskalation der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Der Dow tauchte vor Handelsschluss nochmals.

Austritt Griechenlands: Heilsamer Schnitt?

Heilsamer Schnitt?

Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist kein Tabu-Thema mehr. Doch was wären die Folgen? Zunächst einmal großes Chaos, vermuten Experten. Auf lange Sicht aber könnte der Euro gewinnen.

So reich wie nie: Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen

Von wegen Krise: Die Menschen in Deutschland haben so viel Vermögen wie nie zuvor. Doch bei der Geldanlage ist heute nicht Ertrag, sondern Sicherheit das oberste Gebot. Wie und wo die Deutschen ihr Geld anhäufen.

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen